Kurze Wege zum ersten „Piks“

Dezentrale Impfstation in der Lauenbrücker Schulsporthalle ist einsatzbereit

Den Arm schön locker lassen. Nach nur wenigen Sekunden ist der Impfstoff verabreicht.
+
Den Arm schön locker lassen. Nach nur wenigen Sekunden ist der Impfstoff verabreicht.

Lauenbrück – Donnerstagmorgen, 10 Uhr. Schauplatz: die Sporthalle der Fintauschule. Dieter Rogge (82) und seine Frau Renate sind gerade angekommen. Von Fintel, ihrem Wohnort, nach Lauenbrück ist es mit dem Auto nur ein Katzensprung – wie für alle Frauen und Männer im besonders gefährdeten Alter ab 80 Jahren, die heute ihre erste Impfdosis erhalten, die sie gegen schwere Covid-19-Erkrankungen wappnen soll.

„Ich finde es toll, dass sich das so entwickelt hat, schneller als gedacht“, sagt der Senior über das dezentrale Impfangebot, das die Samtgemeinde Fintel im Schulterschluss mit der Gemeinde Scheeßel binnen kürzester Zeit organisiert hat. „Nach Zeven, ins Impfzentrum, hätten wir mal eben 80 Kilometer hin- und zurückfahren müssen – ich glaube, davor hätten wir uns ein bisschen gescheut.“ Renate Rogge ist heute nur die Begleitung. Sie fällt alterstechnisch nicht in die Gruppe der Impfberechtigten – noch nicht. „Wer weiß, ob ich mir meinen ,Piks‘ demnächst nicht schon beim Hausarzt abholen kann“, sagt sie. Begrüßen würde sie es allemal.

Unwohl muss sich in der Sporthalle niemand fühlen. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre. Alles geht hier seinen geordneten Weg. Die gut gefüllten Stühle in den Wartebereichen sind in gebührendem Abstand aufgestellt. Die Abwicklung, die mit Fiebermessen am Eingang beginnt, klappt wie am Schnürchen. Dazu stehen zahlreiche freiwillige Helfer parat, vom DRK wie auch von der Feuerwehr. Letztere kümmern sich um die Einweisung. „Ich bin in Kurzarbeit, ich habe heute Zeit“, sagt Jan Bald von den Helscher Kameraden. Andere hätten sich für den „Impf-Dienst“ extra beurlauben lassen.

Für das Ehepaar Rogge geht es als Nächstes zur Anmeldung. Zwei Stationen sind dafür eingerichtet – eine eigene für Scheeßeler, die andere für Finteler. Die erforderlichen Unterlagen, die den Besuchern Anfang dieser Woche schon mit der Terminvergabe zugestellt worden sind, per Botendienst, sicher ist immerhin sicher, hat Dieter Rogge schon zu Hause ausgefüllt. Am Scheeßeler Tisch sitzt Yvonne Neumann, Fachbereichsleiterin Ordnung und Soziales bei der Gemeinde. „Unser Job ist es zu schauen, ob die Bögen alle korrekt ausgefüllt sind und ob die Leute einen Impfpass mitgebracht haben“, sagt sie. Die Dokumentation, räumt Neumann ein, sei schon eine Menge Arbeit. „Und in drei Wochen, bei der zweiten Verimpfung, geht das ganze Prozedere nochmal vorn vorne los.“

Auf dem Sprung ist gerade Frank Lehmann, der Rektor der Fintauschule. „Eigentlich habe ich gehofft, dass wir heute draußen Schulsport machen können – dafür will aber das Wetter nicht ganz so recht mitspielen.“ Bis zu den Sommerferien, darauf habe man sich geeinigt, wolle man die Halle für weitere Impfaktionen, potenziell dann für die nächste Altersstufe der „Generation 70 plus“ zur Verfügung stellen. Sprich: Das komplette Interieur, darunter auch die Impfkabinen, verbleibt erstmal dort, wo es ist. „Klar, das Ganze geht auf Lasten unserer Schule – wir sind uns aber einig, dass so etwas vorgeht.“

Derweil haben Dieter Rogge und seine Frau schon in der Wartezone Platz genommen. Zehn, zwölf Minuten – dann ist das Paar an der Reihe. Zunächst geht es in eine der beiden Aufklärungskabinen zum Beratungsgespräch mit dem Arzt. Auch die Anamnese wird hier geprüft. Der anschließende „Piks“ erfolgt für die Impflinge dann auch schon ruckzuck. Den nimmt das Team aus Medizinern und ausgebildeten MFA um den Scheeßeler Hausarzt Jan Gerlach in weiteren vier zur Verfügung stehenden Kabinen vor. „Dezentrales Impfen ist natürlich eine super Sache“, meint Gerlach, „so lässt sich flächendeckend mehr erreichen und man kann schneller vorankommen.“ Er weiß: Bei einer einmaligen Aktion wird es in Lauenbrück ganz sicher nicht bleiben, „da ist noch mehr geplant.“

Dann begibt sich auch schon Dieter Rogge in seiner Obhut. Kurz geklärt, ob Links- oder Rechtshänder, den Ärmel hochgekrempelt – und schon ist die Dosis Biontech per Spritze in den Oberarm verabreicht. „Bis in drei Wochen dann“, verabschiedet sich Gerlach von dem Patienten, der sich aber noch nicht gleich sofort wieder auf den Heimweg machen darf. So müssen die Impflinge bis zu ihrer Entlassung erst eine viertel bis halbe Stunde warten für den Fall, dass es irgendwelche Reaktionen gibt.

Ehrlich gesagt haben wir es so gar nicht für möglich gehalten, dass wir es hinbekommen.

Fintels Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger

Zugegen sind an diesem Vormittag auch Tobias Krüger, der Bürgermeister der Samtgemeinde Fintel, und Käthe Dittmer-Scheele, seine Amtskollegin aus Scheeßel. „Ehrlich gesagt haben wir es so gar nicht für möglich gehalten, dass wir es hinbekommen“, sagt Krüger. Nur sieben Tage, seitdem vom Landkreis das Okay gekommen sei, dass es mit dem dezentralen Impfangebot klappen würde, hätten beide Kommunen Zeit gehabt, um alles auf die Beine zu stellen – angefangen vom Anschreiben der Impfberechtigten über die Terminvergabe („Plötzlich waren wir im Rathaus Arztpraxis“) bis hin zur Herrichtung der Räumlichkeiten. „Das hat uns und unseren Mitarbeitern schon die ein oder andere schlaflose Nacht gekostet“, weiß auch Dittmer-Scheele, die sich bei den nächsten Malen jeweils ein wenig mehr zeitlichen Vorlauf wünschen würde.

Bis Freitagmittag wird das Impfen in der Lauenbrücker Schulsporthalle an der Habichtallee noch andauern. Danach werden die 550 Menschen, die für die zweitägige Aktion aus den beiden Rathäusern einen Termin bekommen haben, ihren ersten von zwei „Piksen“ erhalten haben. „Wir freuen uns, dass wir es möglich bekommen“, meinen die beiden Hauptverwaltungsbeamten einvernehmlich. Diese Freude teilen sie sicher nicht alleine.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Meistgelesene Artikel

Inzidenz über 100 – aber noch keine Folgen

Inzidenz über 100 – aber noch keine Folgen

Inzidenz über 100 – aber noch keine Folgen
Ronolulu: Saisonstart am 1. Mai fällt ins Wasser

Ronolulu: Saisonstart am 1. Mai fällt ins Wasser

Ronolulu: Saisonstart am 1. Mai fällt ins Wasser
Scheeßeler Schulen wehren sich gegen Lieferung von Großpackungen

Scheeßeler Schulen wehren sich gegen Lieferung von Großpackungen

Scheeßeler Schulen wehren sich gegen Lieferung von Großpackungen

Kommentare