Kompostierungsanlage Helvesiek wird teurer

Kosten verdoppeln sich

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Biotonnen könnten schon bald kreisweit in den Vorgärten stehen.

Helvesiek - Von Wiebke Bruns. Der Landkreis Rotenburg hat ein Problem mit Grünabfällen. Die Kosten für eine neue Kompostierungsanlage in Helvesiek wurden mit einer Million Euro falsch angesetzt und könnten sich mehr als verdoppeln. Außerdem reicht das Gesamtvolumen der beiden kreiseigenen Anlagen nicht aus, um die jährlich anfallenden Mengen zu bewältigen. Der Landkreis erwägt die Einführung einer Biotonne und Gebühren für die Annahme von Gartenabfällen.

31.000 Tonnen Grünabfälle sind laut dem Landkreis Rotenburg im vergangenen Jahr insgesamt angefallen. Kompostiert wurde bislang in Gnarrenburg-Karlshöfen. Die dortige Anlage wurde 2009 vom Landkreis übernommen. Laut dem Gewerbeaufsichtsamt (GAA) Cuxhaven betrug die jährliche Durchsatzkapazität damals bereits maximal 12.500 Tonnen.

Diese wurde aber dauerhaft überschritten. Das GAA erklärte auf Nachfrage, dass die Gesamtmenge im Jahr 2012 bei 24.448 Tonnen lag. Erster Kreisrat und stellvertretender Landrat Torsten Lühring erklärt dies mit falschen Angaben des vorherigen Betreibers. Diese habe dem Landkreis 20.000 Tonnen als zulässige Jahresmenge genannt.

Die Lösung: eine zusätzliche Kompostierungsanlage in Helvesiek. Dafür wurde Anfang März 2016 eine Genehmigung erteilt. 22.000 Tonnen jährlich beträgt die erlaubte Durchsatzleistung. Für die Anlage in Gnarrenburg wurde die Durchsatzleistung mittlerweile auf 6.500 Tonnen jährlich reduziert. Unterm Strich immer noch zu wenig, um die 31.000 Tonnen jährlich (Tendenz steigend) zu bewältigen – zumal es auch Festlegungen zu den maximalen täglich und wöchentlich zu verarbeitenden Mengen gibt. Bereits jetzt wird ein Großteil der anfallenden Grünabfälle zu Anlagen außerhalb des Landkreises transportiert.

Nicht ausreichend sind auch die ursprünglich angesetzten Kosten für die Helvesieker Anlage in Höhe von einer Million Euro. „Das war nur ein Wert, um etwas in den Haushalt zu schreiben“, erklärt Lühring. Mittlerweile wurden die zu erwartenden Kosten auf 1,9 Millionen hochgesetzt und selbst die dürften nicht ausreichen, denn um die Auflagen des Gewerbeaufsichtsamtes zu erfüllen, müssen spezielle Maschinen angeschafft werden. Lühring schätzt die dafür zu erwartenden Kosten auf eine weitere halbe Million Euro.

Den Standort Helvesiek hält er immer noch für richtig. „Ich wüsste keinen besseren“, so Lühring. Dass ein nahegelegener Falkenzuchtbetrieb, um seine empfindlichen Tiere fürchtet und bereits Einspruch eingelegt hat, sieht er nicht als Problem. „Ich dachte, er hätte die Tiere nach Spanien ausgelagert“, so Lühring. Mittlerweile habe man ein Gutachten erstellen lassen und das bestätige, dass für die Falken keine Gefahr bestünde. Das sieht deren Züchter anders und will gegebenenfalls gerichtlich gegen den Landkreis vorgehen.

Das Gewerbeaufsichtsamt hat die Genehmigung für Helvesiek unter Auflagen erteilt. Bei so ziemlich allen Arbeitsschritten muss Staubentwicklungen mit Befeuchtung des Materials entgegengewirkt werden. Zugelassen ist die Anlage auch nur für Baum- und Strauchschnitt, Rasenschnitt, Mähgut und Laub. Für Müll aus Biotonnen wäre erneut eine Genehmigung zu beantragen, bestätigte das Gewerbeaufsichtsamt auf Nachfrage.

Am Dienstag ab 14.30 Uhr befasst sich der Ausschuss für Abfallwirtschaft mit dem Thema.

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