Lebensberaterin Ursula Koszudowski referiert beim Frauenfrühstück zum Thema „Faires Streiten“

„Konfliktvermeidung ist keine Lösung“

Heidi Holst (v.l.), Koordinatorin Hanni Nack, Gisela Pape, Referentin Ursula Koszudowski, Doris Burfeind und Rita Kaiser gestalteten das Frauenfrühstück. - Foto: Ujen

STEMMEN - Auch beim zweiten Frauenfrühstück des Jahres konnte sich das Team um Koordinatorin Hanni Nack aus Sittensen nicht über mangelnde Teilnahme beklagen: Mehr als 200 Frauen waren in das Landgut Stemmen gekommen. Das Konzept aus gemeinsamem Frühstück mit Gesprächen nur unter Frauen, informativen Vorträgen und einer unterhaltsamen Umrahmung geht mittlerweile seit 29 Jahren auf.

Nach der Begrüßung durch Nack und einem Sketch mit Heidi Holst zum Thema Nachbarschaftsstreit ließen sich die Gäste unter melodischen Klängen des Akkordeonorchesters Wangersen zunächst das Frühstück schmecken.

Den Hauptprogrammpunkt des Vormittags bildete ein Vortrag von Ursula Koszudowski aus Cuxhaven, die zum Thema „Streiten – wichtig – aber richtig“ referierte. Die Diplom-Sozialarbeiterin absolvierte eine Zusatzausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin und unterhielt bis zu ihrer Rente eine Praxis für Lebensberatung. Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne und vier Enkel und ist mit ihren Vorträgen bundesweit unterwegs.

Mit einer näheren Definition des Wortes Streit, das sich aus mittelalterlichen Begriffen wie „starr auf seiner Meinung beharren“ oder „das Visier herunterklappen“ ableite, erklärte Koszudowski, warum wir auch heute noch ein Streitverhalten an den Tag legen, das oft zu ausweglosen Situationen führe. Streit entstehe, weil jeder recht haben möchte und man meint, der andere sei im Unrecht. Leider bildeten wir Deutschen da keine Ausnahme, wären sogar Weltmeister im Nachbarschafts- und Erbschaftsstreit. „Kein Thema wird heute so kritisch beleuchtet wie das Thema Streit“, so die Sozialarbeiterin. „Leider fühlen sich viele Menschen bei diesem Thema ihren Emotionen oft hilflos ausgeliefert. Das führt zu den typischen Mustern wie explosionsartiger Angriff einerseits oder Streitvermeiden andererseits.“ Allerdings sei weder unkontrollierte Anklage noch Konfliktvermeidung eine Lösung, besser wäre es, strategisch an den Streit heranzugehen.

Anhand von fünf nachvollziehbaren Schritten zeigte Koszudowski auf, wie man konstruktives Streiten lernen kann: An erster Stelle stünde die Selbsterkenntnis, denn nur wer sich selbst kenne, könne für sich streiten. Es folge das Interesse am Gegenüber, da man nur dann mit Respekt streiten könne. Wichtig sei ebenfalls eine eigene Grenzerfahrung, um zu erkennen, wo man selbst Grenzen habe, die man auch verteidigen könne. Als vierter Punkt folge die Auseinandersetzung, mit der man Distanz schaffe und für sich selbst einstehe. Und schließlich die Versöhnungsbereitschaft, mit der man in ein Konfliktgespräch gehen, offen zuhören und die Würde des Anderen achten müsse.

Mit ihrem Merksatz „Ich streite immer dann konstruktiv, wenn ich mit Selbsterkenntnis und Interesse am Gegenüber – im Bewusstsein meiner eigenen Grenzen – die Auseinandersetzung versöhnungsbereit wage“ fasste die Referentin ihr Streitkonzept zusammen.

In der Pause nutzten die Gäste die Gelegenheit, sich ausführlich über die Thematik auszutauschen und sich am Büchertisch von Stefanie Mahnken mit den neuesten Lektüre einzudecken – auch die Bücher der Referentin „Aus Wut mach Mut“ und „Mein Leben findet heute statt“ wurden stark nachgefragt. - uj

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