Klimaschutz: Vortrag über Förderprogramme im Finteler Samtgemeinderat

Kommunen haben es in der Hand

Solarzellen auf dem Dach des Feuerwehrhaus-Neubaus in Helvesiek? Die Grünen im Samtgemeinderat könnten sich dies im Sinne des kommunalen Klimaschutzes durchaus vorstellen. Foto: IMAGO

Lauenbrück - Von Lars Warnecke. Die Samtgemeinde Fintel baut ein neues Feuerwehrhaus. In Helvesiek soll das entstehen. „Eigentlich sollten wir bei der Endplanung noch einmal reinschauen, wie wir bei dem Projekt den Energiebedarf optimieren können,“ regte Hans-Jürgen Schnellrieder, Fraktionschef der Grünen, bei der jüngsten Ratssitzung an. Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach schwebe ihm zum Beispiel vor, „etwas, was wir beim Neubau des Feuerwehrhauses in Lauenbrück leider verpasst haben.“

Mit seiner Anregung griff der Finteler Politiker genau das auf, worauf kurz zuvor noch Ruth Drügemöller in ihren Ausführungen hingewiesen hatte – und wofür immerhin ein gutes Dutzend Zuhörer in das Rathaus gekommen war: Bei wirklich allen Entscheidungen, die Kommunen treffen, spielt ihrer Auskunft nach stets auch der Klimaschutz eine Rolle. „Das kann man nicht nur auf eine Aufgabe begrenzen.“ Ob nachhaltige Mobilität, die Beleuchtung von Radwegen, Umgestaltungsmaßnahmen an verkehrlichen Knotenpunkten, energieeinsparende Pumpen sowie Belüftungssysteme auf Kläranlagen, ja selbst Elektrokleingeräte in den Kindertagesstätten können im Sinne des kommunalen Klimaschutzes finanziell gefördert werden.

Drügemöller wohnte der Sitzung auf Einladung der Samtgemeindeverwaltung bei – nachdem Schnellrieder während einer früheren Zusammenkunft vorgeschlagen hatte, die Politik möge sich doch einmal genau solche „grünen“ Fördermöglichkeiten vorstellen lassen. Und exakt darin ist die Städteplanerin Fachfrau: Sie kommt von der niedersächsischen Klimaschutz- und Energieagentur. Die hat ihren Sitz in Hannover und ist eine hundertprozentige Tochter des Landes.

50 Folien habe sie mitgebracht, „aber keine Sorge, ich werde nicht auf jede einzelne eingehen“, versicherte die Referentin, während im Ratssaal zwecks ihrer halbstündigen Präsentation die Lichter gedimmt wurden. Ihren Worten nach falle eine Entscheidung für oder gegen den Klimaschutz grundsätzlich leichter, wenn man die Fördersystematik, bei der immerhin 65 Prozent oder sogar noch mehr an Zuschussmitteln winken würden, ein wenig durchschaut habe. Allein bei diesem Thema sei ihre Agentur auf mehr als 40 Förderprogramme gestoßen – drei von denen stellte Drügemöller vor, die aus ihrer Sicht relevant für die Samtgemeinde sein könnten.

Dabei verdeutlichte sie zunächst einmal recht anschaulich, in wie vielen verschiedenen Rollen eine Kommune überhaupt tätig ist– angefangen in der des Verbrauchers in der Bewirtschaftung ihrer eigenen Liegenschaften über ihre Funktion als Regulierer, welcher beispielsweise Bebauungspläne aufstellt und festlegt, wo Wind- oder Solarenergie produziert werden kann, bis hin zur Rolle des Energieversorgers.

„Und eine Kommune kann durchaus auch Förderer des Klimaschutzes sein, wenn sie für die Bevölkerung entsprechende Anreize schafft“, so die Diplom-Ingenieurin, die im weiteren Verlauf recht detailreich auf die drei einzelnen Programme zu sprechen kam.

Ausführlich widmete sie sich der energetischen Stadtsanierung – ihren Worten nach für Kommunen eine der lukrativsten Förderprogramme. „Hier geht es im Prinzip darum, energetische Quartierskonzepte zu entwickeln.“ Ein Quartier definiere sich bereits über zwei zusammenhängende bebaute Grundstücken, also beispielsweise ein Rathaus mit einer Schule nebenan. Zuschüsse in Höhe von 65 Prozent seinen für die Erstellung solcher Konzepte zu erwarten – „das Land legt 20 Prozent nochmal drauf.“ Dabei werde das Augenmerk nicht nur darauf gelegt, wie man ein Gebiet energetisch aufwerten kann, sondern auch darauf, wie sich insgesamt eine städtebauliche Optimierung, auch unter Berücksichtigung sozialer Aspekte, erzielen lässt.

Auch das Programm mit dem etwas umständlichen Namen „Sanierungsfahrplan und Neubauberatung für kommunale Nichtwohngebäude“ und die gerade erst wieder neu aufgelegte Kommunalrichtlinie des Bundesumweltministeriums hätten durchaus ihre Reize.

Davon konnten sich die Damen und Herren Politiker ein eigenes Urteil bilden – auch wenn, wie Ratsvorsitzender Rüdiger Bruns (SPD) wohl vielen aus der Seele gesprochen haben dürfte, „ich Schwierigkeiten hatte, das alles aufzunehmen.“ Sicher, einige Informationen habe der Vortrag enthalten, über die man sich in der Samtgemeinde ernsthaft Gedanken machen sollte.

Und Grünen-Ratsherr Hans-Jürgen Schnellrieder, der den Stein ins Rollen gebracht hatte, schloss mit den Worten ab: „Es ist gut, dass wir heute Abend eine ganze Menge Anregungen bekommen haben.“

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