Kinder stärken mit Akrobatik und Seiltanz ihr Selbstbewusstsein

Kleiner Zirkus mit großem Anliegen

Tochter Sina ist neben der Schule Jugendgruppenleiterin.

Stemmen/Rotenburg - Von Wieland Bontah. Inge Ullmann – Künstlername Schlingel – freut sich: In wenigen Wochen ist für sie, ihren Mann Reto und die Crew die Winterpause endlich vorbei. Dann geht es mit dem bunten Zelt, den Zirkuswagen und der Ausrüstung von Eggenbergsmoor bei Stemmen über die Bundesstraße 75 vorbei an Lauenbrück über Scheeßel in die Kreisstadt Rotenburg zum Zirkusplatz an der Bremer Straße, schräg gegenüber vom Weichelsee, umgeben von der Stille des Waldes. Vom 28. März bis zum 2. April lädt Zirkus Wanjanini wieder zu seinem diesjährigen Premierenprogamm ein. Ein kleiner Zirkus mit einem großen Anliegen und einer selbstgestellten Aufgabe. Mädchen und Jungen, darunter Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 17 Jahren, mit denen es das Leben nicht immer gut gemeint hat, will der kleine Zirkus mit seinem vielschichtigen Angebot ein Stück Selbstwertgefühl und Erfolgserlebnisse schenken.

Inge Ullmann ist in München geboren und aufgewachsen und gehörte vor 24 Jahren maßgeblich zu denen, die den Kinder- und Jugendzirkus Wanjanini aufbauten. „Unser Anliegen und unser Ziel ist es, dass die Mädchen und Jungen Erfolgserlebnisse haben. Dadurch möchten wir erreichen, dass das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl gesteigert wird“, erklärt sie. Immer wieder erlebe sie, dass Kinder über sich selbst hinaus wachsen und erstaunt sind über das, was sie können und gelernt haben.

Der Kinder- und Jugendzirkus, bei dem die pädagogischen Inhalte Mitmachen, sich selbst einbeziehen, über den eigenen Schatten springen und sich wie selbstverständlich vor einem größeren Publikum zu präsentieren zählen, hat ein Tabu: Niemand darf in der Manege lächerlich gemacht werden, die Achtung des Einzelnen steht grundsätzlich an der Spitze.

Ihre Leidenschaft für zirzensisches Geschick wurde bei Ullmann bereits in jungen Jahren geweckt. Jonglieren, Einrad fahren, Artistik – als Autodidaktin trat die heute 54-Jährige oft zusammen mit Freundinnen unter anderem im Englischen Garten in ihrer Heimatstadt München auf. Nicht das Zirkuszelt, sondern ein Klassenzimmer in Norddeutschland waren Ullmanns Ausbildungsstationen: Ergotherapeutin in Celle und die Ausbildung zur Erzieherin im Rotenburger Mutterhaus.

Und dann ging Anfang der 90er-Jahre ihr Herzenswunsch in der Wümmestadt doch noch in Erfüllung: Wolfgang Tenschert, inzwischen pensionierter Gymnasiallehrer in Rotenburg, bot einen VHS-Lehrgang für Zirkusartistik an. Es klappte, und für Ullmann öffneten sich die Tore zu einer Akrobatikgruppe. Parallel zum Schulbesuch war die junge Künstlerin an Wochenenden als Straßenartistin unterwegs, hauptsächlich in den Niederlanden und in Dänemark. Unaufhaltsam, fast zwanghaft ging der Weg für Inge Ullmann weiter in Richtung Zirkus.

Mit ihrem ersten Partner, einem Akrobat, ging es mit Trecker und Zirkuswagen durch Norddeutschland und zahlreiche europäische Länder. Viel Begeisterung und Einsatz der Akteure, relativ wenige Besucher und schmale Einnahmen stellten die Straßenartisten oft auf harte Proben.

Der Durchbruch kam 1996 mit dem Zusammenwirken eines Sportvereins in Ottersberg. 1996 wurde Wanjanini ins Leben gerufen – der BDP an der Seite. Tochter Djuna und Sohn Anjin wurden geboren. Die Familie zog vor wenigen Jahren nach Stemmerfeld. Hier beziehen sie regelmäßig Winterquartier und bereiten die jährlichen Programmteile vor. Ein buntes, ein vielfältiges Programm, das zum großen Teil auf dem Zirkusgelände am Rande Rotenburgs stattfindet, zu dem Kinder und Jugendliche mit Behinderungen ausdrücklich willkommen sind, und das am 17. Oktober mit dem Herbstzirkus endet. Dabei sind neben Zirkuspädagogen, Helfern, den beiden Chefs, Schlingel und Reto, die 16-jährige Tochter Sina, die neben der Waldorfschule im Zirkus als Jugendgruppenleiterin mitarbeitet und das sechsjährige Pflegekind Jérôme. Die beiden „Großen” befinden sich inzwischen in der Ausbildung.

Das Wanjanini-Programm wird gefördert vom Bündnis für Bildung „Zirkus gestaltet Vielfalt”. Initiator ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Reich werde die Familie durch die Einnahmen aus dem Zirkusprogramm nicht. „Mein Mann arbeitet als Lehrer in Wistedt, ich als Erzieherin. Dies ist unser großes Hobby”, sagt Ullmann. Wanjanini ist zu erreichen unter den Rufnummern 0174 / 1851840 und 04267 / 9814805.

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