„Klappmaul-Komiker“ Werner Momsen schaut im Landgut Stemmen dem Volk aufs Maul

Plaudereien mit einem Schuss Tiefsinn

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Die Qual der Wahl beim Aussuchen der Weihnachtstanne: In Werner Momsen alias Detlef Wutschik fand sich so mancher im Publikum wieder.

Stemmen - Warum kommt der Weihnachtsmann in der Schweiz mit dem Esel? Wie steht es mit der Konkurrenz zum „Schuhfetischisten“ Nikolaus? Wie viele Rentiere bräuchte man, um in einer Nacht Geschenke auf der ganzen Welt zu verteilen?

Es gibt kaum etwas, was die mehr als 100 Besucher des jüngsten „Stemmer Schlemmererlebnisses“ nach dem Auftritt von Werner Momsen im Landgut Stemmen am Donnerstag nicht wissen. Für sein brandneues Programm, das erst zwei Tage zuvor Premiere gefeiert hatte, hatte Puppenspieler Detlef Wutschik verdammt gut recherchiert. Doch nicht Fakten standen im Vordergrund bei den Plaudereien des „Klappmaul-Komikers“, sondern die ganz eigene Sicht des älteren Manns in Cordhose und rotem V-Strickpulli, Glatze und Hornbrille inklusive. Und der plauderte locker im Hamburger Dröhn drauflos: Vom gebügelten Lametta, der Unsitte, die Bescherung zu filmen oder auch skurrilen Gedankensprüngen wie Wolfgang Thierse als staatlichem Elfenbeauftragten.

Spätestens nach Suppe oder Vorspeise hatte man vergessen, dass da „nur“ eine Handpuppe Erinnerungen an eine heile Vorweihnachtszeit heraufbeschwor – Erlebnisse, die wohl die meisten im Publikum teilten. Fragen wie „Wer schmückt den Baum?“ oder „Wer geht noch in die Kirche?“ ernteten rege Publikumsbeteiligung, und bei der Beschreibung des Tannenbaumkaufs knuffte so mancher dem Ehepartner in die Seite. Momsen (oder vielmehr Wutschik) schaut dem Volk aufs Maul, überhöht immer nur ein bisschen, und lacht stets mit den Menschen und ihren Marotten.

Bei aller Kritik, die auch mal recht deutlich ausfällt, etwa an Rentierrudeln aus Drahtgeflecht und LEDs, oder am Krippenspiel: „Bei den Konfirmanden liegt Gras in der Krippe statt Heu und die drei Weisen Musfata, Achmed und Ali hiphoppen“: Momsen wirft einen liebevollen Blick auf das Fest. So wird der Rentner unversehens philosophisch, wenn er fordert: „Der Stern, der steht doch nicht am Himmel – den muss jeder in sich selbst suchen!“

Mit dem Programm hat sich Wutschik ein Herzensthema von der Seele geschrieben: „Die Sehnsucht nach Weihnachten, wie es früher einmal war – alles autobiografisch!“, gibt der gebürtige Syker zu, und fügt hinzu: „Das Besondere lässt sich nicht mehr erreichen, wenn wir es zukleistern, es nur noch ein Event von vielen ist.“ Der Abend in Stemmen ist indes keiner von vielen; mit ihren Betrachtungen hat eine Puppe die Besucher für einige Stunden ins Reich kindlichen Staunens entführt – Schmunzeln und lautes Gelächter inklusive.

hey

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