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Inklusionsmahl in Fintel: Gemeinsam an einem Tisch

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Von: Judith Tausendfreund

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Freuen sich auf eine interessante Kennenlern-Runde während des Inklusionsmahls: Inklusionsbotschafterin Hanna-Maria Schlage (v.l.), Bärbel Hoppe und Helmut Schmidt-Volkhausen.
Freuen sich auf eine interessante Kennenlern-Runde während des Inklusionsmahls: Inklusionsbotschafterin Hanna-Maria Schlage (v.l.), Bärbel Hoppe und Helmut Schmidt-Volkhausen. © Tausendfreund

Zum zweiten Mal gibt es in Fintel ein Inklusionsmahl. Es soll Leute zusammenbringen, die sonst nicht zusammenkommen.

Fintel – In einer Wohngemeinschaft mitten in Fintel leben die 34 Jahre alte Hanna-Maria Schlage, ihre Mutter Bärbel Hoppe, deren Lebensgefährte Helmut Schmidt-Volkhausen, eine weitere Mitbewohnerin, ein blinder Hund, Katzen oder auch Gänse. „Wir wollen uns noch vergrößern und die Idee einer inklusiven WG nochmal aktiv angehen“, erklärt Hoppe sichtbar zufrieden mit der jetzt schon bunten Truppe.

Ihre Tochter nimmt ebenfalls an der Gesprächsrunde teil, denn sie bereitet aktuell das zweite, von ihr so benannte Inklusions-Mahl in Fintel vor. Dieses soll am Donnerstag, 30. Juni, ab 16 Uhr stattfinden.

Schlage hat das Down-Syndrom und seit 2014 ist sie Inklusionsbotschafterin. Auf diesen Posten hatte sie sich im Rahmen eines Projekts von „Aktion Mensch“ beworben und den Titel erhalten. Noch vor einigen Jahren wohnte sie in Hamburg, von dort aus ging es nach Fintel. Und dort fand 2019 die Premiere des gemeinsamen Essens statt. „Eigentlich wollten wir die Sache schon längst wiederholt haben, aber die Pandemie hat uns ausgebremst“, berichtet Hoppe. Damals waren knapp 15 Gäste gekommen, unter anderem Gregor Gysi.

Auch diesmal hat die Familie Freunde und auch Politiker eingeladen, zugesagt hat unter anderem bereits der Bürgermeister der Samtgemeinde Fintel, Sven Maier. Es soll ein bunter Nachmittag werden, auch einige Künstler aus Hamburg haben sich schon angemeldet. „Bei unserem ersten Mahl war es für uns ein großer Erfolg, dass Menschen an einem Tisch sitzen, die sich sonst in dieser Form so nicht begegnen“, führt Hoppe weiter aus. Das gemeinsame Mahl sei ein Rahmen, der Gespräche zulasse, die nicht allzu oft geführt werden. Dabei geht es allen Beteiligten auch darum, Berührungsängste abzubauen.

Schmidt-Volkhausen kann das genauer beschreiben: „Bevor ich Hanna-Maria kennenlernte, hatte ich keinerlei Kontakte mit Menschen, die eine Behinderung haben“, berichtet er. Es falle ihm schwer, Hanna-Maria sprachlich zu verstehen, da sie eine Sprechbehinderung habe. Aber er verstehe sie auf einer anderen Ebene gut und das Miteinander sei ein gutes und positives. „Die Idee, hier weniger als klassische Familie, sondern eben als mehrere gleichberechtigte Familienmitglieder zusammen zu leben, gefällt uns allen“, ergänzt Hoppe. „Durch dieses Miteinander habe ich selber auch eine andere Haltung zu vielen Dingen entwickelt“, so der Stiefvater Schmidt-Volkhausen. Er benutze diesen Begriff ohne jeden negativen Klang: „Ich bin froh, dass Hanna-Maria mich als Stiefvater anerkannt hat“.

Allen Dreien fehlt in Fintel und Umgebung nach wie vor ein breiteres Netzwerk für Menschen, die sich für das Inklusionsthema interessieren. „Es wäre gut, wenn man mehr Treffpunkte ins Leben rufen könnte“, so eine Idee von Schmidt-Volkhausen. Hoppe sieht das Thema auch als ein politisches Thema. „Ich werte es als großen Erfolg, dass die Linken und die Grünen auf bundespolitischer Ebene wieder ins Gespräch gekommen sind“, sagt sie. Inklusion sein viel mehr als „nur“ die Einrichtung von Behindertenwerkstätten und Wohngruppen. Gerade hier im ländlichen Umfeld habe sie den Eindruck, dass es noch viele Aufgaben gebe, die zu lösen seien.

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