Initiativen, Politiker und Experten nehmen Stellung zu Bohrschlamm-Gruben

„Hinterlassen unseren Kindern einen Müllhaufen“

Stellten sich den Fragen (v.l.): Andreas Rathjens (BI Netzwerk für sauberes Trinkwasser), MdL Sigrid Rakow (SPD), Prof. Wolfgang Calmano (TU Hamburg-Harburg), Klaus Söntgerath (LBEG), Moderator Martin Busch, Landrat Hermann Luttmann, Dr. Uwe Kallert vom Umweltministerium und MdL Volker Bajus (Grüne).
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Stellten sich den Fragen (v.l.): Andreas Rathjens (BI Netzwerk für sauberes Trinkwasser), MdL Sigrid Rakow (SPD), Prof. Wolfgang Calmano (TU Hamburg-Harburg), Klaus Söntgerath (LBEG), Moderator Martin Busch, Landrat Hermann Luttmann, Dr. Uwe Kallert vom Umweltministerium und MdL Volker Bajus (Grüne).

Hemslingen - Fracking, verpresstes Lagerstättenwasser und nun auch noch in Gruben versenkter giftiger Bohrschlamm. Welche Gefahr geht davon aus? Wer übernimmt die Kosten der Sanierung? Und ist das Trinkwasser gefährdet? Diese Fragen versuchte gestern Mittag Martin Busch, Moderator von Nordwestradio, in seiner Sendung, die ab 18 Uhr ausgestrahlt wurde, mit Politik und Fachleuten zu klären.

Fakt ist, dass Bohrschlamm aus Erdgas- und Ölförderrungen vor Jahrzehnten einfach in Gruben in der Erde versenkt worden ist. Andreas Rathjens von der Bürgerinitiative „Netzwerk sauberes Trinkwasser“ betonte: „Die Gruben sind lange bekannt. Viele Singvögel verreckten dort elendig. Wir labern nur, statt anzupacken. Wir verfrühstücken unsere Ressourcen und hinterlassen unseren Kindern einen Müllhaufen.“

Landrat Hermann Luttmann beschwichtigte: „Das Trinkwasser ist weit weg von den Gruben. Wir untersuchen aber alles. Die Kosten für die Entsorgung des giftigen Schlammes muss der Verursacher, der Grundstückseigentümer oder die öffentliche Hand übernehmen.“

Klaus Söntgerath vom Landesbergamt sagte: „Wir arbeiten mit dem Landkreis alles gemeinsam auf. Wir ermitteln derzeit 400 Standorte mit Bohrungen tiefer als 500 Meter. Die damaligen Unternehmen sind häufig in andere Betriebe aufgegangen. Wir müssen die Rechtsnachfolge beachten.“ Prof. Wolfgang Calmano von der Technischen Uni Hamburg-Harburg schilderte: „Wir haben in den Gruben bedenkliche Konzentrationen von Mineralölkohlenwasserstoffen gefunden, die auch ins Grund- und Trinkwasser gelangen können. Es könnten aber auch noch andere Chemikalien dabei sein. Der Schlamm muss auf die Sondermülldeponie.“

Dr. Uwe Kallert aus dem Niedersächsischen Umweltministerium schilderte: „Das Problem ist für uns Neuland. 10000 Gruben sind im Land erfasst. Nun müssen wir uns mit den alten Akten auseinander setzen. Teilweise gibt es aber keine Unterlagen mehr. So müssen wir bei den Firmen nachfragen. So eine Grube muss saniert und in der Regel ausgekoffert werden.“

Damals sei noch mit laschen Umweltstandards gearbeitet worden, so MdL Volker Bajus (Grüne). „Das ist eine Sauerei. Ich bin aber überzeugt, dass das Geld für die Sanierung da ist.“

Dass die Situation ein Umweltskandal ist, sei Konsens im Landtag, sagte MdL Sigrid Rakow (SPD). „Wir müssen die Zukunft in Griff kriegen, weil die Vergangenheit viel Mist gemacht hat.“ Der Moderator fasste zusammen: „Altschulden kann man erlassen, Altlasten jedoch nicht.“

woe

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