Infos in der Fintauschule

Verhaltensregeln bei Wolfsbegegnungen: „Bloß nicht weglaufen“

Lauenbrück - „Wenn Sie einem Wolf begegnen, sollten Sie bloß nicht weglaufen“, riet Waldpädagoge Niels Kruse seinem Publikum, das am Donnerstag zu einem Informationsabend in die Lauenbrücker Fintauschule gekommen war, der das richtige Verhalten bei Wolfsbegegnungen zum Thema hatte und sich auf Einladung von Hans-Jürgen Schnellrieder, Grünen-Ratsherr im Finteler Samtgemeinderat, speziell an Eltern, Lehrer und Erzieher richtete.

„Diese Veranstaltung soll keinesfalls als Plattform für das Austragen von Konflikten von Wolfsgegnern und Wolfsbefürwortern gedacht sein“, betonte Schnellrieder, „sondern um eventuelle Bedenken und Ängste abzubauen oder zumindest die Situation besser einordnen zu können.“ Als fachkundige Referenten wurden Wolfsberater Jürgen Cassier und Waldpädagoge Kruse aufgeboten.

Im Auftrag der Landesforste unterrichtet Kruse Kita-Kinder und Schüler im richtigen Verhalten bei einer Begegnung mit dem Raubtier. Zunächst beschreibe er den Kindern, wie ein Wolf überhaupt erkannt werden könne, erläuterte Kruse. Denn die Verwechslungsgefahr mit Hunden, insbesondere Wolfhunden oder Huskies sei groß.

„Die braunen Haare hinter dem Ohr sind charakteristisch für den Wolf“, so der Referent. „Welche Augenfarbe hat der Wolf eigentlich?“, fragte er in die Runde. Die bernsteinfarbenen Augen hätten nur zwei Hunderassen und daher sei die Augenfarbe ein wichtiger Hinweis. Allerdings sollte zu intensiver Augenkontakt vermieden werden, weil der auch von Hunden als aggressives Verhalten eingestuft werde.

Wenn Kruse mit den Kindern im Wald unterwegs ist, um über den Wolf aufzuklären, zeigt er in Rollenspielen, wie der Mensch sich verhalten sollte. „Denn leider sind besonders Kinder eher gefährdet, da sie einfach kleiner sind als Erwachsene.“

„Erstmal ruhig stehen bleiben und abwarten“

Oft würden Kinder die Frage nach dem Verhalten, wenn plötzlich ein Wolf im Wald auftauche, mit dem Wort „Abhauen“ beantworten. Das sei genau das falsche Verhalten, so Kruse. „Erstmal ruhig stehen bleiben und abwarten, was der Wolf macht. Im Normalfall wendet sich das Tier ab und entfernt sich. Nur neugierige Jungtiere sind selber unsicher, wie sie sich verhalten sollen. Wenn sich der Wolf nähert, muss man laut schreien oder Klatschen, um zu zeigen, wer der Chef im Wald ist“, so Kruse. Ein Weglaufen würde nur den Jagdinstinkt des Raubtiers wecken.

Verhaltenstipps für eine Wolfsbegegnung

Verhaltenstipps für eine Wolfsbegegnung

Im Schuljahr 2018/19 ist geplant, alle Kinder der Kitas in der Samtgemeinde Fintel und die Schüler der Fintauschule zum Thema Wolf zu unterrichten. Daher verfolgten auch die Erzieher des Waldkindergartens in Helvesiek die Ausführungen des erfahrenen Waldpädagogen, der im gesamten Elbe-Weser Dreieck unterwegs ist, sehr interessiert.

Wolfsberater Jürgen Cassier, der seit 2013 im Amt ist, hielt einen fachlich fundierten Vortrag über die Wolfspopulation sowie das Wolfsmonitoring in Niedersachsen und im Landkreis Rotenburg. Derzeit gäbe es in Niedersachsen 150 Wölfe in 19 Territorien durch natürliche Verbreitung der westpolnischen Population.

Ziel: Günstiger Erhaltungszustand

„Auf keinen Fall wurde eine Wiederansiedlung aktiv durch Aussetzen betrieben“, stellte Cassier klar. Ziel des strengen Schutzes, unter dem der Wolf nun stehe, sei einen günstigen Erhaltungszustand der mitteleuropäischen Flachlandpopulation zu erreichen. Diese gelte mit 1 000 Tieren als geschafft. Vorher sei eine Entnahme nur in absoluten Ausnahmefällen zur Abwendung erheblicher landwirtschaftlicher, forstwirtschaftlicher oder sonstiger Schäden möglich.

Daher sei der Jäger Cassier selbst klar gegen eine Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht. Er ging sogar so weit, dass er den Wolf in einer Kontrollfunktion des Bestands des pflanzenfressenden Wildes sieht. „Lassen Sie uns doch gemeinsam mit den Jägern und dem Wolf den zu hohen Wildbestand kontrollieren“, so Cassier.

Nach den Vorträgen schilderten einige Gäste ihre Wolfsbegegnungen beispielsweise auf dem Fahrrad, und ein Zuhörer des Abends versuchte mit emotionalen Argumenten, die Existenz des Wolfes in der heimischen Kulturlandschaft überhaupt infrage zu stellen. 

lee

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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