„Noch nicht erlebt“

Unbekannte zerstören in der Samtgemeinde Fintel dutzende Wahlplakate der Grünen

Hans-Jürgen Schnellrieder, Vorsitzender des Grünen-Ortsverbandes in der Samtgemeinde Fintel, verschafft sich vom Schadensausmaß einen Überblick.
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Hans-Jürgen Schnellrieder, Vorsitzender des Grünen-Ortsverbandes in der Samtgemeinde Fintel, verschafft sich vom Schadensausmaß einen Überblick.

Fintel – Hans-Jürgen Schnellrieder (74) kann es nicht fassen. Mit blinder Zerstörungswut, sagt der Politiker, habe das Ganze nichts mehr zu tun, „ich halte es eher für einen gezielten Angriff auf unsere Demokratie.“ Worüber der Finteler, einer der beiden Sprecher der Kreis-Grünen, sich ärgert: Unbekannte haben am vergangenen Wochenende in der Samtgemeinde dutzende Werbeplakate seiner Partei für die anstehende Kommunal- und Bundestagswahl demoliert, teilweise sogar von Straßenlampenmästen heruntergerissen.

Der angerichtete Schaden sei immens, sagt Schnellrieder. Demnach, das habe eine für die Polizei getätigte Bestandsaufnahme gezeigt, seien allein in Fintel und Vahlde jeweils 50 Prozent der kleinen Reklametafeln zerstört worden. „In Stemmen sind es sogar 60 Prozent.“ Über das Schadensmaß in Helvesiek und Lauenbrück, den übrigen Mitgliedsgemeinden, habe er sich derweil noch keinen genauen Überblick verschaffen können. „Wir haben auf jeden Fall gleich Anzeige gestellt.“

Wer auch immer sich an den Plakaten zu schaffen gemacht hat, lange suchen mussten der oder die Täter nach ihnen nicht. Der Grünen-Ortsverband, dem Schnellrieder vorsteht, setzt einmal mehr ganz stark auf eigenfinanzierte Wahlwerbung im öffentlichen Raum. Für den ein oder anderen zu viel des Guten? Der Finteler, der selbst in den Kreistag einziehen möchte, verteidigt die Strategie, die von ihm und seinen Mitstreitern einvernehmlich getroffen worden sei, spricht davon, dass Plakate selbst in Zeiten von Facebook und Co bei der Entscheidungsfindung durchaus noch wirksam seien – und das bis kurz vor den Gang ins Wahllokal. Entsprechende Ergebnisse, sagt er, seien auch schon wissenschaftlich evaluiert worden. „Natürlich kann hinterher niemand sagen, ob jemand wegen eines Plakates ein Kreuz gemacht hat oder nicht – nur gerade im ländlichen Raum muss es diese Form des Wahlkampfes noch geben“, befindet der 74-Jährige.

Aufruf im Netz

Werbetafeln im Wert von rund 500 Euro, schätzt Schnellrieder, müssten nun – nur wenige Tage, nachdem die Grünen in der Samtgemeinde plakatiert hatten – wieder ersetzt werden. Denn eines sei ihm zufolge klar: „Wir lassen uns von solchen Menschen nicht unterkriegen.“ Menschen, die sich seiner Vermutung nach offenbar wohl über einen unlängst getätigten Aufruf in den sozialen Medien haben hinreißen lassen, in Fintel und umzu zur Tat zu schreiten. Einen entsprechenden Hinweis darauf gebe es jedenfalls. „Da hatte jemand dazu aufgerufen, die Plakate zu verbrennen und auf dem Finteler Osterberg ein Freudenfeuer zu veranstalten, weil die Grünen seien hier ja unerwünscht.“ Das habe sich dann wohl ruckzuck hochgeschaukelt – sogar bis zu Vandalismus am hellichten Tage. „In dieser Dimension habe ich das jedenfalls noch nicht erlebt“, meint der Grünen-Chef, für den es bei Weitem nicht der erste Wahlkampf ist.

Während er noch weiter spricht, hebt er an der Schneverdinger Straße ein zerrissenes Plakat vom Boden auf. Es zeigt den Wahlkämpfer Hans-Jürgen Schnellrieder. Und ja: Das Zahnpastalächeln steht im krassen Gegensatz zur ernsten Miene, die er in diesem Moment zieht.

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