SOMMER ZUHAUSE Wasserwandern auf der Wümme

Immer den Wasserpegel im Blick

Der Wasserpegel beschäftigt die beiden Bootsverleiher Johannes Beckmann und Hans-Jürgen Rutner (r.), aber auch alle, die mit den Kanus fahren wollen
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Der Wasserpegel beschäftigt die beiden Bootsverleiher Johannes Beckmann und Hans-Jürgen Rutner (r.), aber auch alle, die mit den Kanus fahren wollen

Lauenbrück/Scheeßel – Die Landschaft an der Wümme ist einfach paradiesisch. Das wissen nicht nur die Libellen, sondern auch die vielen Stammgäste, die Jahr für Jahr mit dem Kanu aufs Wasser gehen. „Es ist die Ruhe hier und eben die Natur – unsere Gäste sind in der Regel einfach nur begeistert“, weiß Hans-Jürgen Rutner. Seit 25 Jahren betreibt er die Kanu-Vermietung in Lauenbrück. Vor zwei Jahren hat er das Geschäft größtenteils an seinen Schwiegersohn Johannes Beckmann übergeben, „aber ab und an helfe ich noch“, schmunzelt der Senior.

Damals, als alles anfing, hatte er die Idee von seinem Nachbarn übernommen. Dieser hatte begonnen, die erste Boote zu verleihen und dann doch keine Zeit mehr. Rutner sprang ein und ließ so schnell nicht mehr los: „Ich gebe zu, dass ich in den 25 Jahren nie ein freies Wochenende hatte – aber es hat immer Spaß gemacht“, erinnert sich der 65-Jährige. Einmal gab es sogar ein Brautpaar, welches sich zu zweit auf das Erlebnis Wasserwandern einließ, „das war schon etwas Besonderes“, schmunzelt er. Generell kommen viele Besucher aus den umliegenden Großstädten, auch Familien und Schulklassen gehören zu den Gästen.

Zunehmend wird der Freizeitspaß des Kanufahrens auf der Wümme aber durch einige Umstände erschwert. Dies spürt auch Nachfolger Beckmann. „In den letzten zwei Jahren haben wir starke Probleme mit der Trockenheit und der daraus resultierenden Wasserknappheit.“

Nachfragen hat er viele, doch oft genug kann er diese nicht bedienen. „Wir dürfen nur aufs Wasser, wenn der Pegelstand hoch genug ist“, berichten die beiden Bootsverleiher. Denn andernfalls würden die Tiere, die im und am Wasser leben, zu stark gestört werden. Gemessen wird der Pegel in Hellwege, von dort werden die Daten dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zur Verfügung gestellt. „Diese weite Entfernung zwischen unserem Einstieg hier vor Ort und der Messstelle ist problematisch“, seufzt Rutner. Er zeigt auf die Wümme und in der Tat, so niedrig sieht der Wasserstand gar nicht aus. Dennoch, die Boote dürfen nicht starten. „Früher gab es direkt hier bei uns Messstellen, die wurden aber abgeschafft“, führt er weiter aus. In den vergangenen zwei Jahren habe das Kleingewerbe 70 Prozent Verluste eingebracht, berichten die Bootsliebhaber offen. Der Saisonbeginn in diesem Jahr wurde zusätzlich durch die Corona-Krise ausgebremst. „Gerade im Frühjahr hat die Wümme oft ausreichend Wasser, doch da durften wir natürlich keine Urlauber empfangen“, erklären Beckmann und Rutner.

Sie haben Verständnis für die Regeln des Naturschutzes und auch für die Gefahren, die durch die Pandemie entstanden sind. In Sachen Bootsvermietung und Wasserwandern wollen sie die Hoffnung nicht aufgeben. In diesem Jahre regne es ja schon mehr als in den vergangenen zwei Jahren. Zudem sei man mit dem Landkreis im Gespräch, „wir hoffen, dass wir uns einig werden. Vielleicht kann man ja doch wieder hier eine Messstelle einrichten“, hofft Rutner, auch mit Blick auf die Betriebsübernahme durch den Schwiegersohn.

Diese Hoffnung käme auch den Urlaubern in der Region zu Gute. Nach wie vor ist die sportliche Fahrt von Lauenbrück nach Scheeßel oder gar noch weiter beliebt. Der Ursprung der Wümme liegt im Naturschutzgebiet in der Heide. Lauenbrück ist der erste Punkt, an dem man mit dem Boot einsteigen darf. Der Weg ist kurvig, „das ist schon anstrengend, gerade wenn man diese Form des Sports nicht gewohnt ist“, weiß Beckmann.

Ein weiterer „Abenteuer-Faktor“ ist der Bewuchs, viele Weiden ragen bis ins Wasser hinein. „Wir kennen aber auch Kanuten, die sogar bis Bremen fahren“, so die beiden. Ein Campingplatz in Rotenburg wäre ideal, um auf der Reise zu übernachten, doch noch fehlt ein solcher Ort. Aber wer weiß, vielleicht entsteht ein solcher Platz ja eines Tages.

Infos zu den Kanutouren: Zwischen Lauenbrück und Fischerhude bieten verschiedene Verleiher Boote und Touren an. Voraussetzung ist ein ausreichender Wasserstand an der Pegelmessstelle in Hellwege. Wer mit dem eigenen Boot fahren will, muss sich zunächst per Mail beim Landkreis Rotenburg registrieren. Besondere Kenntnisse sind nicht erforderlich, denn die gemächlich fließende Wümme eignet sich auch für Anfänger. Weitere Infos gibt es auch unter www.wasserwandern-row.de, den Kanuverleih von Rutner und Beckmann erreicht man unter der Rufnummer 04267 / 15 43 und der Email-Adresse info@wuemmekanu.de.

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