Alles essbar

Waldgarten in Lauenbrück: Vor der Kirche öffnet sich eine selbst erhaltende Pflanzenwelt

Permakultur ist seine Passion: Hinnerk Ehlbeck an einem Szechuanpfeffer-Baum, dessen Körner ein intensives Geschmackserlebnis garantieren.
+
Permakultur ist seine Passion: Hinnerk Ehlbeck an einem Szechuanpfeffer-Baum, dessen Körner ein intensives Geschmackserlebnis garantieren.

Lauenbrück – In sogenannten Waldgärten gibt es eine Fülle von kulinarischen Köstlichkeiten zu entdecken. Was das heißt, lässt sich in Lauenbrück mit allen Sinnen erleben. Vor mehr als einem Jahr war vor der Martin-Luther-Kirche, auf einer vormals schlichten Rasenfläche, nämlich eine Pflanzenwelt angelegt worden, die sich quasi selbst erhält. „Dahinter steckt im Prinzip die Idee eines nachhaltigen, in sich selbst stabilisierenden Ökosystems, auch Permakultur genannt“, erklärt Hinnerk Ehlbeck, Vorsitzender des Lauenbrücker Kirchenvorstands. Er hatte das Vorzeigeprojekt seinerzeit angeschoben – und fand unter den Gemeindegliedern sogleich zahlreiche begeisterte Mitstreiter, die ihm beim Anpflanzen im Frühjahr 2020 tatkräftig unter die Arme gegriffen hatten.

Sage und schreibe 43 verschiedene Pflanzenarten haben so ihren Platz vor dem Gotteshaus, direkt am Waldrand, gefunden – und gedeihen dort, bis auf ein paar Felsenbirnen und eine Esskastanie, schon ganz prächtig. „Natürlich muss man schauen, dass nicht alles im Unkraut versinkt, muss ein bisschen noch bei den jungen Stauden eingreifen und die Pflanzen mit Schaffett vor Wildverbiss schützen“, sagt Ehlbeck, „aber ansonsten haben wir wegen des natürlichen Prozesses so gut wie nichts zu machen.“ Selbst im langen, trockenen Sommer, wie er vergangenes Jahr herrschte, habe man nicht wässern müssen: „Wir haben alles mit einer Mulchschicht gepflanzt, dadurch ist der Boden auch bei größter Hitze immer feucht geblieben.“

Auf Holzschildern erfahren Besucher, welche Pflanzenarten im Waldgarten vertreten sind.

Dass ein solcher, leicht verwilderter Waldgarten unter den Bürgern auf ein geteiltes Echo gestoßen sei, sieht er als ein gutes Zeichen: „Differenzierte Rückmeldungen sind ja immer eine feine Sache – die einen, vor allem ältere Leute, meinen, alles müsse immer glatt und gepflegt sein, andere freuen sich darüber, dass etwas Neues entsteht und ein bisschen mehr Natur zurückkehrt.“ So lasse man zum Beispiel hier und da auch einfach schon mal eine Distel im Beet stehen – aus gutem Grund: „Wenn die abstirbt, können die benachbarten Pflanzen in die Wurzel später reinwachsen“, beschreibt es der 45-Jährige. „Nein, wenn wir es schon wie eine Permakultur aufziehen wollen, müssen wir auch ein bisschen umdenken, was die Außenwirkung betrifft.“

Gigantische Vielfalt

Ob Himbeeren, Mahonie, Mispeln, Schwarzer Holunder, Esskastanien und Sanddorn, ob Katzenminze, Salbei und Thymian oder gar exotische Gewächse wie die Nashi-Birne, die Japanische Weinbeere und der Chinesische Surenbaum (ein Gemüsebaum, der zu Ehlbecks Favoriten zählt) – die Vielfalt, das zeigt sich beim Rundgang über das Gelände, ist beeindruckend. „Die Pflanzen stammen allesamt aus einer Bioland-Baumschule nahe Cloppenburg.“ Sie seien von vornherein robust und in ihrer jungen Entwicklung nicht an hohe Nährstoffe verwöhnt worden. „Weil wir hier durch die jahrzehntelange Rasenpflege aber einen sehr nährstoffarmen Boden haben, der im Prinzip ausgehagert war, eignen sich diese Gewächse ganz hervorragend.“

Nun soll der Garten aber nicht nur zum Staunen, sondern natürlich auch zum Naschen anregen, sprich: Jeder kann Obst und Kräuter nach Belieben selbst ernten. Und die ersten Erträge, freut sich Ehlbeck, seien schon da: „Demnächst kommen jetzt auch die essbaren Blüten zum Vorschein – wie bei der Taglilie.“ Moment mal, Taglilie? „Ja, die haben viele eh schon im Garten rumstehen und bilden jetzt im Sommer binnen drei Wochen jeden Tag eine neue Blüte“, klärt der Experte auf. Verarbeiten ließe die sich dann zum Gewürz, aber auch zum Kochen und Frittieren seien die Blüten bestens geeignet.

Gut angewachsen: ein Chinesischer Surenbaum.

Ein großes Thema, das Ehlbeck und sein Team noch angehen möchten: der Anbau von mehrjährigem Gemüse, welches seinen Worten nach nicht jedes Jahr neu ausgesät werden müsse. Auch eine Saatgut-Börse sei bereits in Vorbereitung. Und die mit Weinstauden gesäumte Sitzecke auf Höhe der Kirchentür müsse ebenso noch vollendet werden. „Vielleicht machen wir ja doch noch eine offizielle Einweihung“, sagt der Lauenbrücker. Die hätte eigentlich schon 2020 stattfinden sollen, musste wegen Corona aber ins Wasser fallen.

Und dann bleibt Hinnerk Ehlbeck an einem Gewächs stehen, das eher unscheinbar wirkt, dessen Körner es geschmacklich aber ganz schön in sich hätten, wie er sagt. „Das ist Szechuanpfeffer – der liegt so intensiv auf der Zunge, dass nur ein einziger Baum ausreicht, um 100 Familien mit Pfeffer zu versorgen, und zwar ein Jahr lang.“ Schon erstaunlich, was dieser neue, facettenreiche Waldgarten im Herzen von Lauenbrück so alles an Essbarem hergibt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Scheeßel: Filmdreh mit Heimvorteil

Scheeßel: Filmdreh mit Heimvorteil

Scheeßel: Filmdreh mit Heimvorteil
Die DRK-Rettungswache in Rotenburg ist immer in Bereitschaft

Die DRK-Rettungswache in Rotenburg ist immer in Bereitschaft

Die DRK-Rettungswache in Rotenburg ist immer in Bereitschaft
Leipzig, München, Rotenburg

Leipzig, München, Rotenburg

Leipzig, München, Rotenburg
Ilse Behrens könnte Bötersens erste Bürgermeisterin werden

Ilse Behrens könnte Bötersens erste Bürgermeisterin werden

Ilse Behrens könnte Bötersens erste Bürgermeisterin werden

Kommentare