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Handarbeit: Annette Wolfshohl aus Fintel fertigt Garten-Kissen aus Wachstuch

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Von: Lars Warnecke

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Ohne Nähmaschine geht es nicht. An der verarbeitet Annette Wolfshohl Wachstücher und Rohfasern zu dekorativen Gartenkissen.
Ohne Nähmaschine geht es nicht. An der verarbeitet Annette Wolfshohl Wachstücher und Rohfasern zu dekorativen Gartenkissen. © Warnecke

Kein Schnittmuster ist ihr zu kompliziert: Annette Wolfshohl näht Kissen, die jeden Garten verschönern. Dabei verwendet sie robustes Wachstuch. Die Produkte der Fintelerin finden inzwischen reißenden Absatz.

Fintel – Was zeichnet ein gutes Kissen aus? Klar, schön flauschig muss es sein. Und chic aussehen soll der Bezug dazu möglichst auch noch. Am besten passend abgestimmt aufs Wohnungsinterieur. Okay, mit Ersterem Aspekt kann Annette Wolfshohl nicht dienen. Dafür liegen ihre Kissen, die die Fintelerin in liebevoller Handarbeit an der Nähmaschine fertigt, doch ein wenig zu fest in der Hand.

Um Hingucker handelt es sich bei den Exponaten, die sie in allen erdenklichen Farben und Mustern vorhält, jedoch allemal – und das auf jeder Terrasse beziehungsweise auf jedem Balkon. Denn für den Außeneinsatz sind die Kissen, die sich bei ihren Kunden inzwischen großer Beliebtheit erfreuen, letztendlich auch bestimmt. „Dabei arbeite ich für die Hüllen ausschließlich mit Wachstuch, das es hierzulande eher weniger im Handel gibt“, verrät die 58-Jährige, die ihr Kleingewerbe namens „Annes Nähstübchen“ erst vor wenigen Monaten eröffnet hat.

Vorbestimmt war ihr Weg zur professionellen Kissen-Näherin nicht. 1990 verschlägt es Wolfshohl von Ostdeutschland nach Fintel. Mit ihrem Mann Jürgen, heute 67, gründet sie eine Familie – zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, hat das Paar. 28 Jahre lang arbeitet sie auf dem Hühnerhof Heidegold – ein kräftezehrender Fulltime-Job, wie sie sagt. „Ich habe dort den gesamten Arbeitsablauf organisiert.“ Mindestens 300 Stunden im Monat sei sie so im Betrieb eingespannt gewesen. „Da blieb wenig Zeit für andere Dinge, die im Leben wichtig sind.“ 2018 dann der Schnitt: Die Fintelerin muss ihren Job aufgeben – aus gesundheitlichen Gründen. Die Beine hochlegen sei für sie danach jedoch nicht infrage gekommen. „Ich war schon immer eine Macherin, also habe ich mir eine andere Aufgabe gesucht.“

Wachsener Kundenkreis

Annette Wolfshohl findet zurück zur inneren Balance – und beginnt, sich an der Nähmaschine kreativ auszutoben. Die Deko-Kissen sind seitdem ihre ständigen Begleiter, schließlich habe sie schon immer gerne den eigenen Garten mit Accessoires verziert. „Erst habe ich die Kissen immer mal wieder für mich und für Freunde gemacht“, blickt sie zurück. Auch im Bekanntenkreis der Tochter, der ihren Worten nach eben nicht gerade klein sei, hätten sich zahlreiche begeisterte Abnehmer gefunden. Ihre Tochter war es dann auch, die die Idee hatte, vor dem Haus am Großen Kamp eine Verkaufsstelle im Selbstbedienungsverfahren einzurichten – erst in Form einer Bank, später in der eines kleinen Gerätehauses.

Das stationäre Geschäft läuft gut – und im Laufe der Folgejahre immer besser. Inzwischen haben die selbstgefertigten Kissen in einer schmucken Holzhütte Platz gefunden. Die steht auf Rädern, ist also mobil. Wem etwas gefällt, darf in dem Lädchen zugreifen – bezahlt wird bar. Dafür steht eine Geldkassette bereit. „Im Prinzip funktioniert das Ganze wie in einem SB-Hofladen“, erläutert Wolfshohl. Ob nicht das ein oder andere Verkaufsstück schon gemopst worden sei? „Nein, nein“, beteuert sie. „Es ist noch nie etwas weggekommen – die Leute, die für meine Produkte Geld ausgeben, haben es nämlich noch über.“

In ihrer Verkaufshütte warten Dutzende Kissen auf neue Eigentümer.
In ihrer Verkaufshütte warten Dutzende Kissen auf neue Eigentümer. © -

Qualität hat bekanntlich ihren Preis. Für ein Kissen im Format 40 mal 40 Zentimeter nimmt Wolfshohl daher auch acht Euro, für 50 mal 40 zehn Euro und für die Maße 50 mal 50 müssen Kunden elf Euro hinblättern. „Es handelt sich ja auch um keine Massenware aus China“, betont die fleißige Handarbeiterin, die stets individuell auf die Wünsche ihrer überwiegend weiblichen Klientel eingeht.

Das Material, das die 58-Jährige in ihrem heimischen Nähstübchen verarbeitet, bezieht sie vorrangig aus dem Internet. Auch in Stoffläden wird sie hin und wieder fündig. Dutzende Rollen von strapazierfähigen Wachstüchern hat sie auf Vorrat. Und Hohlfasern natürlich – die verwendet sie für die Füllung, und zwar in zwei unterschiedlichen Gewichtsklassen. „Hier macht nachher die Knautschigkeit den Unterschied.“

Online dick im Geschäft

Ein relativ großes Lager braucht Annette Wolfshohl auch, verkauft sie die Outdoor-Kissen, die von ihr jahreszeitlich umdekoriert werden, doch mittlerweile ebenso über den Online-Weg. Und gerade darüber – über eBay-Kleinanzeigen und über Facebook, wo sie unter den Schlagwörtern „Gartenkissen“ und „Fintel“ zu finden ist – kann sie sich vor Anfragen kaum noch retten. Unter Druck gesetzt fühle sie sich jedoch nicht: „Klar, vor dem Muttertag ist jetzt wieder mehr zu tun, auch vor Ostern gab es viele Aufträge – dann erlebe ich aber auch Wochen, in denen Flaute herrscht.“

Worauf sich Wolfshohl schon sehr freut: Im Juni nimmt sie auf Einladung an einem Kreativmarkt in Munster teil – als Ausstellerin. „Ich werde dann erstmals überhaupt irgendwo mit einem eigenen Stand vertreten sein.“ Bis zum Termin will sie auch endlich ihre eigenen Visitenkarten fertig haben.

Man merkt: Die Fintelerin hat ihre Passion gefunden. Und das Beste: „Ich kann mir meine Arbeit im Gegensatz zu früher endlich selbst einteilen.“

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