Naturprojekt

Heidebäche an der oberen Wümme werden renaturiert

Bachschmerle, Gründling und Elritze. Sie wurden unter anderem nach der Renaturierung im Bruchbach wieder heimisch.
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Bachschmerle, Gründling und Elritze. Sie wurden unter anderem nach der Renaturierung im Bruchbach wieder heimisch.

Die Heidebäche an der oberen Wümme werden renaturiert. Man möchte Fehler der Vergangenheit wieder ausgleichen.

Ostervesede/Lauenbrück – Gibt es Beispiele über gelungene Kompromisse beim Miteinander von Mensch und Natur? Oder werden sich Fehler der Vergangenheit, wo größere und kleine Fließgewässer, darunter zahlreiche Heidebäche im Bereich der oberen Wümme, teilweise arg gebeutelt wurden, auch künftig fortsetzen? Für das Gewässersystem, für die Tier- und Pflanzenwelt gibt es trotz vieler negativer Prognosen Chancen.

„Wie der Bach die Kurve kriegt” lautet etwa das Motto einer gelungenen Renaturierungsmaßnahme am Lünzener Bruchbachs, der bei Schultenwede (Heidekreis) entspringt, vorbei an Ostervesede und Westervesede fließt und dann in die Veerse mündet, die schließlich ihr Wasser an die Wümme abgibt.

Der Lünzener Bruchbach ist ein schmaler Wasserlauf, der in seiner jahrtausendealten Geschichte immer wieder einschneidende Wandlungen machte. Natürliche oder von Menschenhand erzwungene Veränderungen, so geformt, wie es „passte” und notwendig schien. Dazu zählten nach dem Krieg im Rahmen des Grünen Plans und für die Schaffung von Kulturflächen zum Anbau von dringend benötigten Nahrungsmitteln unter anderem die Begradigungen. Noch heute überall sichtbar: Schnurgerade Wasserläufe durchziehen das Land, rauben der Landschaft Natürlichkeit und verdrängen die Vielfalt. Allerdings: Nachhaltige Eingriffe des Menschen in die Natur hat es im Kreis Rotenburg nicht erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben, erste umfangreiche Begradigungen wurden schon ab 1830 praktiziert.

Reinhard Trau, Vorsteher des Unterhaltungsverbandes Obere und Mittlere Wümme, versagte sich als Landwirt und Berufskollege nicht der selbstkritischen Betrachtung. Er räumt bei einer „Gewässerschau“ am Bruchbach ein, dass die Landwirtschaft sich nicht immer ausreichend um die Belange der Natur gekümmert habe. Im Rahmen der Intensivierung der Landwirtschaft sei es leider immer wieder zu Überdüngungen gekommen. Oft mit dem Effekt, dass die Gewässer darunter gelitten hätten.

Die Flurbereinigung im Raum Ostervesede, die Renaturierungsmaßnahmen, das Anlegen der breiten Randstreifen an beiden Seiten der Bruchbachs und die positive Zusammenarbeit mit der Stiftung Naturschutz wurden betont. Die FFH-Ausweisung sei von den Landwirten als Eingriff kritisiert worden, bedauert Trau. Gesagt worden sei lediglich: „Es ist nur eine Meldung nach Brüssel.”

Diese Punkte nennt Ralf Gerken, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Anglerverbandes Niedersachsen und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Angelvereine Lauenbrück, Fintel und Westervesede, als Antwort auf die Frage, was zu einer erfolgreichen Renaturierung eines Heidebachs gehöre: Man brauche kooperative Akteure. Eine ausreichende Finanzierung durch das Land und die EU bei gleichzeitiger Eigenleistung. Wobei es, so Gerken, nicht an den notwendigen finanziellen Mittel mangele. Weiterhin brauche man den Mut, auf eine gewisse Eigendynamik der Fließgewässer zu achten. Und: Je breiter die Randstreifen, umso besser sei es. Gerken räumt aber ein: Beim Renaturieren könne der natürliche, ursprüngliche Flusslauf nicht erreicht werden. Hier gehe es um Kompromisslösungen. Angestrebt werden müsse, die Bäche leicht mäandern zu lassen und die Sohle mit Kies und Steinen zu versehen.

Ein „dickes” Lob gibt es von Gerken für die Verbände: „Die Unterhaltungsverbände im Bereich der Wümme zählen in Niedersachsen zu den Aktivsten.” Das werde von der Politik registriert und anerkannt. Der Unterhaltungsverband Obere und Mittlere Wümme sei ein Paradebeispiel für eine gelungene Renaturierung. Reinhard Trau ergänzt stolz: „Die Fließgewässerentwicklung im Bereich der Wümme ist in Niedersachsen am weitesten fortgeschritten.”

Ohne das Thema Klima, seine Probleme und Folgen ging es auch bei diesem Treffen am Bruchbach nicht. Gerken: „Beim Klimawandel gingen die Prognosen davon aus, dass sich die Niedrigwasserphasen künftig immer ausgeprägter zeigten.“ Es werde zunehmend zu hohen Temperaturen kommen, die bewirkten, dass die Situation für die Artenvielfalt immer bedrohlicher werde. Deshalb, so Gerken, könne, wie am Bruchbach, die Beschattung helfen, weil die Temperaturunterschiede enorm seien. Trotz vieler positiver Entwicklungen, bedauert Gerken, „stellen wir im Landkreis Rotenburg einen Rückgang der Fischbestände in der Wümme und Oste fest. Hecht, Aal und Rotauge gingen im Vergleich zu vor 40 Jahren um Dreiviertel ihres Bestandes zurück”.

Biologin Heike Vullmer von der Stiftung Naturschutz im Landkreis Rotenburg wünscht sich für die Zukunft ein „konstruktives Miteinander”. Man müsse nicht immer einer Meinung sein, sich aber trotzdem bemühen, Lösungen zu finden.

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