Weimarer Organist Wieland Meinhold schickt seinem Spiel eine „ohrenöffnende“ Einführung voraus

Ein Hautnah-Erlebnis für Orgelfreunde

Wieland Meinhold erklärt den Aufbau einer Holzpfeife.

Fintel - Von Marié Detlefesen. Was haben die alten Briten und Georg Friedrich Händel (1685-1759) miteinander zu tun? Zugespitzt: Der Deutsche aus Halle an der Saale ist ihr größter Klangschöpfer. Als Komponist des Barock umfasst sein Hauptwerk 42 Opern und 25 Oratorien. Dazu zählen zwölf Orgelkonzerte, komponiert in zwei Zyklen. Händel hat es zu seinen Lebzeiten nicht in die Finteler St.-Antonius-Kirche geschafft, dafür Wieland Meinhold. Am Dienstagabend ließ der Weimarer Universitätsorganist Händels Largo hier Händels Ouvertüre und weitere beeindruckende Stücke an der Wegscheider-Orgel erklingen.

Schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn nahmen neugierige Zuhörer an seiner Orgelführung unter dem Titel „Klangmajestät – Besuch bei der Königin“ teil. Der Andrang war zu Anfang zwar noch überschaubar, dafür hatten die Besucher die Gelegenheit zu erfahren, wie der höchste und der tiefste Ton klingen und aus wie vielen Pfeifen ein solches Instrument besteht und wie die Übertragung zwischen Taste und Ventil funktioniert. Dafür hatte sich Meinhold im Vorfeld eigens mit der Seele der Finteler Wegscheider-Orgel vertraut gemacht. „Jede Orgel ist einzigartig“, so der Organist. „Mir geht es vor allem darum, den Teilnehmern das Instrument näherzubringen und sie zum Staunen zu veranlassen.“ Daher biete er auch häufig Führungen für Kinder oder Schulklassen an, um ihre Neugierde zu wecken. Immerhin sei die Orgel nicht gerade deren Standardinstrument.

Seit etwa 16 Jahren bietet Meinhold derartige Führungen an. Mit seinen Konzerten hat er schon die ganze Welt bereist und unter anderem in Domen, Klöstern, Schlössern und Konzerthallen gespielt. „Durch meinen Beruf und vor allem durch das Reisen lerne ich immer neue Orte und Leute kennen. Das ist immer spannend und jede Reise wert“, berichtet er. Sein Interesse werde dabei immer durch die Einzigartigkeit der jeweiligen Orgel geweckt.

Auch die Finteler Wegscheider-Orgel besitzt ihre Schmuckstücke. Vor knapp 18 Jahren wurde sie komplett restauriert– von niemand anderem als dem bekannten Orgelbauer Kristian Wegscheider. Ihr Stil wurde dabei ganz dem des Gotteshauses angepasst und ist geprägt durch sehr viel Liebe zum Detail. Meinhold schätzt die Pfeifenanzahl auf 999 Stück. Mit ihren 16 Registern böte sie eine riesige Klangspannweite. Damals habe man sechs Männer benötigt, um solch ein Instrument überhaupt in Gang zu setzen, heute funktioniere dies natürlich alles mithilfe eines elektrischen Gebläses. Die Bezeichnung „Königin“ sei recht simpel abzuleiten: „Sie ist ein Einzelinstrument, wunderschön und ihre Krone strahlt einen majestätischen Glanz aus, der die gesamte Kirche erstrahlen lässt“, meint der Kenner.

Genau diese Wirkung brachte Meinhold während des folgenden Orgelkonzerts hervor. Er entfaltete die gesamte Klangfarbe anhand von berühmten Stücken wie Händels „Sarabande“ und zwei Variationen in d-Moll sowie „Pifa“ aus dem Oratorium „Messias“. Händels Stücke – gepaart mit Originalwerken alter Meister wie Tallis, Philips, Morley, Greene, Purcell und vielen weiteren – brachten das alte Gemäuer zum Schwingen. Für besondere Momente sorgte vor allem der „Trumpet tune“ aus der Suite in d oder auch Edvard Elgars Marsch Nummer vier „Pomp and Circumstance“.

Die etwa 40 Zuhörer lauschten gebannt den Melodien. In den Stücken wurde besonders Meinholds Liebe zur Königin deutlich sowie sein Temperament und seine Hingabe zur Orgel.

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