Erdäpfel und mehr direkt vom Finteler Hofladen

Kartoffelanbau hat bei Familie Ruschmeyer Tradition

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Drei Generationen auf einem Hof: Ines (v.l.), Egon und Elke Ruschmeyer gewähren einen Einblick in die tägliche Arbeit des Kartoffelanbaus. 

Fintel - Von Jennifer Kräge. Sie heißen Belana, Laura und Cilena – die aktuellen Speisekartoffeln auf dem Hof der Familie Ruschmeyer in Fintel. Von Herbst bis Mitte Juni werden sie im Nebenerwerb verkauft, dann gibt es wieder Frühkartoffeln. Seit 84 Jahren schon existiert der generationsübergreifende Hof, auf dem es sich hauptsächlich und tagtäglich um der Deutschen liebste Knolle dreht.

Damals, 1933, haben die Eltern von Egon Ruschmeyer den Hof gebaut und mit dreieinhalb Hektar bewirtschaftet. Eine kleine Viehzucht und Ackerbau gab es zu der Zeit. Vor 24 Jahren haben dann Martin und Elke Ruschmeyer den Hof übernommen. Heute gibt es 180 Hühner sowie 18 Hektar Land für den Anbau von Kartoffeln und Getreide. „Damals“, sagt Egon Ruschmeyer, „waren wir mit der kleinste Betrieb für den Kartoffelanbau in Fintel und heute sind wir der einzige, der übrig geblieben ist.“

Die Frühkartoffeln werden unter Folie oder Vlies auf einem Hektar Land angebaut, die Speisekartoffeln auf vier bis fünf Hektar. „Alle vier Jahre wird das jeweils beackerte Land erneut für den Kartoffelanbau genutzt“, erzählt Elke Ruschmeyer, die sich hauptsächlich um den Hof und den Betrieb kümmert. Tochter Ines ergänzt: „Um das eventuelle Verbreiten von Krankheiten zu vermeiden, wird eine Fläche nur alle vier Jahre beackert. Der Boden hat auch eine bessere Qualität, wenn die Kartoffeln seltener darauf angebaut werden.“

Verkaufsstelle mit Selbstbedienung

Verkauft wird direkt ab Hof – es gibt eine Verkaufsstelle mit Selbstbedienung, die rund um die Uhr begehbar ist. Kartoffeln reagieren empfindlich auf Licht und Frost, deshalb ist der Hofladen im Winter beheizt und die Kartoffeln werden abgedeckt. Neben den Erdäpfeln werden auch Eier der hofeigenen Hühner sowie Honig vom Imker und selbsthergestellte Kräutermischungen für Dips verkauft.

Werbung gibt es keine – „Mundpropaganda ist das, was zählt“, sagt Egon Ruschmeyer. Mittlerweile beliefert der Hof Edeka-Märkte in der Region sowie das Erholungsressort Eurostrand, aber auch die Kinderkombüse, die für das Essen der Grundschule und den Kindergarten zuständig ist. Einige Gastronomiebetriebe und die Tagespflege werden ebenfalls beliefert. „Die Kunden werden nach Wunsch beliefert, ob sie kleine oder große Kartoffeln benötigen“, sagt Elke Ruschmeyer. Für sie ist es ein Vollzeitjob, Haus und Hof in Schach zu halten. Sie ist aber auch stolz darauf, dass sich die ganze Familie aufeinander verlassen kann: „Es kann nur funktionieren, wenn alle an einem Strang ziehen. Mein Schwiegervater Egon repariert alles und hilft mir, wenn ich seine Hilfe benötige. Mein Mann Martin arbeitet 40 Stunden in der Woche und kümmert sich nach der Arbeit um Pflanzenschutz sowie Feldbearbeitung. Auch meine Kinder Ines und Steffen sind da, wenn sie gebraucht werden.“

„Wichtig, dass Kundschaft gute Ware bekommt“

Wie sehr die Familie den Hof und die damit verbundene Arbeit lebt, erklärt die Landwirtin wie folgt: „Uns ist es wichtig, dass die Kundschaft gute Ware bekommt. Es ist sehr arbeitsintensiv – ernten, kühlen, sortieren, absacken und ausliefern. Die Frühkartoffeln werden mit der Hand aufgelesen, da sie noch im Wachstum sind und dementsprechend empfindlich.“ Für Egon Ruschmeyer ist das Ausschlaggebende der Geschmack: „Der Geschmack einer Kartoffel ist das Wichtigste und der ist abhängig von der Düngung. Wir düngen weniger, dadurch ist die Kartoffel zwar nicht so ertragreich wie andere, aber dafür geschmacklich besser.“

Die Kunden schätzen die Produkte und das Persönliche auf dem Hof der Ruschmeyers. Der ortsansässige Edeka-Markt verkauft die angebauten Kartoffeln, dennoch liegt es vielen Kunden daran, direkt zum Hof zu fahren, der nicht gerade an einer Durchfahrtsstraße liegt. So hebt Kundin Anja Boelter die Regionalität der Produkte hervor: „Man sieht, wie die Kartoffeln auf den Feldern hinter dem Hof angebaut werden und das Geld bleibt im Dorf.“ Aber nicht nur das sei ein Grund für sie, direkt zum Hof zu fahren: „Die Persönlichkeit spielt auch eine Rolle – ich unterhalte mich gerne mit den Hofeigentümern oder streichle die Katzen; das bekomme ich in keinem Geschäft.“ Seit vielen Jahren Kunde, hat auch Hans-Joachim Schier seine Gründe, warum er Kartoffeln direkt vom Erzeuger bezieht: „Die Qualität stimmt und wir können rund um die Uhr Kartoffeln kaufen. Wir wissen, wie die Produkte produziert werden und es schmeckt einfach immer. Auch die Frische ist gewährleistet. Außerdem kennen wir uns und dadurch kommt die persönliche Note dazu.“

„Nicht nur Ortsansässige suchen uns auf“

Dabei sei der Hof bereits weit über die Grenzen Fintels hinaus bekannt, weiß Elke Ruschmeyer: „Nicht nur Ortsansässige suchen uns auf – neben Kunden aus den umliegenden Orten kommen auch Urlauber, die öfter in Fintel unterwegs sind und nehmen sich Kartoffeln mit nach Hause.“ Für die Zukunft wünscht sie sich, dass regionale Produkte direkt vom Bauern weiterhin von den Kunden wertgeschätzt werden. „Nach dem Fipronilskandal hat man einmal mehr gemerkt, wie wichtig den Menschen regionale Produkte werden.“

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