Hans Jürgen Küspert steht geplanter Kompostieranlage mehr als skeptisch gegenüber

Falkner befürchtet tödliche Gefahr

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Hans Jürgen Küspert sorgt sich um seine Falken. Die geplante Kompostieranlage in Helvesiek bedrohe das Leben der Tiere.

Helvesiek - Von Wiebke Bruns. Ohne Zulassung hat der Landkreis Rotenburg die Fläche für die geplante Kompostierungsanlage in Helvesiek asphaltieren lassen (wir berichteten).

Hans Jürgen Küspert, der in rund 500 Meter Entfernung eine Falkenzucht betreibt, ist überzeugt: Die Behörde hat es so eilig, weil die zulässigen Mengen einer vergleichbaren Anlage in Gnarrenburg seit Jahren überschritten werden. Er sieht Gesundheitsgefahren für die Anwohner in Helvesiek und eine tödliche Gefahr für seine Falken.

„Die Errichtung und der Betrieb der Kompostierungsanlage sind für uns existenzbedrohend“, sagt Küspert. Der Grund seien Staub- und Bioaerosole, die in der Kompostierungsanlage in großem Maß freigesetzt würden. Darunter der Schimmelpilz „Aspergillus fumigatus“. Dieser habe schon einmal Hunderte seiner Tiere getötet. Über mehrere Jahre lieferte er sich deshalb einen Rechtsstreit mit einem Nachbarn, der auf seinem Firmengrundstück betriebsbedingt große Mengen eines kompostähnlichen Substrats gelagert hatte. Vor Gericht hatten Küspert und sein Bruder Harald Küspert – gemeinsam betreiben sie das Falcon Center – verloren.

Der Nachbar war jedoch kooperativ, verlegte das Substrat und ermöglichte es damit den Brüdern, den Betrieb in Helvesiek wieder aufzunehmen. Übergangsweise hatten sie ihre Falkenzucht in das Ausland verlagert. Aktuell haben sie wieder rund 400 Vögel in Helvesiek.

Dem Landkreis ist die Problematik der Sporenbelastungen aus dem damaligen Rechtsstreit bekannt, sagt Küspert. Außerdem gebe es seit Jahren Beschwerden von Anwohnern in Gnarrenburg, wo eine vergleichbare Anlage mit einer Größe von rund 20000 Tonnen betrieben werde.

Die Staubbelastung durch das Absieben von Kompost sei dort so groß, dass ein ursprünglich rotes Dach eines Wohnhauses in rund 150 Meter Entfernung im Laufe von sechs Jahren komplett ergraut war, berichtet Küspert aus Gesprächen mit den Eigentümern.

„Man hat sich dann geeinigt, dass der Betreiber sich an einer Neueindeckung des Dachs mit glasierten Ziegeln finanziell beteiligt, in die der Kompoststaub nicht mehr in die Poren eindringen kann“, erklärt der Helvesieker. Ständiges Reinigen beispielsweise von Terrassenmöbeln, gehöre weiterhin zum Alltag betroffener Nachbarn.

Das Gewerbeaufsichtsamt (GAA) will jedoch erstmals im April dieses Jahres eine Beschwerde hierzu erhalten haben. Daraufhin seien Messungen zu Geruchsemissionen angeordnet und Maßnahmen zur Minimierung von Staubemissionen veranlasst worden. Die Durchsatzleistung soll jetzt ab dem ersten Quartal 2016 auf jährlich 6500 Tonnen reduziert werden.

Bei immungeschwächten Menschen können Schimmelpilze zu Aspergillose, einer Lungenkrankheit, führen und gesunde Menschen können mit Allergien reagieren, so Küspert und beruft sich dabei auf eine Veröffentlichung des Bayerischen Landesamts für Umwelt. Umso unverständlicher ist es für ihn, dass der Landkreis Rotenburg nun in Helvesiek eine solche Anlage in knapp 300 Meter Entfernung zu einer Jugendhilfeeinrichtung plant.

Das GAA habe ihm und anderen besorgten Anwohnern eine Akteneinsicht bislang verweigert. In dem Antrag des Landkreises soll es keine Hinweise auf die aus seiner Sicht bestehenden Gefahren geben. Die Bedenken habe das GAA in die Prüfung aufgenommen und will diese in der abschließenden Beurteilung des Vorhabens berücksichtigen, heißt es. Der Landkreis wollte in der Sache zunächst keine Stellungnahme abgeben.

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