Baustelle drückt Umsatz in Lauenbrücker Tankstelle / Team bleibt optimistisch

Gute Laune trotz schwieriger Zeit

Jessica Krack (v.l.), Sabine Rühe und Nicole Szymanski tanzen gerne mal vor der Tankstelle in Lauenbrück
+
Jessica Krack (v.l.), Sabine Rühe und Nicole Szymanski tanzen gerne mal vor der Tankstelle in Lauenbrück

Lauenbrück – Sabine Rühe (53) und ihr Team sind auf ihre Art einmalig. Das wissen alle, die als Stammkunden an der Lauenbrücker Tankstelle vorbeikommen. Das sind die Anwohner, aber auch etwa die Mitarbeiter der Firma Atlas von der Wehl. Aber auch Auswärtige, die zum Tanken vorbeikommen, lernen schnell die fröhliche Art des Teams kennen. Rühe berlinert wie ein Weltmeister, Jessica Krack, Nicole Szymanski und alle anderen Mitarbeiter begeistern die Kunden mit norddeutschem Charme. Wer nicht selber vorbeikommen kann, kommt virtuell in den Genuss, das lustige Trio zu erleben: Aktuell gibt es auf Facebook immer mal wieder Videos, die Frauen tanzen und singen, manchmal wird etwas Weihnachtsmusik gespielt.

Der Anlass zu so viel Heiterkeit ist jedoch nicht ganz so heiter, denn Inhaberin Rühe kommen in den vergangenen Wochen auch hier und da mal die Tränen: „Erst der erste Lockdown, dann ein weiterer und nun noch die Baustelle – ich gebe zu, ich habe schlaflose Nächte“, so Rühe. Schon im Januar 2020 saß sie beim Steuerberater mit dem Thema der jetzt soeben gestarteten Baustellen: Denn durch die Sperrung der Ortseinfahrt, die ein ganzes Jahr dauern soll, muss die Tankstelleninhaberin mit erheblichen Mindereinnahmen rechnen. „Damals wusste ich aber noch nicht, dass wir die ganzen zusätzlichen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie haben“, so Rühe. Aktuell kommt eins zum anderen: Viele Menschen sind in Kurzarbeit und geben weniger aus, da wird auch mal am Sonntagsbrötchen gespart. Die meisten Menschen verreisen wenig und fahren wenig – demnach wird auch weniger Benzin getankt.

„Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass es viele ältere Anwohner gibt, die sich nicht mehr so richtig raus trauen“, weiß zum Beispiel Krack, die seit sechs Jahren hier arbeitet. „Durch die Baustelle und Sperrung kommen nun die Lkw nicht mehr über diese Strecke. Alle, die sonst nach Fintel fahren, nehmen jetzt den Weg über Riepe. Auch diese Kunden fehlen jetzt“, ergänzt Rühe.

Nicole Szymanski ist seit zwei Jahren ebenfalls im Team, sie ist aber auch als Marktleiterin im benachbarten Edeka aktiv. „Dort arbeite ich in der Hauptsache, aber hier diesen Job in der Tankstelle, das mache ich eben auch sehr gerne“, erklärt sie. Im Lebensmittelbereich seien die Auswirkungen weniger gravierend. „Teilweise ist es sogar so, dass die Anwohner jetzt mehr bei uns einkaufen, weil sie eben den Umweg über den Schmiedeberg bis zur B 75 nicht fahren wollen“, weiß sie. Gerne ist sie – ebenso wie Sabine Rühe – bereit, auch Extrawünsche zu ermöglichen. „Wer etwas Besonderes haben möchte, für den bestellen wir das auch“, so die beiden. Sie wollen ihre Kunden binden, sich aber auch bedanken. „Wenn unsere Kunden nicht so zu uns halten würden, sähe die Situation noch ganz anders aus“, so Rühe. Ohnehin sei der Zusammenhalt im Team, bei den Anwohnern und allen groß. „Gegenüber ist ja der Lauenbrücker Hof, die leiden fast noch mehr, durch die Schließungen, die jetzt wieder erfolgt sind“, weiß die Inhaberin.

2012 hat sie die Tankstelle übernommen, vorher war sie dort schon angestellt. „Es geht auch weiter, irgendwie“, so ihre Überzeugung. Man helfe sich gegenseitig so gut es eben geht. „Und wir tanzen, um uns zu motivieren“, erklärt sie aber auch mit Blick auf die spaßigen Facebook-Videos. Gute Laune sei wichtig, um irgendwie durch diese Zeit zu kommen. Doch in der Tat ist die Aufgabe, einen Betrieb zu stemmen, gerade eine Herausforderung: Zwar musste Rühe noch niemanden in Kurzarbeit schicken, aber die Öffnungszeiten musste sie etwas einschränken, um über die Runden zu kommen. „Abends ist auch wirklich nichts mehr los, deshalb haben wir das angepasst“, so die drei. Allerdings muss die Tankstelle auch in den vielen anderen Stunden, in denen nichts los ist, geöffnet bleiben – sonst kämen noch weniger Kunden.

Mit Blick auf die Baustelle hätte Rühe sich gewünscht, dass die Ausschilderung exakter vorgenommen worden wäre: Schließlich sei der Ort weiterhin zugänglich, nur müsse eben ein anderer Weg genommen werden. Der sei schlecht ausgeschildert, „viele wissen das eben nicht“, so ihre Feststellung. Ein Rundschreiben an alle Anwohner und mehr Information, zum Beispiel an den Pinnwänden im Ort, hätte sie sich gewünscht. „Es liest eben nicht jeder die Zeitung“, so Rühe. „Natürlich ist es für die Anwohner am Schmiedeberg unangenehm, dass jetzt alle über diesen Weg fahren müssen“, wissen die drei. „Aber wenn dieser Weg aus irgendeinem Grund auch noch geschlossen wird, dann ist hier wirklich Schluss, dann kann ich den Laden nicht mehr halten“, so Rühe. Es sei für alle eine doofe Zeit, „aber wir lassen uns immer etwas einfallen, wir sind auch immer gut drauf“, versichern die drei durchaus überzeugend. „Ich mache meinen Beruf unheimlich gerne und mir macht das alles wahnsinnig Spaß. Ich habe ein tolles Team und unsere Kunden sind super – dennoch wache ich manchmal nachts auf, weil ich mir Sorgen mache, wie es weiter geht“, so das etwas angespannte Fazit von Rühe, die weiß, dass sowohl die Baustelle als auch die Pandemie noch viele Monate des nächsten Jahres prägen wird.  jtd

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fünf wirklich außergewöhnliche Erlebnistouren

Fünf wirklich außergewöhnliche Erlebnistouren

Dominikanische Republik: Der bunte Hund von Cabarete

Dominikanische Republik: Der bunte Hund von Cabarete

So fährt es sich im Ford Mach-E

So fährt es sich im Ford Mach-E

Desserts mit Gemüse zubereiten

Desserts mit Gemüse zubereiten

Meistgelesene Artikel

Widerstand gegen Sperrung der Goethestraße in Rotenburg

Widerstand gegen Sperrung der Goethestraße in Rotenburg

Widerstand gegen Sperrung der Goethestraße in Rotenburg
Regelungen zur Ferkelerzeugung: Die Verlässlichkeit fehlt

Regelungen zur Ferkelerzeugung: Die Verlässlichkeit fehlt

Regelungen zur Ferkelerzeugung: Die Verlässlichkeit fehlt
Start des Impfzentrums in Zeven ist noch unklar

Start des Impfzentrums in Zeven ist noch unklar

Start des Impfzentrums in Zeven ist noch unklar
Zweieinhalb Jahre nach CDU-Austritt: Andrea Kaisers AfD-Beitritt mit Ankündigung

Zweieinhalb Jahre nach CDU-Austritt: Andrea Kaisers AfD-Beitritt mit Ankündigung

Zweieinhalb Jahre nach CDU-Austritt: Andrea Kaisers AfD-Beitritt mit Ankündigung

Kommentare