Gewappnet für Dreizügigkeit

Grundschule an der Wümme in Lauenbrück bekommt kompletten Neubau spendiert

So sieht er aus, der Neubau der Grundschule in Lauenbrück. Summa summarum elf Millionen Euro soll das Großprojekt kosten. Grafik: Daniel C. Wolf
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So sieht er aus, der Neubau der Grundschule in Lauenbrück. Summa summarum elf Millionen Euro soll das Großprojekt kosten. Grafik: Daniel C. Wolf

Lauenbrück – Es hat lange gedauert mit der Entscheidungsfindung, genau genommen ganze fünf Jahre. Doch wie heißt es so schön: Was lange währt, wird endlich gut. Und gut, das befinden im Pressegespräch die Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und der Lehrerschaft in Anbetracht stark steigender Schülerzahlen einvernehmlich, ist die Lösung für die Grundschule an der Wümme in Lauenbrück nun allemal.

Weder ein Anbau an das rund 70 Jahre alte Bestandsgebäude, noch ein zentraler Campus an der Fintauschule, wie er in der Vergangenheit zwischenzeitlich auch schon einmal angedacht war – nein, die Ganztagsschule wird am etablierten Standort ein Stück weit versetzt komplett neugebaut. Elf Millionen Euro und damit das Haushaltsvolumen eines ganzen Jahres seien für diesen „wichtigen Meilenstein“, wie Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger das ehrgeizige Projekt nennt, angesetzt. „Das ist so, als würde der Bund über eine Maßnahme von 300 Milliarden Euro befinden“, zieht er einen Vergleich. Eine „riesige Herausforderung“ für seine Kommune, wenngleich auch noch Fördermittel zu erwarten seien. „Im Moment sind wir in der Endphase“, berichtet der Verwaltungschef. „Der Auftrag ist noch nicht erteilt, aber wir haben uns jetzt nach nochmals intensiven Beratungen und Verhandlungsgesprächen mit potenziellen Bietern für unsere funktionale Leistungsbeschreibung auf einen Entwurf festgelegt.“

Und der sieht ein deutlich üppigeres Raumangebot vor, als es bisher der Fall war. Denn eines ist klar: Will die Grundschule ihren pädagogischen Qualitätsansprüchen auf dem Weg von der Zwei- zur Dreizügigkeit noch gerecht werden, muss sie baulich wachsen. Das soll ab Sommer 2022 geschehen, wie Anjani Willing von der zuständigen Baufirma Goldbeck ankündigt. „Zu den Sommerferien nächsten Jahres werden wir das Grundstück übernehmen und die Baustelle einrichten – Ende August, nach Verlegung der Fundamente, beginnen wir dann mit der Rohbaumontage.“ Die Errichtung erfolge in Modulbauweise. Ab Oktober würden für den Rest des Schuljahres dann nur noch die leiseren Baugewerke unterwegs sein, „es wird also wenig Beeinträchtigungen für die Anwohner und für die Schule selbst im Betrieb geben“, sagt sie über die rund zehn Monate währenden Arbeiten.

Was den Neubau betrifft, sei der in drei Cluster mit separatem Klassen- und Verwaltungstrakt sowie einem Sonderbau mit Mensa zur Mehrzwecknutzung unterteilt, wie Anja Kräher ausführt. Die Architektin ist der kreative Kopf hinter dem Entwurf. „Gerade für die Außengestaltung haben wir viel Zeit investiert, da die naturnahe Lage mit einbezogen werden sollte“, sagt sie. Um den Lärm ein wenig von der Nachbarschaft zu nehmen, habe man sich entschieden, den Baukörper dieser quasi entgegenzusetzen. So würde sich der Schulhof in Zukunft Richtung Wümme und an der Einrichtung orientieren.

Zwölf, statt bisher acht Klassenräume, sieben neue Differenzierungs- und Förderräume für die inklusive Schule, ein zusätzlicher Bewegungs-, Werk- sowie ein Bücherei- und Spielraum, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zur Eigenstromerzeugung, eine Lüftungsanlage für das gesamte Gebäude – die Beispiele, die Kräher hinsichtlich der Ausgestaltung nennt, können sich wahrlich sehen lassen. Das freut auch Kristina Muraszewski, die Schulleiterin: „Bisher haben wir im Betrieb hier und da schon improvisieren müssen – jetzt sind wir froh, dass es losgeht.“ Ähnlich euphorisch äußern sich die Ratsmitglieder Jürgen Rademacher (CDU), Cathrin Intelmann (SPD) und Hans-Jürgen Schnellrieder (Grüne), die die Projektentwicklung in der AG Schulstruktur von politischer Seite her intensiv mitbegleitet hatten. „Das, was gemeinschaftlich mit der Lehrerschaft und den Eltern erarbeitet wurde, ist jetzt eine richtige Blaupause für die zukünftigen Investitionen“, befindet beispielsweise Schnellrieder.

Freuen sich über das Erreichte: Anjani Willing von der Baufirma, Architektin Anja Kräher, Schulleiterin Kristina Muraszewski, Ratsherr Hans-Jürgen Schnellrieder (Grüne), Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger, Cathrin Intelmann (SPD) und Jürgen Rademacher (CDU).

Tatsächlich, erläutert der Samtgemeindebürgermeister, platze die Einrichtung schon heute längst aus allen Nähten. Habe man 2018 für das aktuell laufende Schuljahr noch mit 25 Erstklässlern gerechnet, seien am Ende 55 Kinder angemeldet worden. Eine Entwicklung, die er an Zuzüge und die Ausweisung von Bauland in und rund um Lauenbrück festmacht. „Berücksichtigt man die Ausweisung von Neubaugebieten in allen Mitgliedsgemeinden, erwarten wir rund 400 neue Haushalte in den kommenden zehn Jahren.“

Warum der zuletzt angedachte Schulanbau zwecks Erweiterung wieder verworfen worden sei? „Zu unwirtschaftlich“, nennt Krüger den Grund. Dies hätten jedenfalls sämtliche Bieter so eingestuft. Bezüglich der Finanzierung, die eben durch erwartbare Fördermittel, aber auch durch Baulandverkäufe (Stichwort Infrastrukturabgabe der Mitgliedsgemeinden) zu immerhin gut 50 Prozent sichergestellt werden soll, sagt er: „Die andere Hälfte werden wir kreditfinanzieren – im Moment gibt es für Kommunen sehr lukrative Zinssätze mit einer 30-jährigen Zinsbindung, sodass wir an dieser Stelle auch keine finanziellen Risiken für die nachfolgenden Generationen eingehen müssen.“

Was später eine Nachnutzung des Altgebäudes betrifft, ob womöglich dort noch weitere Wohnungen entstehen oder die Liegenschaft für Kita-Zwecke eingesetzt wird, gebe es seiner Auskunft nach dafür gegenwärtig noch keinen Plan. „Was damit passiert, ist dann ein weiterer Schritt, den es in der nächsten Ratsperiode zu klären gilt.“

Am Ende kommt Architektin Anja Kräher noch auf ein Detail zu sprechen, welches ihr persönlich am besten gefalle. Und das betrifft die Bühne in der Pausenmehrzweckhalle. „Die haben wir extra an die Außenwand so gelegt, dass sie sowohl von innen als auch von außen genutzt werden kann – je nachdem, wie es das Wetter gerade zulässt“, erklärt sie. Schüler und Lehrer, das wird im Gespräch mehr als deutlich, können sich auf eine Grundschule der Extraklasse freuen.

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