Geschmackssache

Gevatter Tod lässt grüßen: Bei Angela Eulenburg-Both aus Stell steht ein Gartenwächter

Angela Eulenburg-Both mit dem von ihr gefertigten Gartenwächter. „Der passt gut auf mich auf“, sagt die 51-jährige Familienmutter.
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Angela Eulenburg-Both mit dem von ihr gefertigten Gartenwächter. „Der passt gut auf mich auf“, sagt die 51-jährige Familienmutter.

Lauenbrück – „Grüß Gott, i bin der Tod“, sang die Austropop-Band „Erste Allgemeine Verunsicherung“ (EAV) in ihrem Kult-Hit „Der Tod“. 1987 war das. Fast 35 Jahre später grüßt Gevatter Tod aus einem Garten in Lauenbrück-Stell – aus dem von Angela Eulenburg-Both und ihrer Familie. „Ja ist denn immer noch Halloween?“, wird sich mancher die Frage stellen beim Anblick dieses düsteren, in eine Kutte gehüllten Gesellen. „Nein, nein“, bekräftigt die 51-jährige Familienmutter, „der hat bei uns seinen felsenfesten Platz gefunden.“

Und das inzwischen seit anderthalb Jahren. Damals, sagt die Schöpferin der etwa 1,50 Meter hohen und rund 70 Kilo schweren Skulptur, sei es ihr in den Sinn gekommen, sich an einem extraordinären Gartenwächter einfach mal selbst auszuprobieren. „Ich werkle ja seit meiner Kindheit nebenher schon immer so vor mich hin.“ Für ihr Projekt stand das Internet Pate. „Dort habe ich diese Figuren zum ersten Mal gesehen – allerdings stehend und mit einer Sense in der Hand.“ Diese Ausführung sei ihr dann aber doch ein bisschen zu gruselig gewesen. Deshalb sitzt ihr namen- wie gesichtsloser Wächter auch – auf einem Baumstumpf, der als solcher aber gar nicht mehr zu erkennen ist. Eulenburg-Both klärt auf: „Den Baum auf unserem Grundstück mussten wir fällen, der war tot – den Rest habe ich dann mit Beton umwickelt.“

Beton ist überhaupt der Baustoff, ohne den der Sensemann ohne Sense, dessen Innenleben aus Holzlatten besteht, gar nicht erst zustande gekommen wäre. Demnach habe sie zunächst mehrere Tagesdecken in flüssigem Zement eintauchen und übereinanderschichten müssen, um so die Hülle kreieren zu können. „Eine wirkliche Schweinearbeit“, sagt die Büroangestellte, seien die Tücher, wenn man sie aus dem Zementbottich wieder herausfische, doch echte Schwergewichte. Nur halte Gevatter Tod eben nur auf diese Weise jeder Witterung stand – von dunklen Verfärbungen bei Regenwetter einmal abgesehen.

Viele fotografieren meine Skulptur auch, was mich persönlich gar nicht stört.

Angela Eulenburg-Both

Dass ihr regungsloser Aufpasser auch wirklich eine beschützende Wirkung hat, nämlich vor dem Bösen, davon ist die 51-Jährige überzeugt. „Ich glaube einfach daran, dass der gut auf mich aufpasst.“ Schon im Mittelalter, sagt sie, hätten viele Menschen zum eigenen Schutz dämonische Steinfiguren, sogenannte Gargoyles, vor ihren Haustoren aufgestellt – in eine ähnliche Kerbe schlage ihr Gartenwächter, der heute vor allem in den USA noch verbreitet sei, auch.

Was sie immer wieder beobachten würde: Wer an der Hofauffahrt vorbeikommt, der schaut oft gleich zweimal hin. „Viele fotografieren meine Skulptur auch, was mich persönlich gar nicht stört.“ So hat es der Gartenwächter, ob man ihn nun geschmackvoll findet oder nicht, inzwischen schon zu einem gewissen Kultstatus geschafft.

Ob sie sich nicht vorstellen könne, für den Sensemann irgendwann noch einen weiteren Gesellen zwecks Gesellschaft zu basteln, vielleicht ja sogar eine Sensenfrau? „Nein, der soll eigentlich reichen“, betont Eulenburg-Both, die sich aber vorstellen könne, für Bekannte weitere Exemplare anzufertigen. „Anfragen gibt es jedenfalls schon reichlich – nur die Zeit hatte ich noch nicht.“

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