Alfred Nottorf arbeitet mit am Buch zur Geschichte der Ornithologie in Niedersachsen und Bremen

In den Fußstapfen Müller-Scheeßels

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Der Scheeßeler Ornithologe Ludwig Müller-Scheeßel bei einer Exkursion auf Island mit einer Eisente.

Stemmen - Von Wieland Bonath. Als Ende der vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) herausgegeben Reihe „Die Vögel Niedersachsens und des Landes Bremen“ erschien jetzt nach 57 Jahren der abschließende Band zur Avifauna Niedersachsens.

Teil der 244 Seiten umfassenden Veröffentlichung ist die Forschungsarbeit des Scheeßeler Kaufmanns und renommierten Ornithologen Ludwig Müller-Scheeßel (1903-1974). Zwei seiner langjährigen Wegbegleiter, die Vogelkundler Alfred Nottorf (79) aus Stemmen und Eugen Seebold (85) aus Bomlitz (zuvor Rotenburg) haben dafür gesorgt, dass Müller-Scheeßels kreisübergreifende Arbeit Teil der aktuellen Veröffentlichung wurde.

Ein reich bebildertes Buch, das passend zu dem 70-jährigen Bestehen der Staatlichen Vogelschutzwarte Niedersachsen erschien. Eine Veranstaltung, an der 250 haupt- und ehrenamtliche Vogelkundler aus Niedersachsen und anderen Bundesländern teilnahmen und bei der Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) die Wichtigkeit des ehrenamtlichen Elements in der Ornithologie besonders hervorhob.

Zusammenarbeit begann 196

Alfred Nottorfs Zusammenarbeit mit Ludwig Müller-Scheeßel begann 1962 und war Auslöser für das besondere Interesse des Stemmer für die Greifvögel. Eine Arbeit, die dazu führte, dass der in seinem Bestand dramatisch gefährdete Schwarzstorch inzwischen über den Kunsthorstbau in vielen Teilen Deutschlands stabilisiert werden konnte. In Niedersachsen gibt es heute etwa 50 Paare der scheuen Großvögel, vier bis fünf Paare davon im Kreis Rotenburg. Der ehemalige Zooinspektor Eugen Seebold, der später lange in den Rotenburger Werken arbeitete, lernte Ludwig Müller-Scheeßel über das Schutzprogramm für die Schellente in Schleswig-Holstein kennen.

In der Würdigung der Arbeit von Müller-Scheeßel schreibt Nottorf unter anderem: „Der Schutz und die Bestandserfassung seltener und gefährdeter Arten hatten es ihm dabei besonders angetan. Hervorzuheben sind Wanderfalke, Birkhuhn, Kranich, Großer Brachvogel, Goldregenpfeifer und Kolkrabe. In den Dörfern seines Heimatkreises kümmerte er sich wegen mangelnder Brutmöglichkeiten mit Nistkastenaktionen um Schleiereule und Waldkauz.“

Weiter heißt es: „Vor der Kultivierung und Entwässerung der Landschaft warnte er als weitsichtiger Umweltschützer bereits in den 1940er-Jahren, womit er sich gegen den ,Mainstream’ stellte und viel Kritik erntete.“

Positive und negative Entwicklungen

Im April 1974 erlag Müller-Scheeßel, der als eine stille, gerade und kluge Persönlichkeit charakterisiert wird, in der Nähe von Weyhausen (Kreis Celle) bei der Kontrolle eines Schwarzstorchhorstes einem Herzversagen.

Alfred Nottorf, der genau wie Eugen Seebold, über viele Jahre die Naturschutzarbeit des Scheeßeler Ornithologen fortführte, sagt: „Wenn man die Bestandszahlen aus dem Berichtszeitraum von Müller-Scheeßel aus den 1920er- und 1930er-Jahren mit heute vergleicht, ist erkennbar, dass positive und negative Entwicklungen gegeben hat. Die Ursachen sind nicht immer nachvollziehbar. Von großer Bedeutung ist aber, dass der Mensch durch Umwandlung der Landschaft und geänderte Bodennutzung maßgeblich Einfluss auf die Vogelwelt genommen hat.“

Zur positiven Seite zähle neben der Bestandsentwicklung des Schwarzstorchs die Tatsache, dass der Kranich im Herbst und im Frühjahr unseren Raum nicht nur als Durchzugsgebiet nutze, sondern eine Vielzahl von Brutvögeln besonders in wiedervernässten Mooren wie dem Tister Bauernmoor seinen Nachwuchs großziehe. Nottorf: „An so eine Entwicklung hätte man früher in Ornithologenkreisen nicht im Traum gedacht.“

„Mit der Entwicklung der Vogelwelt insgesamt“, fährt der Stemmer Naturschützer fort, „bin ich, abgesehen von einigen Einschränkungen, zufrieden. Das gilt besonders für die Wälder aufgrund von Programmen der Landesforst, denen sich auch private Waldorganisationen angeschlossen haben. Davon profitieren insbesondere die Großvögel des Waldes.“ Alfred Nottorf fährt fort: „Sorgen bereiten nach wie vor die Wiesenvögel und Bodenbrüter unter den Kleinvögeln. Man muss aber bedenken, dass die Landwirtschaft in der Bodennutzung nicht völlig frei ist und unter staatlichen Zwängen steht.“

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