Komplett neues Kapitel im Leben

Steffen Brunckhorst aus Stemmen geht unter die Trampolinpark-Betreiber

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Vom Sparkassenmitarbeiter zum Geschäftsführer eines Trampolinparks: Steffen Brunckhorst möchte beruflich noch mal komplett neu durchstarten. Hier zeigt er einen Plan vom Innenleben der Halle.

Stemmen - Von Lars Warnecke. Es dürfte sein persönliches Super-Jahr werden: Im Herbst 2019 soll in Bispingen, direkt an der A7, ein riesiger Indoor-Trampolinpark Eröffnung feiern. Und Steffen Brunckhorst stellt die treibende Kraft hinter dem 2,7 Millionen Euro teuren Projekt dar.

Der 34-Jährige, wohnhaft in Stemmen, ist einer von zwei geschäftsführenden Gesellschaftern einer GmbH, die das „Abenteuerland“, so der Name der neuen Attraktion, bauen und betreiben wird. Dafür wird Brunckhorst seinen alten Job bei der Sparkasse an den Nagel hängen. Über große Pläne, manche Hürden und einer Begegnung mit dem niedersächsischen Wirtschaftsminister haben wir uns mit ihm unterhalten.

Herr Brunckhorst, wann sind Sie das letzte Mal Trampolin gesprungen?

Steffen Brunckhorst: Das ist noch gar nicht so lange her: Im Sommer mit meinen beiden kleinen Kindern zu Hause auf dem Gartentrampolin. Richtig Fahrt aufgenommen hat meine Begeisterung fürs Hüpfen aber schon viel früher – bei einem Freizeitbesuch im Hamburger „Jump House“, das 2014 hierzulande ja als erster Indoor-Trampolinpark an den Start gegangen war. Damals habe ich nur gedacht: „Wie geil ist das denn!“ Da waren alle Altersklassen vertreten – vom Kleinkind bis zum Senior.

Nun verwirklichen Sie und ihre Mitstreiter, die in der Abenteuerland Lüneburger Heide GmbH vertreten sind, eine eigene Trampolinhalle. Offenbar scheint neben Glaube auch Begeisterung Berge versetzen zu können.

Brunckhorst: In meinem Fall kann man das wohl sagen, ja. Und ich glaube an meine Idee ganz fest, sonst hätte ich auch nicht meinen Job bei der Sparkasse gekündigt. In den letzten Monaten – da haben wir schon tief in den Planungen für unser Projekt gesteckt – war ich viel unterwegs und habe mir vor allem in Süddeutschland weitere Hallen ganz ähnlicher Art angeschaut – dieses Mal dann aber natürlich aus rein geschäftlichem Interesse. Auch auf diversen Messen waren wir zugegen, um nach Produkten Ausschau zu halten, die so noch keiner anbietet. Unser Anspruch ist es nämlich, Norddeutschlands modernster Trampolinpark zu sein – jedenfalls zum Zeitpunkt der Eröffnung, die wir hoffentlich im kommenden Herbst werden feiern können.

Gab es einen Schlüsselmoment, wo Sie sich gesagt haben: Das mache ich jetzt?

Brunckhorst: Zu der Idee bin ich durch einen Kumpel gekommen. Der wohnt in Bispingen und erzählte mir mal bei einem gemeinsamen Mittagessen beim Italiener in Scheeßel, dass zwecks Ansiedlung weiterer touristischer Attraktionen das dortige Gewerbegebiet direkt an der A7 erweitert werden soll. Und so bot sich mir, nachdem sich schnell um mich herum ein Kreis von Mitstreitern gebildet hatte, bei dem ich mir gut vorstellen konnte, das Projekt gemeinschaftlich durchzuziehen, die Möglichkeit, ein Grundstück direkt im Eingangsbereich reservieren zu lassen – auch, weil ich gute Kontakte habe und wusste, wen ich dafür ansprechen muss. Das Ganze ist dann ziemlich schnell konkret geworden.

Und Sie haben bis heute keine Bedenken, dass der Schuss auch nach hinten losgehen könnte?

Brunckhorst: Nachdem ich mir das Besucheraufkommen angeschaut habe, das auf die etablierten Attraktionen wie Snowdome, Kartbahn oder das Verrückte Haus fällt, nicht, nein. Bei einer jährlichen Zahl von 1,2 Millionen Gästen, wohlgemerkt auf kleinem Fleck, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Diese Leute sind also schon mal da. Wir reden hier über einen großen Anteil von Touristen, die in der Lüneburger Heide Urlaub machen – ganz konkret auch im Center Park in Bispingen. Natürlich haben wir auch die umliegenden Betreiber selbst gefragt, was sie von einer Trampolinhalle in der Nachbarschaft halten. Alle waren der Meinung, dass es doch eine perfekte Ergänzung zum bisherigen Angebot wäre – auch, weil wir ja als Ganzjahresattraktion die komplette Familie ansprechen wollen.

Wie haben die Behörden, die sicher auch ein Wörtchen mitzureden hatten, auf das Vorhaben reagiert?

Brunckhorst: Die Wirtschaftsförderung des Landkreises Harburg als Grundstückseigentümerin und die Gemeinde Bispingen, die das Ganze ja am Ende absegnen musste, fanden das beide gut. Bei denen mussten wir zum Glück nicht großartig Überzeugungsarbeit leisten. Als viel aufwendiger sollte sich das Vorbereiten der ganzen Förderanträge bei der NBank herausstellen. Da stand ich als derjenige, obwohl ich durch meinen Job bei der Sparkasse schon immer viel mit Förderung zu tun hatte, manchmal ehrlicherweise schon kurz vor der Verzweiflung. Auch die lange Wartezeit, ein halbes Jahr ließ die Bank mit einer Antwort auf sich warten, gestaltete sich als ziemlich harte Zerreißprobe. Da man nicht wusste, wie hoch die Förderung ausfallen würde, war einem natürlich auch überhaupt nicht bewusst, was noch an zusätzlichem Kapital anfallen würde. Bedenkt man, dass man schon von Anfang an eine Finanzierungsbestätigung bei der NBank vorzulegen hatte, ergaben sich daraus regelrechte Teufelskreisabhängigkeiten, die manchmal nicht einfach zu bewältigen waren. Aber im Endeffekt hat ja alles geklappt. Das Ganze wird vom Land und von der EU mit 700.000 Euro bezuschusst.

Zur Erleichterung wohl derer aus ihrem persönlichen Umfeld, die das Ganze anfangs skeptisch gesehen haben.

Brunckhorst: Und die gab es tatsächlich. Wie oft habe ich mir anfangs die Frage anhören müssen: „Hast Du sie noch alle?“ Warum ich denn meinen Top-Job für so etwas aufgeben würde. Andere, vor allem Freunde, die im Berufsleben selbstständig unterwegs sind, meinten nur, das würde doch prima zu mir passen. Und so sehe ich das auch. Für mich ist das Kapitel beendet. Ich muss jetzt etwas anderes machen. Meinen letzten Tag bei der Sparkasse werde ich am 30. Juni haben.

Eine Entscheidung, vor der sicher auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann seinen Hut gezogen haben dürfte. Er hat Ihnen den Förderbescheid Anfang Dezember persönlich übergeben.

Brunckhorst: Das war eine lustige Geschichte: Auf einmal klingelte mein Handy mit einer Hannoveraner Nummer. Am anderen Ende meldete sich eine Dame vom Ministerium und fragte, ob ich dann und dann Zeit für Herrn Althusmann hätte, der Bescheid der NBank habe nun den Wirtschaftsausschuss passiert. Ich hätte im Leben nicht daran geglaubt, dass der Minister persönlich für so etwas vorbeikommt. Also bin ich mit meinen Eltern hingefahren, wir haben einen Pavillon mit Lichterkette auf dem Grundstück aufgebaut und siehe da: Er kam vorbei. Wie gut, dass meine Mutter noch Kaffee gekocht und sogar noch einen Kuchen gebacken hatte. Als die Presseleute schon verschwunden waren, haben wir dann noch eine weitere Dreiviertelstunde am Stehtisch miteinander geplaudert. Ein sehr sympathischer Mensch.

Kommen wir noch einmal auf das Projekt als solches zu sprechen: „Abenteuerland“ – das hört sich nicht nur nach der Musikband Pur an, sondern nach mehr als nur einer reinen Trampolinhalle.

Brunckhorst: Den Namen haben wir auch bewusst so gewählt. „Jump“ – das Wort ist schon ziemlich abgegriffen und würde unserem kompletten Angebot auch nicht wirklich gerecht werden. Schließlich wollen wir noch so viel mehr vorhalten: unter anderem einen Kleinkindbereich mit Türmen und verschiedenen Ebenen, diverse Kletterwände, einen Hochseilgarten, in dem man 55 Meter durch die Halle düsen kann, einen „Ninja Warrior“-Parcours, eine Dodgeball-Arena oder einen Virtual-Reality-Jump. Das alles auf 1 700 Quadratmetern – den davor gelegenen Bereich mit Empfang, Gastronomie, Umkleiden, Duschen und WCs noch nicht mit eingerechnet.

Bei diesem Ausmaß bedarf es ausreichend Personal ...

Brunckhorst: Natürlich, und das werden neben mir noch vier weitere Vollzeitkräfte sein, die sich unter anderem um das Kaufmännische und die Social-Media-Nische kümmern werden. Ich selbst kann ja auch nicht jeden Tag zwölf Stunden da sein. Auf Sicht möchten wir auch zwei Ausbildungsplätze vorhalten. Und dann kalkulieren wir mit mindestens 15 Stellen auf 450-Euro-Basis. Den Gastrobereich vergeben wir übrigens an einen externen Betreiber – immerhin werde ich ganz andere Probleme haben, als immer nur Pommes und Bratwurst nachzubestellen (lacht).

Noch ist die Grundsteinlegung nicht erfolgt. Wann soll es mit dem Bau losgehen?

Brunckhorst: Im Januar werden wir aller Voraussicht nach die Baugenehmigung erhalten. Dann kommt es natürlich darauf an, wie es um die Bodenbeschaffenheit steht. Ist der torfige Boden nicht hart gefroren, können wir wenigstens schon mal die Erde bewegen. Allein aus statischen Gründen müssen wir viel Boden abtragen und neu hinzufügen. Anschließend ist die Sohle an der Reihe, auf der dann die Konstruktion mit Stahlträgern und -wänden errichtet wird. Da wir aber Anfang nächsten Jahres noch stark wetterabhängig sein werden, ist es heute noch schwer zu sagen, ob wir wie geplant Ende September eröffnen oder doch erst im Oktober. Man wird sehen.

Zur Person: Steffen Brunckhorst

Steffen Brunckhorst ist verheiratet und hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Mit seiner Familie lebt der 34-Jährige in Stemmen. Dort ist er auch im örtlichen Fußballverein aktiv. Ein weiteres Hobby ist das Angeln. Schon mit 16 hat Brunckhorst seine Ausbildung bei der Sparkasse Scheeßel aufgenommen – gegenwärtig leitet er dort den Privatkundenbereich mit rund 40 ihm unterstellten Mitarbeitern. Den Beruf wird er demnächst für das Projekt Trampolinpark an den Nagel hängen.

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