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Freudenthal-Museum in Fintel: Eine Idee scheitert

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Von: Wieland Bonath

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Ins Freudenthal-Haus zieht kein Museum ein.
Ins Freudenthal-Haus zieht kein Museum ein. © Bonath

Fintel bekommt kein Museum für den Heidedichter Friedrich Freudenthal. Das zur Idee gehörende Gebäude ist jetzt in Privatbesitz.

Fintel – Eigentlich sollte das prächtige Niedersachsenhaus in Fintel, über Jahrzehnte Wirkungsstätte des niederdeutschen Schriftstellers Friedrich Freudenthal (1849 bis 1929), zu einem Museum werden. Die Freunde der plattdeutschen Sprache wollten damit an den berühmtesten Sohn Fintels erinnern und dem Wirken des überregional bekannten Heimatdichters ein Denkmal setzen.

Aber es kam anders: Das strohgedeckte Fachwerkhaus an der Friedrich-Freudenthalstraße ist inzwischen in Privatbesitz übergegangen. Hans-Joachim Schmidt, Archivar des Finteler Heimatvereins, gehört maßgeblich zu denen, die sich um das Museum bemüht haben.

Friedrich Freudenthal
Friedrich Freudenthal © -

Dass es zwischen der in Soltau ansässigen Freudenthal-Gesellschaft und Fintel, dem Heimatort Freudenthals, nicht zu einer Einigung gekommen ist und ein Museum eingerichtet wurde, bedauert Schmidt. Der 84-Jährige entdeckte nach seiner Pensionierung sein Herz für die Heide. Vor 32 Jahren zog er mit seiner Frau in das rund 3 000 Einwohner zählende Fintel. Hier, am Rande der Lüneburger Heide, konnte er in heide- und moorgeprägter Landschaft Pläne und Projekte umsetzen. Und dazu gehörte besonders dieses für ihn wichtige Ziel: Dem Heidedichter Friedrich Freudenthal, am 9. Mai 1849 in bescheidenen Verhältnissen in Fallingbostel geboren und als Dreijähriger von den Großeltern Brockmann in Fintel erzogen, sollte ein angemessenes Denkmal gesetzt werden. Eine strenge, gleichsam glückliche und von Wissensdrang geprägte Jugend. Hier entstanden wichtige Grundlagen für Freudenthals Leben und Wirken.

Schmidt war Nachlassverwalter

Hans-Joachim Schmidt, der in Fintel zu den Mitbegründern des 165 Mitglieder zählenden Heimatvereins gehört und fast täglich im Heimathaus tätig ist und Ausstellungen arrangiert, wurde ab 2000 Vertrauter von Marianne Schröder. Sie entschied sich 2010, Friedrich Freudenthals Nachlass der Gemeinde Fintel zu übergeben. Aus 800 Einzelstücken besteht die Übergabevereinbarung, unterzeichnet von Schröder und dem inzwischen verstorbenen Bürgermeister Claus Riebesehl.

Schmidt blieb es als Nachlassverwalter vorbehalten, übersichtliche Ordnung in das Ganze zu bringen. Auf Blättern in einem Aktenordner hat Schmidt die Einzelstücke akribisch festgehalten – von der Briefwaage bis zu dem Buch, in dem auf Platt Geschichten der Heide und aus Fintel festgehalten werden. „Die Freude, dass der Nachlass von Friedrich Freudenthal erhalten geblieben ist, auch wenn er gesplittet wurde in Mobiliar zur Bachmannstiftung in Bremervörde und Literatur und Schriftstücke im Kreisarchiv in Rotenburg, ist groß“, sagt Schmidt. Somit bleibe für diesen großen Dichter eine kleine Anerkennung übrig.

Freudenthal wird als lernbegierige Leseratte beschrieben. Er suchte alle Bücher zusammen, deren er irgendwie habhaft werden konnte – von Eulenspiegel, dem gehörnten Siegfried bis hin zu den vier Haimonskindern. Aus dem Wunsch des jungen Mannes, Lehrer zu werden, wurde nichts. Dieses Privileg war seinem Bruder August vorbehalten. Friedrich Freudenthal wurde als Schreiber von 1864 bis 1866 zum „alten Helmke“ geschickt, der als Gerichtsschreiber in Lahmstedt tätig war.

Das unstete Leben von Friedrich Freudenthal

Unstetes Leben in verschiedenen Funktionen waren charakteristisch für Freudenthal: Soldat in Lüneburg mit Teilnahme an der Schlacht bei Langensalza, dann ein Jahr Postgehilfe in Welle, von Januar 1868 bis Dezember 1868 Postgehilfe in Scheeßel, danach in Stade Soldat, 1870 Krieg gegen Frankreich, wo er nach wenigen Monaten schwer verwundet wurde. Nach der Genesung in Altena (Nordrhein-Westfalen) war er dort knapp drei Jahre als Schreiber tätig. Da ihm diese Stellung nicht zusagte, machte Freudenthal eine Reise nach New York und arbeitete als Handlungsgehilfe. Bald danach zog es ihn, der Grund war Heimweh, über den Großen Teich zurück in die Heimat. 1879 entstand sein erstes Buch „Bi’n Füür“ – ein Erfolg.

1881 bis 1884 war Friedrich Freudenthal Verwalter der Finteler Postagentur, die auf seinen Antrag errichtet worden war. Anschließend war er in Soltau Bürgermeister. Nach nur drei Jahren wechselte er in Zeitungsredaktionen nach Lüneburg und Ottensen. Wieder nur kurzfristig, aber dazwischen lag ein neuer Lebensabschnitt: Freudenthal heiratete die Lehrertochter Magdalena Gathmann. Das Ehepaar bekam drei Kinder: Adele, Friedrich und und Elisabeth.

Hans-Joachim Schmidt
Hans-Joachim Schmidt © Bonath

1891 kehrte Freudenthal nach Fintel zurück, wo er sich neben der Bestellung des väterlichen Erbes ausschließlich schriftstellerisch betätigte. Freudenthal, der vier Jahre Gemeindevorsteher in Fintel war, gründete mit seinem Bruder August 1895 die Zeitschrift „Niedersachsen“, die bis 2001 bestand und deren plattdeutschen Teil Friedrich Freudenthal fast 30 Jahre leitete. 1905 war er Mitbegründer des Heimatvereins Scheeßel. Er wurde 1929 zum Fallingbosteler Ehrenbürger ernannte.

Freudenthal hat in den Jahrzehnten seines Schaffens in Fintel zahlreiche Bücher, Lyrik und Prosa, in der Mehrzahl in plattdeutscher Sprache, geschrieben. Als ungewöhnliches sprachliches Talent beschäftigte er sich mit fremden Zungenarten. Dazu gehörten sage und schreibe elf Sprachen: von Englisch, über Französisch, Spanisch, Italienisch, über Polnisch bis hin zu Russisch.

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