Krimis und Co. aus der Kirche

Finteler St.-Antonius-Gemeinde verlegt Bücherstube ins Gotteshaus

Pastorin Lotte Blattmann präsentiert die improvisierte Bücherstube in der Finteler Kirche.
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Wer die Wahl hat: Pastorin Lotte Blattmann präsentiert die improvisierte Bücherstube in der Finteler Kirche. Dort können sich Leseratten leihweise mit neuer Lektüre eindecken.

Fintel – Still und starr liegt es da, das Haus der Begegnung in Fintel, gleich neben der Kirche. Sogar der geschmückte Weihnachtsbaum auf dem Hof ist noch aufgestellt. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Wer ins Gemeindebüro möchte, muss klingeln. Ein normales Ein- und Ausgehen ist noch immer nicht möglich. Die Tür bleibt geschlossen. Nein, Begegnung, wie es der Name des 2012 eröffneten Zentrums der St.

-Antonius-Gemeinde, dem größten seiner Art im Rotenburger Kirchenkreis, suggeriert, findet hier schon lange nicht mehr statt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Ob der offene Mittagstisch, die Bücherstube oder Ausstellungen – darauf müssen die Gemeindeglieder verzichten, und nicht nur die. Immerhin: Die Kirche bleibt auch im Winter durchgehend geöffnet. Nicht für gemeinschaftliche Gottesdienste, die müssen vorerst noch zu Hause gefeiert werden. „Aber wer will, kann sich entgegen der sonstigen Gewohnheit auch jetzt hier aufhalten“, sagt Fintels Pastorin Lotte Blattmann. Jeden Tag. Von 9 bis 18 Uhr.

Ihre evangelische Kirchengemeinde ist eine lebendige Kirchengemeinde. Ohne sie würde der Ort sicher weit weniger lebenswert sein. Es würden die Angebote, die Aktivitäten fehlen. Auffallend viele junge Menschen engagieren sich in der Gemeinde. Das freut Blattmann, selbst erst 39, natürlich ungemein. „Ganz viele Gruppen treffen sich jetzt zum Spielen oder Kochen schon regelmäßig per Zoom“, sagt sie. Zum Beispiel der kirchliche Teen-Kreis oder jener für junge Erwachsene.

Auch der Konfirmandenunterricht geht momentan nur digital über die Bühne. Ende des Monats soll es sogar auf eine virtuelle Konfi-Freitzeit gehen – gemeinsam mit zehn bis 15 anderen Gemeinden aus ganz Norddeutschland. Wie das aussieht? „Normalerweise wären wir zu einem christlichen Jugendfestival gefahren, mit Bands und sportlichen Aktivitäten“, klärt die Pastorin auf. „Das streamen wir jetzt via Videokonferenz von Fintel aus, worauf ich schon sehr gespannt bin.“

Not macht eben erfinderisch. Und das gilt auch für die Bücherstube. Vor ein paar Tagen ist die nämlich ins Gotteshaus gewandert. Aus einem Regal gleich rechts hinter der Eingangstür können die Besucher sich leihweise aus einem kleinen Lektüre-Bestand bedienen. Die Genres reichen von Herzschmerz über Krimis bis hin zu Sachgeschichten. „Wer das Buch ausgelesen hat, legt es einfach in einen dafür bereitgestellten Korb wieder zurück“, erläutert Blattmann, die sich als bekennender Fan von Dinosaurier-Sachliteratur outet, das simple Prozedere.

Nur die Hände desinfizieren, das müssten die Interessenten sich schon, bevor sie zum Schmöker ihrer Wahl greifen. Dafür sei ein Spender aber in der Nähe. „Die eigentliche Idee der Stube als Begegnungsplattform ersetzt dieses Angebot natürlich nicht“, räumt sie ein. So könne man sich aber wenigstens weiterhin ganz unkompliziert Lesestoff ausleihen. „Es ist eine zusätzliche nette Möglichkeit, die Freizeitgestaltung, die ja im Moment wegen Corona leidet, ein bisschen aufzuwiegen.“

Was sie in Gesprächen mit ihren „Schäfchen“ festgestellt habe: Nicht wenigen setze der Lockdown mittlerweile deutlich zu – älteren wie jüngeren. „Die Gemeinschaft fehlt, das höre ich immer wieder.“ Und das fange beim Thema Gottesdienste, die in Fintel im Gegensatz zu manch anderen Gemeinden seit geraumer Zeit gar nicht mehr in Präsenz stattfinden, schon an.

Am Dienstag, kündigt Blattmann an, wolle man im Kirchenvorstand besprechen, ob die wieder unter den ganzen Hygieneauflagen und Abstandseinhaltungen abgehalten werden sollen. Wenn, dann aber wieder ohne Gesang. Genau der, sagt Blattmann, fehle so vielen Menschen, sie selbst mit eingeschlossen. Und auch der Mund- und Nasenschutz müsste dann wohl aufgesetzt bleiben. „Die Maskenpflicht im Gottesdienst hatten wir hier schon eingeführt, als es die noch gar nicht offiziell gab.“

Alternativen zur Präsenz sind durchaus vorhanden – auf der gerade erst rundum überarbeiteten Homepage der Kirchengemeinde. Dort gibt es neben schriftlichen, herunterladbaren Gottesdiensten für daheim neuerdings auch einen Predigt-Podcast, eingesprochen von der Pastorin höchstpersönlich. „Für den einen oder anderen mag es vielleicht ja auch ganz schön sein, meine Stimme zu hören, und nicht jedem liegt das Lesen“, meint Blattmann, die sich für das Projekt eigens ein professionelles Mikro gekauft habe. Das nötige Know-how, wie man Tonspuren bearbeitet, bringe sie jedenfalls mit: „Ich habe früher mal beim Offenen Kanal Fernsehen gemacht, deshalb kenne ich mich da ein bisschen aus.“

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