Samtgemeinderat verabschiedet Gleichstellungsplan

Fintel: Frauen arbeiten meist in Teilzeit

Zwei Piktogramme: eine Frau und ein Mann
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Die Samtgemeinde Fintel möchte die Gleichstellung von Männern vorantreiben, sowohl bei ihren Bediensteten als auch in der Kommunalpolitik.

Für die Samtgemeinde Fintel arbeiten mit großer Mehrheit Frauen. Die gut bezahlten Jobs haben aber in der Regel die Männer.

Lauenbrück – Die Samtgemeinde Fintel hat sich die Gleichstellung von Frauen und Männern im Beruf und in der Politik auf die Fahnen geschrieben. Dazu hat der Rat erstmals einen Gleichstellungsplan für die Jahre 2022 bis 2024 verabschiedet – ein Dokument, das auch einen Überblick über den Stand der Dinge in dieser Sache gibt. Genauso wie Empfehlungen, wie die Samtgemeinde die Gleichheit am Arbeitsplatz noch weiter fördern könnte.

Es wurde von der Gleichstellungsbeauftragten Catrin Voigts und der Allgemeinen Vertreterin des Bürgermeisters, Henrike Hoppe, erstellt. Man wolle auf dieser Grundlage bei der Einstellung diejenigen ansprechen, die in den jeweiligen Bereichen unterrepräsentiert sind, so Bürgermeister Sven Maier. Auch erhofft man sich, als möglicher Arbeitgeber positiv wahrgenommen zu werden.

Wie sieht die Geschlechterverteilung in der Samtgemeinde Fintel allgemein aus?

Zunächst muss man festhalten, dass sich der Plan nur auf die Samtgemeinde Fintel selbst, also Rat, Verwaltung, Schulen, Kitas, Kläranlage und Co. bezieht. Zum Stichtag 30. Juni 2020 sind 127 Personen bei der Samtgemeinde angestellt. In der deutlichen Mehrheit sind dabei die 106 Frauen, die überwiegend in den Bereichen Kindererziehung und Raumpflege arbeiten. Die Mehrheit von ihnen, nämlich 86, arbeitet in Teilzeit. Von den 21 Männern arbeiten lediglich sechs in Teilzeit.

Haben in Fintel also die Frauen das Sagen?

Ganz und gar nicht. Und das nicht nur, weil etwa der Posten des Hauptverwaltungsbeamten – der Samtgemeindebürgermeister – historisch bislang nur von Männern besetzt wurde. Die Unterschiedlichkeit zwischen Männern und Frauen liegt laut Catrin Voigts vor allem in der Bezahlung. Männer haben in der Regel die hoch dotierten und damit verantwortungsvolleren Stellen. Auch in der Politik sind Frauen unterrepräsentiert. Der Gleichstellungsplan bezieht sich auf die im Oktober ausgelaufene Wahlperiode: Von 20 besetzten Mandaten hatten lediglich drei Frauen eines. In dieser Wahlperiode sind es bei 21 Sitzen vier – also kaum besser.

Warum engagieren sich nicht mehr Frauen in der Politik?

Man kennt es aus anderen Bereichen; hier spielt die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ratsarbeit eine Rolle. Sinnbildlich stand dafür auch die Diskussion über eine Anfrage von Ines Kleuter am Ende der Sitzung. Sie möchte, dass die zukünftigen Versammlungen später beginnen, um besser alles unter einen Hut zu bekommen. Ein Ansinnen, das von vielen ihrer Ratskollegen befürwortet wurde. Außerdem ist ein Grund für den niedrigen Frauenanteil im Rat, dass insbesondere Frauen die Care-Arbeit in der Familie leisten. Das kann man auch an den Anteil der Teilzeitstellen von Frauen erkennen. Der Gleichstellungsplan schlägt hier tiefer gehende Maßnahmen vor – etwa die Erstattung einer entgeltlichen Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen während der Ratsarbeit. Es sind Workshops geplant, um mehr Frauen in die Politik zu bringen.

Wie bekommt man mehr Gleichstellung ins Rathaus?

Henrike Hoppe spricht im Vorwort die faire Verteilung der Funktionen, des Einkommens und der Familienpflichten an. Der Gleichstellungsplan schlägt auch hier Maßnahmen vor: Ungeachtet der Hierarchie-Ebene sollen – sofern nicht zwingend notwendig – alle Stellen auch in Teilzeit besetzt werden können. Darauf könne man in der Stellenanzeige hinweisen, ebenso wie eine eventuelle Hilfe bei der Suche nach Wohnungen und der Kinderbetreuung. Für die Vereinbarkeit für Familie und Beruf stehen Müttern wie Vätern Maßnahmen wie mobiles Arbeiten, eine Bevorzugung bei Urlaub in der Ferienzeit und die Ermutigung von Vätern, die Elternzeit auszureizen, zur Verfügung. Die Samtgemeinde lässt sich regelmäßig mit dem „Audit berufundamilie“ zertifizieren für eine „strategisch angelegte familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik“.

Wie fällt das Fazit aus?

Der Gleichstellungsplan stellt fest, dass die Samtgemeinde Fintel über eine große Bandbreite von gleichstellungsspezifischen Maßnahmen verfügt. Sie müssten nur noch in den Alltag überführt werden, heißt es. Es werde deutlich, dass nach wie vor Handlungsbedarf bestünde. „Wir sollten den Plan annehmen als Grundlage für Gleichstellung im Haus“, so Ulrich Brunkhorst (CDU). Dem schließt sich auch Cathrin Intelmann (SPD) an. Hans-Jürgen Schnellrieder (Grüne) stellt fest, dass in der Politik in dieser Frage noch ein „dickes Brett“ zu bohren sei.

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