Jan Narten verarbeitet heimische Hölzer / Balken und Mooreichen werden zu mobiliaren Kunstwerken

Vom Feuerholz zum Designermöbel

Allen Grund zum Lachen haben Jan Narten (r.) und seine Gesellen: Seine Designermöbel, allesamt Einzelstücke, kommen an. J Fotos: Heyne

Stemmen - Von Ulla Heyne. Am Anfang war das Feuer – allerdings nur fast. „In den Ofen geschoben werden“ sollten eigentlich viele der Hölzer, die Tischlermeister Jan Narten rettet und verarbeitet. Unter seinen Händen entsteht aus dem heimischen Holz, „das einfach zu schade zum Verbrennen ist“, maßgefertigtes Designermobiliar, das sich sehen lassen kann.

Möbel hat der Stemmer schon immer gebaut, seit er sich vor zwölf Jahren selbstständig machte. Schon damals löcherte ihn sein bester Kumpel immer wieder beim Bier: „Irgendwann will ich eine Vollholz-Erlenküche von dir!“ Der Förster muss gute Argumente oder einen langen Atem gehabt haben – und das richtige Material. Inzwischen ist die Küche gebaut: ein Küchenblock, Tisch, Eckbank, Einbauschränke – alles aus einem Guss. „Eine ganz andere Wohnatmosphäre als mit angelieferten verleimten Spanplatten“, hat Narten festgestellt, „die Möbel springen einem förmlich auf den Schoß“.

Er schwärmt von der Emotionalität des Massivholzes, nicht nur beim Kunden, sondern auch beim Verarbeiten: „Für solche Momente bin ich Tischler geworden.“ Diese Zufriedenheit scheint auch bei seinen Mitarbeitern zu herrschen – aus dem Einmannbetrieb sind inzwischen zwei Meister, eine Gestalterin, vier Gesellen, zwei Lehrlinge und eine Bürokraft geworden. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Geselle Niklas Darboven mit seinem Vollholz Doppelbett und passendem Nachttisch, den er sich aus heimischer Eiche gefertigt hat, Innungsbester wurde.

Sieht man sich auf den 1 000 Quadratmetern in Stemmen um – neben der Werkstatt auch ein Showraum für Betten, in denen man die Leidenschaft für Massivholz förmlich riecht –, so wird man überall verleitet, die Hand über das Holz gleiten zu lassen: Über die Stelen aus geschwärzter Mooreiche, die Narten von einem Bauern aus dem Stemmer Moor geschenkt bekommen hat oder über den Tisch mit den hellen und dunklen Streifen im Büro – ein echter Hingucker. Das Holz dafür stammt vom Hof der Familie, höchstwahrscheinlich wurde die Hofeiche noch vom Uropa gepflanzt – „alle die das genau wissen könnten, sind längst tot.“ Zu schade für die Palette oder um in den Hacker geschoben zu werden, nur weil es hier keinen Markt dafür gibt“, befand Narten. Mit dem Onkel kam er überein: „Den sägen wir auf“. Und weil er vor Ort keinen Betrieb fand, die ein solches Material, möglicherweise noch mit Nägeln, verarbeitete, schaffte er sich selbst ein Sägewerk und Trockenkammer an. Inzwischen bezieht er seine Hölzer – neben dem „Trendmaterial“ Eiche unter anderem auch Buche, Erle, Fichte und Kirsche. Und auch mit Kastanie experimentiert er neuerdings in der eigenen Trockenkammer, die den mehrjährigen Lagerungsprozess abkürzen hilft.

Das Holz bezieht er von örtlichen Förstern, Bauern oder über Kleinanzeigen im Internet. Viele Kunden hätten auch eigenes Material und freuten sich, dass es einen Betrieb gebe, der die vielen Schritte vom Trocknen über das Sägen ganzer Stämme bis zur Planung der Einbaumöbel – dafür hat Narten inzwischen eine Innendesignerin eingestellt – aus einer Hand anbiete. Wenn der zweifache Familienvater von Wertbeständigkeit spricht, von Naturprodukten (seine nennt er scherzhaft „Biogoldplus“) und davon, wie sie das eigene Bewusstsein und Wohlbefinden verändern, klingt das ein bisschen nach Weltverbesserer – und nach „Schöner Wohnen“.

Von der heimischen Mentalität „Sei froh, wenn du Arbeit hast“ hat sich der 33-Jährige längst befreit: „Seine Zukunft selbst gestalten“ ist seine Devise – damit scheint der Betrieb einen Nerv zu treffen. Nicht erst seit den Scheeßeler Handwerkertagen, aber seitdem verstärkt, nehmen die Kunden die Raumkonzepte von Nartens Team gern an, vom Waschtisch über die Treppe bis zum Nierentisch: „Wir gucken: Wie wohnen die Menschen, machen Vorschläge, zeigen, was geht, sind immer zwei bis drei Schritte voraus.“ Und der Stemmer Erfindungsgeist hat gerade erst angefangen. Als Ehefrau Anna-Lena sich aus einer Bohle, fast ein Abfallprodukt, zwei Sterne aussägen ließ, klingelten am selben Vormittag gleich zwei Kunden, um die vor der Tür auf Abholung wartenden Dekosäulen von der Stelle wegzukaufen. Mittlerweile gibt es sie mit ausgesägtem „Moin“, „Willkommen“ oder „Merry Xmas“, eine Mitarbeiterin kümmert sich ausschließlich um die Herstellung der individualisierbaren hölzernen Accessoires.

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