Experten informieren im Finteler Heimathaus über den Heidewolf / Knapp hundert Interessierte

Isegrim auf dem Vormarsch

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Gaben dem Publikum nützliche Informationen an die Hand (v.l.): Matthias Korell, Erika Vauk und Jürgen Cassier.

Fintel - Von Hannelore Rutzen. Die Wölfe sind zurück in Niedersachsen – und das Interesse an Informationen zu einer möglichen dauerhafte Rückkehr des Raubtieres riesengroß. So war die mit „Heidewölfe“ überschriebene Veranstaltung, zu der die Gemeinde Fintel ins Heimathaus eingeladen hatte, quasi „ausverkauft“. An die hundert Bürger wollten sich von Experten informieren und mit ihnen diskutieren.

Zur Einführung zeigte Erika Vauk von der im Heimatverein organisierten Kinder-Akademie einen Dokumentarfilm über die wechselvolle Kulturgeschichte, die frühere Haltung und Ausbreitung der Wölfe in der Heide. „Wir müssen den Wolf ernst nehmen“, meinte die Biologin. Das Zusammenleben mit ihm stelle eine Herausforderung dar. Im Jahr 2000, informierte Vauk, seien Wölfe der polnischen Population nach Sachsen-Anhalt gewandert, von da aus zogen einige nach Niedersachen. Sie appellierte: „Bevor man etwas unternimmt, sollte man sich sachlich und fachlich orientieren und keine Panik verbreiten.“

Über ein Projekt mit Wölfen in Rumänien und darüber, wie man in diesem Land mit ihnen umgeht berichtete Matthias Korell aus Fintel. „Das Land ist zwar weitläufiger und weist andere Verhältnisse auf, aber man lernte dort, mit den Wölfen zu leben und sich zu schützen“, erklärte er. Zu Todesfällen sei es dort seit Jahrzehnten nicht gekommen.

Jürgen Cassier, Leiter der Naturschutzbehörde und einer der Wolfsbeauftragten des Landkreises, führte aus, dass sich die Tiere auf dem weitläufigen Gelände eines Truppenübungsplatzes, wie in Munster, gut halten, sich an den Lärm gewöhnten und reichlich Nahrung fanden, vielleicht noch angelockt von Essensresten, die Soldaten hinterließen. „Das lernen Tiere schnell und überwinden ihre Scheu. Und das kann gefährlich werden, wenn der Mensch den Wolf so an sich gewöhnt“, so Cassier.

Er und Erika Vauk sind sich einig: „Wir müssen lernen, mit der Situation umzugehen, sie nicht zu ignorieren, sondern genau zu beobachten.“ Das Wolfsmonitoring sei kein Experiment, sondern eine verantwortungsvolle, gesetzlich geforderte Aufgabe, um das Wolfsgeschehen zu dokumentieren. Cassier: „Wer eine Jagd auf die Wölfe fordert, löst damit keine Probleme. Jäger wissen wie schwer bis unmöglich es mit einer ordnungsgemäßen Jagd ist, Tierarten wie Wildschweine, Waschbären und Marderhunde flächendeckend im Griff zu haben.“

Wölfe bejagen, damit sie scheu bleiben – das sei derzeit nicht erforderlich. „Wenn es eine tragfähige Population gibt, dann ist der Zeitpunkt gekommen, darüber in der EU nachzudenken“, meinte der Wolfsbeauftragte, der die Besucher dazu aufrief, jede Wolfssichtung zu melden.

Auch wenn aus dem Publikum unterschiedliche Meinungen laut wurden, beharrten Vauk und Cassier darauf, keine Panik und Stimmungsmache zu betreiben.

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