Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger will 2021 nicht wieder kandidieren

„Es war und ist ein toller Job“

Seine erste ist auch seine letzte Amtszeit: Nach fünf Jahren will Fintels Samtgemeindebürgermeisters Tobias Krüger im Herbst 2021 den Chefsessel im Rathaus freigeben.
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Seine erste ist auch seine letzte Amtszeit: Nach fünf Jahren will Fintels Samtgemeindebürgermeisters Tobias Krüger im Herbst 2021 den Chefsessel im Rathaus freigeben.
  • Lars Warnecke
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Lauenbrück – Paukenschlag in der Samtgemeinde Fintel: Tobias Krüger, der amtierende Bürgermeister, wird bei der Wahl 2021 nicht mehr für eine zweite Amtszeit kandidieren. Am Dienstag informierte der Rathauschef die Ratsmitglieder und Verwaltungsmitarbeiter über seinen Entschluss. Ein Gespräch über die Gründe dieser Entscheidung, über erfolgreich bewältigte Vorhaben und über offene Aufgaben.

Herr Krüger, Fintel ist doch eine schöne Samtgemeinde. Gefällt es Ihnen hier nicht mehr?

Die Samtgemeinde Fintel und ihre Mitgliedsgemeinden sind gut aufgestellt. Mir gefällt es hier sehr gut.

Warum verzichten Sie dann auf eine zweite Kandidatur? Sie erwecken jedenfalls nicht den Eindruck, als wären Sie schon amtsmüde.

Das stimmt, gemeinsam mit den politischen Gremien gilt es, noch zahlreiche Projekte weiter voranzubringen. Hierfür werde ich mich intensiv bis zum Ende meiner Amtsperiode einsetzen. Danach werde ich einer neuen beruflichen Herausforderung nachgehen. Etwas Konkretes habe ich aber noch nicht im Blick.

Wann haben Sie sich dazu entschlossen, nicht wieder anzutreten?

Die endgültige Entscheidung hierzu habe ich in diesem Monat getroffen.

Als Sie damals für das Amt kandidiert haben, war das eine große Überraschung. Im Rückblick: War das aus Ihrer Sicht eine richtige Entscheidung?

Absolut, ich würde heute wieder so entscheiden. Es war und ist ein toller Job.

Vor welchen Herausforderungen standen Sie, als Sie 2016 Ihr Amt angetreten haben?

Die Herausforderungen zur Einarbeitung waren überschaubar, zumal ich bereits sieben Jahre als Bauamtsleiter in der Samtgemeindeverwaltung tätig und somit in viele Themen eingebunden war. Inhaltlich kann ich mich noch gut an die kontroversen Diskussionen zur Erstellung des Feuerwehrbedarfsplanes und damit einhergehend an die Beratungen zum Standort des neuen Feuerwehrhauses in Lauenbrück erinnern.

Welche Aufgaben als Samtgemeindebürgermeister waren für Sie immer besonders reizvoll?

Die Weiterentwicklung der Infrastruktur, also unter anderem der Schulen, Kindertagesstätten, aber auch die gemeinsame Arbeit mit den Mitgliedsgemeinden an der Wohnbauflächenentwicklung sind Themen, denen ich mich gerne widme.

Gibt es auch Aspekte, die ihnen nicht so gut gefallen haben?

Die Durchführung städtebaulicher Entwicklungsmaßnahmen, wie die Ausweisung von Gewerbe- und Wohnbauflächen, setzt stets eine erfolgreiche Flächensicherung voraus. Leider wird es zunehmend schwieriger, Grundstücke zu realistischen Preisen ankaufen zu können. Oft besteht auch aus den unterschiedlichsten Gründen grundsätzlich keine Verkaufsbereitschaft. Es ist schade, dass wichtige und sinnvolle Projekte für das Wohl der Allgemeinheit deshalb zunächst auf Eis gelegt werden müssen oder ganz auf der Strecke bleiben.

Auf welches Projekt oder welche Entscheidung sind Sie besonders stolz?

Hierzu fallen mir gleich zwei Entscheidungen ein. Neben der Einführung des HVV-Tarifes für den Bahnhof Lauenbrück denke ich an den beschlossenen An- und Umbau der Grundschule in Lauenbrück – zwei Meilensteine für die Entwicklung der Samtgemeinde.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit dem Samtgemeinderat in den vergangenen Jahren?

Die Zusammenarbeit war sehr vertrauensvoll. Wir haben parteiübergreifend viel erreicht. Mir ist bewusst, dass dies nicht selbstverständlich ist.

Haben Sie keine Sorge nach dem Verzicht jetzt den Rest der Wahlzeit als „Lahme Ente“ zu Ende bringen zu müssen?

Das wird nicht passieren (lacht). Dafür gibt es noch zu viele offene Projekte, die ich abschließen möchte. Nach meiner Erfahrung steigert ein fester Zeitrahmen eher die Aussichten auf einen erfolgreichen rechtzeitigen Abschluss.

Was möchten Sie denn bis zum Ausscheiden aus dem Amt noch zu Ende bringen beziehungsweise noch anschieben?

Neben der Erweiterung der Grundschule Lauenbrück, gilt es den Neubau des Feuerwehrhauses in Helvesiek, die Erweiterung der Klärschlammvererdungsanlage und einige weitere Projekte voranzubringen. Gleichzeitig werden wir die Zeit bis zur nächsten Kommunalwahl nutzen, um die Struktur der Samtgemeinde, also die Zusammenarbeit zwischen Samtgemeinde und ihren Mitgliedsgemeinden weiter zu verbessern. Bei diesem Prozess sollen auch gerade grundsätzliche Facetten beleuchtet und sachlich abgewogen werden.

Wer wäre als Ihr Nachfolger beziehungsweise Ihre Nachfolgerin die perfekte Wahl?

Meine Empfehlung bei der Bekanntgabe meines Entschlusses an die Parteien war, sich wieder auf einen gemeinsamen und unabhängigen Kandidaten zu einigen.

Reaktionen

Nach dem Verzicht von Fintels Samtgemeindebürgermeister Tobias Krüger (43) auf eine erneute Kandidatur bei den Kommunalwahlen im Herbst 2021 sind alle örtlichen Politiker vor allem eins: überrascht. Im Folgenden äußern sich die Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen über die Entscheidung. Jürgen Rademacher (CDU): Die Ankündigung von Tobias Krüger, sich nicht wieder zur Wahl zum Samtgemeindebürgermeister aufstellen zu lassen, hat alle Mitarbeiter und Politiker sehr überrascht. Bei seiner Übernahme für das Amt gingen alle von einem längeren Engagement aus. Krüger hat einige Themen und Projekte in der Samtgemeinde angeschoben und bewegt. Sein Vorteil war, dass er aus dem Bauamt kam und so viel Hintergrundwissen hat. Die Mitarbeiter und Politiker werden seinen loyalen Arbeitseinsatz vermissen. Für die Wahl eines neuen Samtgemeindebürgermeisters ist der Wunsch der Fraktionsvorsitzenden, einen gemeinsamen Kandidaten zu finden, der von allen Parteien getragen wird. Cathrin Intelmann (SPD): „Als wir zu einem Treffen mit den drei Fraktionsvorsitzenden ins Rathaus geladen waren und uns unser Samtgemeindebürgermeister ankündigte, dass er nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren würde, kam das für mich mehr als überraschend. Damit hatte ich nicht gerechnet. Als SPD-Fraktionsvorsitzende bedauere ich seine Entscheidung sehr. Tobias Krüger hat immer ein offenes Ohr für die Politik. Durch seine ruhige, umsichtige Art besteht eine sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Als Nächstes werden wir in unserer Fraktion über die weitere Vorgehensweise beraten.“ Hans-Jürgen Schnellrieder (Grüne): „Wir Grünen der Samtgemeinde bedauern, dass Tobias Krüger nicht mehr antritt, haben aber auch Verständnis für seine Entscheidung. Aus heutiger Sicht hat er als Bürgermeister Tolles geleistet. Stets politisch neutral, steht bei ihm die Sache im Vordergrund. Seine positive Personalentwicklung hat während der Corona-Krise Früchte getragen. Nicht umsonst erhielt unsere Samtgemeinde die Auszeichnung als besonders familienfreundlicher Arbeitgeber von „berufundfamilie“. Wir hoffen, dass wir die Entwicklung der Samtgemeinde in diesem Sinne fortsetzen können. Was die Suche nach einem ebenbürtigen Kandidaten angeht, so wird sich dies sicher die nächsten Wochen klären, wenn sich passende Bewerber vorstellen.“

Von Lars Warnecke

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