Fatima Noukou betreut Flüchtlingskinder

Engagierte Mittlerin zwischen den Welten

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Fatima Noukou wird neben dem „Bufdi“-Job zur „Trainerin für Interkulturelle Kompetenz“ ausgebildet.

Fintel - Dunkle Haut, die Haare zu langen Rasta-Zöpfen geflochten: Fatima Noukou entspricht so ganz dem Klischee einer Kulturmittlerin.

Doch wenn die 19-Jährige den Mund aufmacht, lässt sich ihr vom norddeutschen Flachland geprägter Idiolekt nicht verkennen: Die junge Frau, die derzeit als „Bufdi“ bei der Samtgemeinde eingesetzt wird und in der Fintauschule schwerpunktmäßig eine DAZ-Fördergruppe (Deutsch als Zweitsprache) betreut, ist hier aufgewachsen und verwurzelt.

Für Bundesfreiwilligendienst-Betreuerin Kim Holsten von der Samtgemeinde ist sie ein Glücksfall: Die junge Frau hatte sich, nachdem sie bei einer Freundin in Sottrum in die Sprachvermittlung für Zuzügler hineingeschnuppert hatte, bei ihrer Bewerbung im vergangenen Sommer ausdrücklich für die „Arbeit mit Fluchtbezug“ interessiert.

Einstieg in Kultur und Sprache erleichtern

Seitdem ist viel passiert. Vielen Schülern aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak hat Fatima den Einstieg in die hiesige Sprache und Kultur erleichtert. „Sie sind viel motivierter wissbegieriger, offener – sie wollen einfach mehr“, hat sie festgestellt. „Wenn ein Flüchtlingskind dabei ist, machen die Stunden mehr Spaß.“

Nur stundenweise werden die Kinder mit Migrationshintergrund zum Förderunterricht zusammengerufen, sonst laufen sie in den bestehenden Klassen ihrer Altersgenossen mit, um schneller integriert zu werden. „Beide Modelle haben ihre Vorteile – so vereinbart man das Beste aus zwei Welten“, hat Holsten festgestellt.

Zeitweise werden die Schüler ohne die sympathische junge Frau auskommen müssen – denn dann ist sie auf dem Sprung nach Hannover. Zwei Tage lang wird sie dort vom Landesjugendring zum „Trainer für Interkulturelle Kompetenz“ ausgebildet. Die sechs Module zwischen Januar und Juni durchlaufen lauter alte Hasen mit Erfahrung in der Flüchtlingshilfe – wie Fatima. Doch mit 19 senkt sie den Altersschnitt erheblich.

Auf dem Programm: Eine Sensibilisierung für das Thema, rassismuskritische Jugendarbeit, auch ein Moscheebesuch gehört dazu. Und ganz Praktisches wie das Asylrecht. „Das ist super-hilfreich, gerade wenn Eltern mit offiziellen Schreiben von Behörden kommen, die sie nicht verstehen“, meint Fatima. Auf sich allein gestellt ist sie auch in schwierigen Fällen nicht: Wenn sie einmal nicht weiter weiß, sei es beim Behördenschreiben oder wenn Eltern wissen wollen, wie sie Gelder beantragen, wendet sie sich an die Ehrenamtskoordinatorin Sabine Nebrich, die den Schul-Bufdi auch schon einige Male „ausgeliehen“ hat.

Eigenes Training planen

Eine große Aufgabe steht ihr noch bevor, bevor sie das Zertifikat in der Hand hält: Als zukünftige Expertin muss sie ein eigenes Training planen, in dem sie ihre Kompetenz zu zwei Schwerpunkten weitergibt. Sie hat „Traumata und Asylverfahren“ gewählt. Ende Mai wird sie selbst in die Rolle der Leiterin schlüpfen und die anderen „Bufdis“ der Samtgemeinde schulen. Für „Jugendliche ohne Grenzen“ sind weitere Trainingszeiten in Jugendzentren angedacht.

Dass Fatima nach ihrem sozialen Jahr an der Schule eine Ausbildung in der Gastronomie machen möchte, findet Holsten fast ein bisschen schade – auch wenn sie sich natürlich freut, dass ihr Schützling bereits eine Lehrstelle in der Tasche hat. Sich beim Thema Flüchtlingsarbeit weiter zu engagieren, kann sich die „große Schwester“ der Flüchtlingskinder der Fintauschule jedoch gut vorstellen.

hey

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