Dead-or-Alive-Slam im Landpark

Hauke Prigge: „Eine ganz andere Dimension“

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Tauscht beim sechsten „Poetry im Park“ wieder die Slammer-Rolle gegen die des Moderators ein: der gebürtige Helvesieker Hauke Prigge. 

Lauenbrück - Von Lars Warnecke. Eine besondere Spielart des Dichterwettstreits gibt es Ende Juni bei „Poetry im Park“ im Landpark Lauenbrück zu erleben: Im Dead-or-Alive-Slam werfen lebende Literaten ihre selbst verfassten Texte gegen jene von Geistesgrößen wie Erich Kästner und Bertolt Brecht in den Ring. Schauspieler hauchen den Verstorbenen neues Leben ein, sprechen deren Schriften.

„Das verspricht auf jeden Fall spannend zu werden“, sagt Hauke Prigge. Im Interview erzählt der Moderator und Mitveranstalter von „Poetry im Park“, was das Format ausmacht und was ihn selbst zum Lachen bringt.

Herr Prigge, worin besteht der Reiz eines solchen Slams?

Hauke Prigge: Erst mal ist es etwas Neues. Wir sind fünf Jahre lang unglaublich gut mit dem normalen Slam-Konzept gefahren. Auch dieses Jahr wird es wieder Texte von den besten und unterhaltsamsten Slammern des Landes geben. Aber dazu kommen eben noch die Texte der „toten“ Dichter. Es wird von der Publikums-Jury wieder ein Einzelsieger des Abends gekürt, aber das Wichtigste ist eigentlich die Team-Wertung: Alt gegen Neu – das ist noch mal eine ganz andere Dimension. Ich bin schon sehr gespannt, wer das Rennen machen wird. Dazu ist diese wundervolle Natur-Bühne im Landpark einfach prädestiniert für – ich sage jetzt mal – „epische Poesie-Schlachten“.

Lassen sich die Zuschauer nicht tendenziell mehr für moderne Texte begeistern als für die dargestellten verstorbenen Schriftsteller und ihre Stücke?

Prigge: Könnte man denken, ja. Schließlich boomen Poetry Slams und kaum jemand – zumindest in meiner Generation – liest heutzutage noch abends vor dem Einschlafen den Faust. Aber bei Dead-or-Alive-Slams ist das lustigerweise anders. Ich würde sagen, die Siegerquote ist ausgeglichen. Mal Dead, mal Alive. Hier werden halt auch die alten Texte wirklich erlebbar gemacht. Außerdem sind die ja auch nicht nur unmodern. Neben Droste-Hülshoff und Bertolt Brecht haben wir auch Erich Kästner und Falco im Angebot.

Dürfen die Schauspieler die Texte der toten Dichter auch anpassen?

Prigge: Vom Wortlaut eigentlich nicht. Wenn da mal ein Wort anders ist, werde ich jetzt niemanden von der Bühne holen. Ausdrücklich gewünscht ist aber natürlich, die Performance anzupassen und seine ganz eigene Note reinzubringen. Wir haben tolle und erfahrene Schauspieler, die werden das gewiss großartig machen.

Wer hat sich das eigentlich ausgedacht?

Prigge: Also wir sicher nicht. Das Format gibt es schon sage und schreibe seit 2003, als es der sehr umtriebige bayrische Slam-Moderator und Veranstalter Ko Bylanzky in die Münchener Kammerspiele gebracht hat. Der Landpark mit seinem Team um die Familie von Schiller und ich hatten die Pläne dazu auch schon ein, zwei Jahre in der Tasche. Jetzt war es einfach so weit.

Der Poetry Slam als abendfüllende Veranstaltung erlebt schon seit Längerem einen Hype. Wie erklären sie sich das?

Prigge: Ja tatsächlich. In Hamburg wird regelmäßig das Schauspielhaus gefüllt, in Hannover die Staatsoper. Es ist einfach die Modernität, mit der Poesie und Sprache, aber auch Comedy zugänglich gemacht wird. Die Güte der vielen tollen Slammer, die wir in Deutschland haben. Außerdem schläft die Szene nicht ein. Es gibt immer wieder neue Ideen. Neben Dead-or-Alive zum Beispiel in diesem Jahr – 500 Jahre nach der Reformation – viele „Preacher-Slams“, bei denen Poeten gegen Pastoren antreten. Es gibt Poetry Slams im Maisfeld bei Erfurt, in stillgelegten Zechen im Ruhrgebiet oder auf der Zugspitze. Kurzum: Überall.

Wenn Sie einen Poetry-Slam-Text hören – können Sie beim Hören schon einschätzen, wie das Publikum ihn bewerten wird oder werden Sie öfter überrascht?

Prigge: Es gibt Slammerinnen und Slammer, bei denen weiß man schon vor dem Text, dass sie gut angekommen werden. Und ja, meistens merkt man es auch direkt im Text, wie es wirkt. Wenn es bei einem lustigen Text viele Lacher oder Zwischenapplause gibt oder wenn bei einem ernsten Text die Stimmung zum Bersten gespannt ist – das sind gute Indikatoren. Poetry Slam lebt eben auch von der Direktheit und Unmittelbarkeit der Reaktion.

Hat Sie ein Slammer-Text in den letzten Wochen richtig umgehauen oder haben Sie einen Lieblingstext von einem Slammer?

Prigge: Schwierig zu sagen. Es gibt viele tolle Slammerinnen und Slammer, ich könnte da jetzt nicht wirklich einen Text hervorheben. Am meisten beeindruckt mich vielleicht der Frankfurter Laut-Poet Dalibor Markovic, der teilweise so mit den Klängen der Worte und Konsonanten spielt, dass er gleichzeitig redet und beatboxt.

Welchen Text finden Sie von sich selbst am besten?

Prigge: Das ist sicherlich mein Theater-Text „All the world is a stage“. Der ist jetzt aber auch schon etwas älter und ich habe ihn auch schon mal bei Poetry im Park vorgetragen. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass es in diesem Jahr mal wieder etwas Neues auch von mir zu hören gibt.

Was ist Ihr Lieblingswitz?

Prigge: Puh, schwierig zu sagen. Da kann ich gerade nichts aus dem Ärmel schütteln. Wenn ich spontan lachen möchte, denke ich einfach immer an Helge Schneider, dann klappt das auch so. Und ich weiß auch, dass es am 30. Juni im Landpark wieder viel zu lachen geben wird.

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