Stemmer setzt sich für den Schutz der Schwarzstörche ein

Ein seltenes Bild

Vom Landesamt für Ökologie wurde Alfred Nottorf für den Schutz der Schwarzstörche beauftragt.
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Vom Landesamt für Ökologie wurde Alfred Nottorf für den Schutz der Schwarzstörche beauftragt.

Stemmen – Aufhören, sich zur Ruhe setzen, die Zeit mit Erinnerungen an ein bewegtes Ornithologen-Leben verbringen? Das kommt für Alfred Nottorf aus Stemmen, pensionierter Leiter des Amtes für Naturschutz beim Landkreis Rotenburg, auch in vorgerückten Jahren nicht infrage: „Das kann ich mir nicht vorstellen. So lange ich körperlich fit bin, gilt meine ehrenamtliche Arbeit den Schwarzstörchen und der Erhaltung ihres Bestandes“, erklärt der 82-Jährige.

Dabei schienen die scheuen, in Nestern auf Bäumen in stillen Wäldern lebenden Schwarzstörche vor wenigen Jahrzehnten nahezu ausgestorben. In Niedersachsen, dem Hauptverbreitungsgebiet der kleineren Verwandten des Weißstorchs, war ihre Zahl bis auf wenige Paare geschrumpft. Ein wesentlicher Grund: Menschen, für die Schwarzstörche als schädliche Fischräuber verhasst waren, stellten den Vögeln unbarmherzig nach und sorgten für ihre dramatische Dezimierung.

Längst sind die Schwarzstörche streng geschützt. Bei Bauern, Jägern, privaten Waldbesitzern und Forstbehörden ist es zu einem radikalen Umdenken gekommen. Heute hat der Schutz dieser einmaligen Vögel Vorrang. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst von Nottorf, dessen fast 60-jährige Arbeit mit anderen Hobby-Ornithologen dazu beitrug, dass sich die Schwarzstorch-Population in Niedersachsen, und hier besonders in der Lüneburger Heide, wesentlich erholt hat, sodass der Bestand inzwischen gesichert ist.

Nottorf und seine Mitstreiter – unter ihnen der Rotenburger Norbert Fiebach, Christoph Rothfuchs vom Forstamt Unterlüß im Kreis Celle sowie der inzwischen gestorbene pensionierte Rotenburger Amtsgerichtsdirektor Werner Burkart – haben an ungezählten Wochenenden dafür gesorgt, dass in vielen Teilen Deutschlands, unter anderem im Hunsrück, in der Röhn, im Spessart, im Westerwald, im Steigerwald, im Solling und im Schwerpunktbereich Lüneburger Heide, bis heute mehr als 500 Kunsthorste eingerichtet wurden.

Der scheue Schwarzstorch benötigt für seinen Horst Altholzbestände in abgeschiedener Lage. Ideal sei ein Platz in relativ großer Höhe unter der schattenspendenden Baumkrone, so Nottorf. Für die Tiere sei es wichtig, dass sie die Möglichkeit haben, ihren Horst hindernisfrei anfliegen können. Ein Grund, dass in Absprache mit Forstverwaltungen und Waldbesitzern auch einmal ein Baum gefällt wird. Die Schwarzstörche werden von den Ornithologen quasi zur Ansiedlung eingeladen, indem diese die Natur „nachbauen” und die Nestunterlagen aus Holmen, Sprossen und Querhölzern tiergerecht gestalten. Es handelt sich also um baulich ausgereifte Nestunterlagen, welche die unter anderem mit Steigeisen, Sicherungsgurten und Äxten ausgerüsteten Männer mit erheblichem Kraftaufwand in Höhen von etwa 20 bis 25 Meter hieven.

„Zur Brutzeit, also Ende März, Anfang April, ist es besonders wichtig, dass Horstbesuche durch Menschen vermieden werden“, so Nottorf. Die mittlere Brutzeit – Weibchen und Männchen lösen sich ab – beträgt 34 bis 38 Tage. In den ersten drei bis vier Wochen werden die Jungstörche ständig von einem Alt-storch bewacht. Mit etwa 60 bis 70 Tagen ist der Nachwuchs dann flügge. Die Jungstörche werden noch zwei bis vier Wochen von den Eltern betreut und kehren noch oft zum Nest zurück. Danach verlassen sie meistens in Zug-richtung und vor den Altvögeln das Aufwuchsgebiet.

Der Wegzug der Störche aus ihren Bruträumen beginnt Mitte August mit dem Abzug der Jungstörche und dauert bis Ende September. Dabei wurden Tagesmaximalstrecken von mehr als 500 Kilometern gemessen. Ähnlich wie die Weißstörche überwintern die Schwarzstörche in Südeuropa und Afrika. Mitte März treffen die ersten mitteleuropäischen Störche wieder in ihrem jeweiligen Brutgebiet ein. „In Niedersachsen gibt es zur Zeit einen stabilen Bestand von etwa 50 Schwarzstorchpaaren“, sagt Nottorf. „Ein nie dagewesenes Niveau. Seit einigen Jahren stagniert der Bestand und ist leicht rückläufig. Der Grund ist vermutlich, dass sich in den Schwarzstorchrevieren mit dem Seeadler und dem Uhu zwei Konkurrenten niedergelassen haben.”

Seit 1963 ist der Stemmer ehrenamtlicher Beauftragter des Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie. Zu seinen Aufgaben gehören der Schutz und die Erfassung des Bestandes in der Lüneburger Heide. Deshalb besucht er auch einen Horst in einem großen Privatwald im Schwarzen Moor in der Nähe von Bergen. Der 82-Jährige steht an dem Nest in einer Kiefer, das die Schwarzstorchfamilie vor kurzer Zeit verlassen hat: „Diesen Horst habe ich mit Werner Burkart vor 20 Jahren gebaut.“ Er erinnert sich an seine Zeit als 24-jähriger Mitarbeiter der Rotenburger Kreisverwaltung und seine erste Begegnung mit Ludwig Müller-Scheeßel. Der Schwarzstorch-Begeisterte und über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannte Ornithologe sprach den jungen Nottorf an, ob er ihn nicht begleiten wolle. Regelmäßig ging es ab da durch die Lüneburger Heide. „Mich fasziniert am Schwarzstorch die Schönheit dieses Vogels und seine Lebensweise in unberührter Natur.“  bn

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