Eurostrand-Stammgast äußert Bedenken / Resort sieht sich gut gewappnet

Ein Hygienekonzept, das nicht passt?

„Rein ins Vergnügen“ ist am Eingang zum Finteler Eurostrand-Resort zu lesen. Allerdings stößt das Vergnügen auch hier wegen Corona an seine Grenzen.
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„Rein ins Vergnügen“ ist am Eingang zum Finteler Eurostrand-Resort zu lesen. Allerdings stößt das Vergnügen auch hier wegen Corona an seine Grenzen.

Fintel – Michael Spieker aus Bochum möchte eine Reise machen. Mitte Oktober ist es soweit. Dann geht es für ihn zusammen mit seinen Kegelkumpanen per „Fun-Express“, einen vom Veranstalter gecharterten Sonderzug, in die Lüneburger Heide – ins beliebte Eurostrand-Resort in Fintel. Normalerweise dürften sich die aus ganz Deutschland kommenden Gäste dem gebuchten All-inclusive-Paket entsprechend auf ein langes, feucht-fröhliches Partywochenende freuen. Tanz, Planwagenausfahrten, Ausspannen in der Sauna oder im Schwimmbereich, dazu leckere Speisen und Getränke – Spieker kennt das alles, ist er doch schon seit 25 Jahren regelmäßig wiederkehrender Gast auf der Anlage.

Doch Vorfreude will bei dem 55-Jährigen dieses Mal nicht so recht aufkommen. Denn seiner Befürchtung nach halte das vom Eurostrand vorgelegte und zu seiner Verwunderung auch vom Gesundheitsamt so abgesegnete Hygienekonzept der zu erwartenden Klientel, die das Wochenende über ganz gerne auch mal einen über den Durst trinken würde, rein gar nicht stand. „Ich bin da ein bisschen skeptisch, was die Sache angeht, finde es ohnehin nicht gut, dass man auf Biegen und Brechen so eine Veranstaltung durchzieht“, sagt der Nordrhein-Westfale. „So ein Konzept – mit Richtungspfeilen und Bögen, die es auszufüllen gilt, mag zu einem normalen Hotelbetrieb ganz bestimmt noch passen, bei Familienfeiern oder Tagungen etwa. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass hunderte Leute, von denen bei der Ankunft viele schon ordentlich angetrunken sind, sich drei Tage lang auch wirklich an alle Regeln halten.“ So, das befürchtet er, laufe man jedenfalls durchaus Gefahr, ein zweites Ischgl zu produzieren.

Dem kann Igor Schildhauer, Direktionsassistent im Eurostrand, nur widersprechen. Gleich zweimal habe das Gesundheitsamt des Landkreises das für die Veranstaltung von ihm und seinem Team eigens erstellte Hygienekonzept direkt vor Ort auf Herz und Nieren geprüft, „und beide Male haben die Mitarbeiter es für tragbar befunden“. Natürlich könne er die Sorge der Gäste verstehen, und nicht wenige Buchungen seien inzwischen auch schon storniert worden, „aber wir halten uns an alles, was das Land Niedersachsen vorgibt“, beteuert Schildhauer. Demnach sei das Wochenende coronabedingt auch keineswegs mehr so durchführbar, wie die Gäste es noch von den Vorjahren her kennen würden. „Das ist diesmal im Beisein von Securityleuten ganz anders aufgestellt.“ Auf Tanz werde sogar ganz verzichtet, erklärt er, und die Leute im Saal müssten – unter Einhaltung der Abstandsregelung – auf ihren Plätzen sitzen bleiben.

Ohnehin, das habe die Erfahrung aus ähnlichen, im Eurostrand bereits kürzlich über die Bühne gegangenen Veranstaltungen gezeigt, seien die Teilnehmerzahlen deutlich gesunken. „Erlaubt sind ja tatsächlich 500 Personen – die haben wir seit dem Ausbruch aber nicht mehr bei uns gehabt“, gibt der Resort-Mitarbeiter Auskunft. Stattdessen zähle man im Schnitt noch 200 Gäste. Immerhin: Auf Musik müsse das Publikum nicht verzichten, sei ihm zufolge an dem abgespeckten Partywochenende doch noch ein DJ mit an Bord, ebenso eine Live-Kapelle.

Und Michael Spieker? Der und seine Kegelkumpanen wollen ganz genau hinschauen, ob das auch alles so funktioniert. „Wenn nicht, werden wir Fotos machen und die auch zum Beweis ins Internet stellen“, kündigt der Bochumer an. Auch könne er sich vorstellen, das Material der Landesregierung zukommen zu lassen. „Es soll ja nachher nicht heißen, dass keiner Bescheid gewusst habe.“

Richtig Lust habe jedenfalls niemand auf den unter dem großen Corona-Schatten stehenden Aufenthalt; eine Stornierung sei für die siebenköpfige Gruppe aber auch nicht infrage gekommen. „Wir haben uns arrangiert, werden die meiste Zeit über wohl beim Bierchen in unserem Ferienhäuschen sitzen und uns auch sonst lieber zurückhalten“, sagt er.

Übrigens: Wie beim Landkreis auf Nachfrage unserer Zeitung zu erfahren ist, plant dieser, an dem Oktoberwochenende auch selbst im Eurostrand nach dem Rechten zu sehen. „Ja, wir werden Kontrollen machen“, sagt Sprecher Gerd Hachmöller. Spieker kommentiert das so: „Das will ich auch hoffen, trotzdem finde ich es merkwürdig, dass die Behörden mit der ganzen Sache so locker umgehen.“

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