Naturschutzprojekt

Für eine vielfältige Fauna: Hinnerk Ehlbeck aus Lauenbrück lässt 650 Meter lange Hecke am Acker anlegen

Machen sich ein Bild vom Anwuchs der Heckensträucher: Jägerin Tanja Bladauski sowie Landwirt Hinnerk Ehlbeck (r.) mit seinen Söhnen Linus (2.v.l.) und Lasse.
+
Machen sich ein Bild vom Anwuchs der Heckensträucher: Jägerin Tanja Bladauski sowie Landwirt Hinnerk Ehlbeck (r.) mit seinen Söhnen Linus (2.v.l.) und Lasse.

Lauenbrück – Hinnerk Ehlbeck steht am Rande des Maisackers, den er verpachtet hat, und mustert mit zufriedenem Gesicht die noch zarten Pflänzchen. Rotklee gesellt sich neben Schlehe, Faulbaum neben Vogelbeere, Wildrose neben Haselnuss und Holunder. „Das ist ja wirklich alles prima angewachsen“, befindet der Landwirt, während er den Grünstreifen am Lauenbrücker Ortsrand, gelegen zwischen der Alten Vahlder Straße und der Kreisstraße, ein Stück weit abschreitet.

Frei begehbar ist der, mit Ausnahme einiger weniger Durchlässe, noch nicht – weder für Mensch noch für Tier. Ein Zaun schützt das neu angelegte Biotop, dessen Ränder noch zusätzlich mit einer samenfesten Blühmischung eingestreut wurden, vor Wildverbiss. „Sonst wäre die Hecke, die aktuell ungefähr einen Meter Wuchshöhe erreicht hat, auch ganz schnell wieder weg“, klärt Ehlbeck auf. Eine Hecke, die sich auf einer Länge von sage und schreibe 650 Metern erstreckt. Und eine, die es ihm zufolge früher bereits mal an Ort und Stelle gegeben habe, jedoch schon lange aus dem Landschaftsbild verschwunden sei. „Denn wie überall in der Landwirtschaft, ist auch dieser Bereich irgendwann mal in die Nutzung mit eingebunden worden“, erläutert der Lauenbrücker, der als Kirchenvorsteher im vergangenen Jahr auch die Umgestaltung des Kirchenkurzrasens in einen Waldnaschgarten initiiert und maßgeblich an dessen Umsetzung mitgewirkt hatte.

So sei es ihm ein Herzensanliegen gewesen, für den Naturschutz in der heutzutage intensiv genutzten Agrarlandschaft einen Beitrag zu leisten. Und offenbar nicht nur ihm, sollten sich im Frühjahr doch 30 Helfer finden, die Ehlbeck beim Anpflanzen sowie beim Zaunbau tatkräftig unter die Arme gegriffen haben. „Dass so viele Leute das freiwillig gemacht haben, ist schon beeindruckend“, zeigt er sich von der Aktion, die an zwei Wochenenden im April stattgefunden hat, noch immer begeistert. „Mit so vielen helfenden Händen ging das wirklich rasend schnell.“

Rund 30 freiwillige Helfer packten im Frühjahr mit an, den Zaun aufzustellen und die Pflanzen zu setzen.

Mit von der Partie war auch Tanja Bladauski. Sie ist Jägerin im Hegering Lauenbrück, mit Ehlbeck gut befreundet. Und sie hat über die Kreisjägerschaft als Naturschutzbeauftragte überhaupt erst den Stein ins Rollen gebracht, war die es doch, die beim Landkreis einen entsprechenden Förderantrag gestellt hat und auch bewilligt bekam. „Hinnerk schickte mir mal einen Artikel zu, in dem von einer Jägerschaft die Rede war, die irgendwo mal bei der Erstellung einer Streuobstwiese mitgewirkt hatte“, erinnert Bladauski sich. „Daraufhin habe ich ihm zurückgeschrieben, dass so etwas auch hier möglich sei.“ So sei man schließlich auf die Wildschutzhecke gekommen, wie sie inzwischen wunderbar wächst und gedeiht – „eine Streuobstwiese wäre auch gegangen, nur hätte die sicher nicht so gut hierher gepasst.“

Die Kosten für die Beschaffung der ganz unterschiedlichen Gehölze – mehr als 700 seien laut Ehlbeck insgesamt gepflanzt worden – sowie für den Draht und die Holzpfähle hätten schließlich zu 100 Prozent der Kreis getragen. „Den eingesäten Blühstreifen habe ich selbst bezahlt, weil der Landkreis bei einem Projekt dieser Art entweder Blühstreifen oder Hecken fördert – nicht aber beides in Kombination“, erläutert der 45-Jährige.

Wie beide berichten, erfülle die weitläufige Hecke, sobald der Zaun in einigen Jahren entfernt werden könne, quasi ebenso eine Biotopvernetzfunktion: Wildtiere könnten so in ständiger Deckung von einem Waldstück zum nächsten gelangen, ohne über den kahlen Acker laufen zu müssen. Dass so eine Vernetzung vor Ort überhaupt gegeben ist, habe zunächst die Untere Naturschutzbehörde feststellen müssen – ein wichtiger Baustein, um die Fördergelder überhaupt genehmigt zu bekommen.

Da freuen sich auch die Insekten.

So wird der auf eine sogenannte Segetalflora abzielende Streifen am Lauenbrücker Ortsrand, der eine Birkenreihe mit einem kleinen Kiefernwäldchen verbindet, zu einem El Dorado für eine vielfältige Fauna, deren Funktion dem landwirtschaftlichen Flächenverlust Ehlbecks Worten zufolge bei weitem übertreffen würde: „Es wird ja auch der Boden verbessert, und für Insekten ist die Hecke als Windbremse natürlich optimal.“

In Zukunft möchte der Landwirt möglichst jedes Jahr ein ähnliches Projekt auf seinen Ländereien umsetzen. „Ich hoffe dadurch natürlich, auch andere Landbesitzer anregen zu können, mir nachzueifern.“ Viele der freiwilligen Helfer aus dem Frühjahr hätten schon geguckt, wie es um den Anwuchs von Lauenbrücks wohl längster Hecke bestellt sei – und seien vom vorläufigen Ergebnis total begeistert gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Kalte Füße im Bett? Diese Bettdecken sorgen für einen guten Schlaf

Kalte Füße im Bett? Diese Bettdecken sorgen für einen guten Schlaf

Meistgelesene Artikel

Landkreis Rotenburg: Traktor verteilt massenweise Hühnermist im Dorf

Landkreis Rotenburg: Traktor verteilt massenweise Hühnermist im Dorf

Landkreis Rotenburg: Traktor verteilt massenweise Hühnermist im Dorf
Dicke Luft an der Baustelle: Umleitung ärgert Rotenburger Gewerbetreibende

Dicke Luft an der Baustelle: Umleitung ärgert Rotenburger Gewerbetreibende

Dicke Luft an der Baustelle: Umleitung ärgert Rotenburger Gewerbetreibende
Razzia im Landkreis Rotenburg: Zoll und Polizei gehen gegen Clan-Kriminalität vor

Razzia im Landkreis Rotenburg: Zoll und Polizei gehen gegen Clan-Kriminalität vor

Razzia im Landkreis Rotenburg: Zoll und Polizei gehen gegen Clan-Kriminalität vor
Die Gemeinde aktiv mitgestaltet: Feierliche Verabschiedung Scheeßeler Ratsmitglieder

Die Gemeinde aktiv mitgestaltet: Feierliche Verabschiedung Scheeßeler Ratsmitglieder

Die Gemeinde aktiv mitgestaltet: Feierliche Verabschiedung Scheeßeler Ratsmitglieder

Kommentare