Ehrenamtliche Helfer erörtern bei Neujahrsempfang der Samtgemeinde dringende Probleme

Mobilität und eine Bleibeperspektive

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Hans-Jürgen Schnellrieder (v.l.) und Frau Gabriele erörterten mit Unterstützerkreis-Gründungsmitglied Manfred Kröger und Jürgen Rademacher (Bürgermeister von Vahlde) die Herausforderungen der aktuellen Flüchtlingsproblematik in der Samtgemeinde Fintel.

Lauenbrück - Von Ulla Heyne. Ein Rentner, der Passagiere aus anderen Ländern von A nach B fährt und dabei in die Mühlen der Bürokratie zwischen Ärzte und Behörden gerät, die Leiterin eines Kochkurses, deren Angebot sich noch immer nicht überall herum gesprochen hat oder die Hebamme, die auf der Flucht vergewaltigte und geschwängerte Frauen betreut, dazu viele Vertreter örtlicher Vereine, die auf ganz unterschiedliche Weise zur Integration von Flüchtlingen beitragen – die Bandbreite derer, die sich am Donnerstag auf Einladung von Samtgemeinde-Chef Michael Niestädt in der Fintauschule versammelt hatten, war groß.

Ihnen allen galt der Dank des scheidenden Finteler Samtgemeinde-Bürgermeisters in seiner Ansprache, in der er das Engagement der Ehrenamtler würdigte: „Wir sind froh, dass wir Sie haben!“ Die Herausforderung, nach 2013 21 und im Jahr darauf 37 im Vorjahr 115 Flüchtlinge in Lauenbrück und Fintel, aber auch kleineren Orten wie Benkeloh oder Riepe unterzubringen, sei immens.

Genauso immens sei allerdings auch die Bestrebungen aus der Bevölkerung, die Neuankömmlinge zu integrieren. Das machen schon die aufgestellten Stellwände klar: Koch- und Sprachkurse, Nähen, gemeinsame Adventsfeier oder Apfelernte, die Integration in den örtlichen Sportvereinen, ja sogar im letzten Stück der örtlichen Theatergruppe mischten drei Asylbewerber mit. „Die hatte eine Nachbarin mitgebracht“, erinnert sich Aruna Freude-Quade. Mit Feuereifer hätten sie ein wenig Plattdeutsch für ihre Rollen gelernt, nicht nur bei den Proben, sondern auch beim Aufbau waren sie dabei – ein Stück Zuhause auf Zeit. Am Ende der Aufführungen habe der jüngste der drei Ivorer fast fassungslos gefragt: „Ja, und was ist jetzt?“

Andere Aktive wirken eher im Hintergrund, machen sich Gedanken über die Eingliederung in den Arbeitsmarkt wie Hans-Jürgen Schnellrieder. Das ist nach Bekunden von Manfred Kröger von der seit gut einem Jahr bestehenden Flüchtlingshilfe in Lauenbrück eines der langfristig wichtigsten Themen.

Es sind Erfahrungsaustausche wie diese, die den Abend an Stehtischen zu den Häppchen der Schülerfirma der Fintauschule prägen, der den Ehrenamtlern gewidmet ist. Nur rund ein Drittel der Eingeladenen 150 ist erschienen; Mitorganisatorin und zentrale Ansprechpartnerin Sabine Nebrich kennt das schon: „Vielen ist es peinlich, wenn sie einmal im Mittelpunkt stehen, um ihre Arbeit zu würdigen.“

Doch genau das tut Niestädt: „Wir sind froh, dass wir Sie haben!“ Zwar habe die Samtgemeinde mit einer neuen Koordinatorinnen-, einer Hausmeister- und einer Sozialarbeiterinnenstelle das Personal aufgerüstet, „ohne zu wissen, ob Landkreis oder Bund uns das ersetzen“, doch ohne Ehrenamt gehe es nicht.

Dass die Meinung der in zahlreichen Funktionen Engagierten der Gemeinde wichtig ist, verdeutlichte auch Niestädts Agenda: Vor dem Angebot zum gemeinsamen Filmabend ließ er in einer durch Lehrerin Sabine Cordts moderierten Fragerunde die dringlichsten Anliegen zusammentragen und nahm einige Arbeitsaufträge aus der Diskussionsrunde mit:

Zugang zum Internet und die Einrichtung von Hotspots wurde ebenso angeregt wie ein Flyer zur besseren Kommunikation von Aktivitäten. Ebenso dringlich: Die Frage nach der ärztlichen Versorgung oder Mobilität. Der Wunsch nach mehr Hilfe bei Deutschkursen, um eine bessere Differenzierung je nach Lernstand vornehmen zu können, wurde erhört: Spontan sagte jemand von den Gästen seine Hilfe zu.

Trotz der von Niestädt angerissenen Probleme wie Bleibeperspektive oder die langen Wartezeiten bis zur Registrierung und für die Asylverfahren selbst: Die Samtgemeinde scheint auf einem guten Weg.

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