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Effektive Technik, schwieriger Dienst: Gemeindebrandmeister berichtet im Finteler Feuerwehrausschuss

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Von: Lars Warnecke

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Die freiwilligen Brandschützer aus der Samtgemeinde Fintel haben die Pandemiejahre mit Bravour gemeistert. 2022 sind für vier Ortswehren neue Einsatzfahrzeuge vorgesehen.
Die freiwilligen Brandschützer aus der Samtgemeinde Fintel haben die Pandemiejahre mit Bravour gemeistert. 2022 sind für vier Ortswehren neue Einsatzfahrzeuge vorgesehen. © Feuerwehr

2021 stellte als zweites Corona-Jahr in Folge auch die Feuerwehr der Samtgemeinde Fintel auf eine harte Probe. „Trotz allem ist es gelungen, die Einsatzfähigkeit der Wehr zu jeder Tages- und Nachtzeit zu gewährleisten“, betonte Gemeindebrandmeister Klaus Intelmann in seinem Bericht, den er jetzt im Feuerwehrausschuss vortrug. Zu verdanken sei dies der hohen Disziplin in allen Abteilungen der fünf Ortswehren.

Lauenbrück – Von vergangenem Dezember an bis zum 20. März sei der Ausbildungs- und Übungsbetrieb nur noch unter der 2G-Plus-Regel durchgeführt worden, was für die nichtgeimpften Kameraden einen Komplettausschluss von allen Aktivitäten bedeutet habe. Aber: „Die Impfquote unserer Wehren liegt erstaunlich hoch, mit 90 bis 100 Prozent wesentlich höher als in der Bevölkerung“, erklärte Intelmann. So sei ein gegenseitiger Schutz während der ehrenamtlichen Tätigkeit erreicht worden.

Dienstbesprechungen wurden überwiegend per Videokonferenzen abgehalten, blickte der Gemeindebrandmeister zurück; Präsenzveranstaltungen fanden lediglich im engsten Führungskreis statt. Jahreshauptversammlungen waren 2021 alle ausgefallen – bis auf eine in Stemmen, in der es einen neuen Ortsbrandmeister zu wählen galt. „Das war mit acht Minuten die kürzeste Versammlung, die ich bisher besucht habe“, konstatierte der Feuerwehrchef.

Neue Kleiderkammer

Auf zwei markante Aufgaben das vergangene Jahr betreffend ging Intelmann gesondert ein: Zum einen sei im Feuerwehrhaus in Lauenbrück in Eigenleistung eine neue Kleiderkammer gebaut worden. Und: Die Wehren hätten das in der Sporthalle der Fintauschule eingerichtete Impfzentrum bei allen Terminen unterstützt.

Gelitten habe in der Pandemie laut Intelmann ganz klar die Ausbildung. So seien etwa etliche Führungslehrgänge ausgefallen. „Das werden wir jetzt erst in vier bis fünf Jahren kompensiert haben.“ Überhaupt hätten die Brandschützer viel in Eigenleistung erledigen müssen. Da die Atemschutzgerätestrecke in Zeven zeitweise gesperrt war, hätten die Prüfungen halbjährlich in den Wehren selbst durchgeführt werden müssen – anhand einer vom Land herausgegebenen Liste. „Das hat dazu geführt, dass wir nach Freigabe der Strecke jetzt vermehrt Atemschutzträger, die wir am häufigsten benötigen, ausbilden können, da sind wir auf einem guten Weg.“

Erst vor wenigen Tagen hat zum ersten Mal seit 2020 wieder eine Truppmann-1-Ausbildung, sprich eine Grundausbildung in der Feuerwehr mit 30 Teilnehmern begonnen. Intelmann: „Die führen wir seit Jahren schon mit der Gemeinde Scheeßel durch.“ Noch vor Ostern würde der erste Lehrgang enden, direkt im Anschluss sei ein zweiter geplant – dann mit 32 Männer und Frauen. „Das hohe Interesse zeigt, dass der Zulauf in der Feuerwehr nicht abreißt.“

Was uns fehlt, sind viel mehr Frauen in der Feuerwehr.

Gemeindebrandmeister Klaus Intelmann

Vahlde und Fintel sind die Wehren mit den größten Einsatzabteilungen. „Was uns überall fehlt, sind viel mehr Frauen“, verdeutlichte der Gemeindebrandmeister mit Blick auf den Personalbestand, der tatsächlich nur 13 Frauen von aktuell 249 Mitgliedern ausweist. „Daran müssen wir noch arbeiten, dass wir viel mehr Frauen mitnehmen.“ Zur Tagesfeuerwehr erklärte er, dass hier vor allem Lauenbrück auf Personal zurückgreifen könne. „Wir hoffen, dass wir das in anderen Wehren auch noch verstärkt umsetzen können.“ Erfreut zeigte sich Intelmann darüber, dass man den Mitgliederbestand in der Jugendfeuerwehr im Schnitt konstant bei knapp über 40 Mädchen und Jungen halten könne. „Das ist für unsere kleine Samtgemeinde unheimlich klasse!“ Derweil zähle die Altersabteilung inzwischen weniger Mitglieder, was dem Umstand geschuldet sei, dass das Dienstalter von 63 auf 67 Jahren heraufgesetzt worden sei.

Mussten die Wehren 2020 noch 60 Mal ausrücken, so waren es im vergangenen Jahr 54 Einsätze und in diesem Jahr bereits 48. Für die Beseitigung von Ölspuren haben die Samtgemeinde und ihre Mitgliedsgemeinden inzwischen eine Verwaltungsvereinbarung mit der Entsorgungsfirma Behrens & Behrens unterzeichnet. „Wir müssen das Unternehmen jetzt nur noch informieren, das erleichtert uns die Arbeit ungemein“, so der Lauenbrücker. Auffällig: Für die Vahlder Ortswehr hat sich die Einsatzzahl verdoppelt. Warum? Intelmann klärte auf: „Seit einigen Jahren gibt es eine neue Anordnung, wie wir bei bestimmten Alarmierungsformen auszurücken haben – das heißt, wir müssen mit mehr Personal rechtzeitig vor Ort sein.“ Da Vahlde eng mit Fintel eingebunden sei, die Wehr tagsüber das meiste Personal stellen würde, ergebe sich dadurch für die Kameraden natürlich eine höhere Belastung. „Aber wir können es nicht ändern, es sind Vorgaben, an denen wir nicht rütteln dürfen.“

Meldekopf hat sich bewährt

Eine Premiere erlebten die Brandschützer Anfang 2022 im Zuge der beiden Orkantiefs: Zum ersten Mal arbeiteten die Einsatzkräfte mit dem Meldekopf der Samtgemeindefeuerwehr unter Nutzung einer speziellen Software der Leitstelle in Zeven. Wie das in der Praxis aussah? „Wir konnten uns in das Programm einklinken und haben die Einsätze in unserem Gebiet für die Leitstelle übernommen – das klappte ausgesprochen gut, nicht nur bei uns, sondern im gesamten Landkreis“, so Intelmann, der überzeugt ist: „Bei hunderten Einsätzen innerhalb kürzester Zeit wäre die Leistelle mit der Abarbeitung komplett überlastet gewesen.“

Ein weiteres Thema, auf das der Gemeindebrandmeister zu sprechen kam: die kürzlich in Kraft getretene georeferenzierte Alarmierung, bei der Fahrzeuge gezielt zu Einsätzen gerufen werden. Dabei ermittelt ein Computer in der Leitstelle jene Wehren, die am schnellsten an einen Einsatzort kommen können, automatisch. Kreisgrenzen spielen keine Rolle mehr. „Der Rechner sorgt dafür, dass wir das, was benötigt wird, auch gleich an Ort und Stelle haben“, erläuterte er. Im Umkehrschluss bedeute dies, dass in Zukunft nicht nur ein oder zwei Wehren ausrücken würden. Als Beispiel nannte Intelmann einen Brandeinsatz vor wenigen Wochen in Westeresch: „Da waren im ersten Anlauf sechs Feuerwehren zugegen, als die Stufe erhöht wurde, waren es zehn.“

Was die Feuerwehr der Samtgemeinde Fintel 2022 noch erwartet

Bereits im vergangenen Jahr hat sich die Wehr intensiv mit Fahrzeugneubeschaffungen befasst – bis zur Ausschreibung. „Wir hoffen, dass wir 2022 noch zwei HLF 10 für Fintel und Lauenbrück sowie zwei TSF-W für Helvesiek und Stemmen übernehmen können“, so Gemeindebrandmeister Jochen Intelmann. Abhängen würde das von den Lieferketten, man habe aber noch keinen Hinweis von den beteiligen Firmen erhalten, dass es zu Verzögerungen kommen könnte. Ebenso steht den Kameraden die Eröffnung und Nutzung des neuen Feuerwehrhauses in Helvesiek bevor, während man bereits einen neuen Fünf-Jahres-Plan vorbereitet. Der Aktuelle läuft in diesem Jahr aus. 

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