Nach 33 Jahren

Disco-Ära geht zu Ende: Das Padam schließt

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Ein Tänzchen mit der Lebensgefährtin. Mit ihr will Michel Marboeuf in Zukunft mehr Zeit verbringen.

Riepe - Von Lars Warnecke. Regelmäßige Partygänger, die es an den Wochenenden nach Riepe zieht, müssen sich bald etwas Neues einfallen lassen: Das Padam schließt seine Pforten. Generationen von Nachteulen haben dort über Jahrzehnte getanzt und gefeiert. Im Sommer kommenden Jahres soll die Kult-Disco Geschichte sein.

Noch läuft der Party- und Gastronomiebetrieb wie gewohnt weiter – allerdings kommt bei vielen schon jetzt Wehmut auf. „Ich werde an jedem Wochenende gefragt, wie lange es noch geht“, sagt Michel Marboeuf. Gemeinsam mit zwei Bekannten hat er das Padam in einem ehemaligen landwirtschaftlichen Gehöft gegründet – damals, im Jahr 1984. 

In wenigen Monaten wird er seine letzte Party in dem reetgedeckten Gemäuer veranstalten. Ob im im Juli, August oder September – das wisse er heute noch nicht. An den in den sozialen Netzwerken schon lange kursierenden Gerüchten, die rustikale Disco schließe schon zum Jahresende, sei jedenfalls nichts dran, versichert der 63-Jährige. „Da kann ich meine Gäste beruhigen.“

"Der Laden läuft prima"

Als Grund für die Schließung führt er keinesfalls wirtschaftliche Aspekte an. „Der Laden läuft selbst nach 32 Jahren immer noch prima – wenngleich die Aggressionen unter dem jungen Publikum doch merklich zugenommen haben.“ Nein, mehr Zeit wolle er haben – zum Meditieren, zum Lesen und für seine Lebensgefährtin. „So ein Betrieb hält einen ja nicht nur an den Wochenenden auf auf Trab“, sagt Marboeuf, der damals wie heute einmal im Monat auch als Discjockey bei den legendären Oldieabenden hinter dem Plattenteller steht.

Einmal um die halbe Weltkugel

Überhaupt, sagt er, begleite Musik ihn schon sein Leben lang. Ein Leben, das ihn einmal um die halbe Weltkugel geführt hat. Geboren auf der Karibikinsel Guadeloupe verbrachte er seine Jugendjahre in Südfrankreich – in einer katholischen Jungenschule. Nach einem Kurzausflug in den Ruhrpott gefiel es ihm dort so gut, dass er in Deutschland blieb. Es folgten ein Tellerwäscher-Job und erste DJ-Aufträge, bis Marboeuf eines Tages eine Arzttochter aus Rotenburg kennenlernte, die ihn zu ihrer Hochzeit in die Wümmestadt einlud.

„Dort habe ich den Besitzer des Scotch Corner getroffen, damals ein total angesagter Club an der Goethestraße“, erinnert sich Marboeuf. Das Angebot, in dem Musikschuppen als Haus- und Hof-Discjockey zu arbeiten, habe er nicht ausschlagen können – und so willigte er ein.

Name beim Bügeln eingefallen

Sieben Jahre arbeitete Marboeuf für den Laden, bis 1984, als die Lokalität wegen schlecht laufender Geschäfte dicht machte. Da unterzeichnete er den Pachtvertrag für das ehemalige Bauernhaus in Riepe, in dem zuvor ein China-Restaurant beherbergt war. Das Padam war geboren. Der Name, so der 63-Jährige, sei ihm beim Bügeln eingefallen, als er ein Lied der Chansonnière Edith Piaf gehört habe. Aus dem Pächter wurde der Eigentümer. Von dem Asia-Flair war nach aufwendigem Umbau schon bald nichts mehr zu sehen. „Das alles hier ist handgemachtes Mobiliar aus guter deutscher Eiche“, erzählt er grinsend.

Dort, wo etwas versteckt in einem Waldgebiet seit nunmehr 32 Jahren über alle Altersklassen hinweg die Nacht zum Tag gemacht wird, hat der Wahl-Rieper auch seinen Wohnsitz – ohne Fernseher, ohne Internet und ohne Handy. „Das sind doch lauter Dinge, die der Mensch nicht braucht“, ist er überzeugt. Selbst auf Alkohol verzichte er eigenen Worten zufolge – für einen Diskothekenbesitzer und Barkeeper sicher keine Selbstverständlichkeit.

Noch heute legt Michel, wie er am liebsten angesprochen werden möchte, vorzugsweise Platten auf. „Dem Mainstream habe ich noch nie so richtig etwas abgewinnen können“, sagt er mit Blick auf seine persönliche Musikauswahl. Und so, behauptet er, sei er es auch gewesen, der Scheiben von längst populären Bands wie The Police, Simple Minds und U2 deutschlandweit als einer der ersten auflegte, als diese noch gar nicht zu Weltruhm gelangt waren.

Wenn der fünffache Papa auf die vergangenen Jahrzehnte Feierkultur zurückschaut, dann fällt ihm vor allem eines auf: „Die Leute schlagen heutzutage hier erst sehr viel später auf als früher – es wird wohl erst zu Hause vorgeglüht.“

Bevor Marboeuf sich in den Ruhestand verabschiedet und im Padam endgültig die Lichter ausgehen werden, will er noch für die eine oder andere Überraschung sorgen. „Ich habe da schon ein paar Ideen.“ Zeit zum Meditieren bleibt ihm in den nächsten Monaten also weiterhin kaum.

Zum Thema:

„Padam“ in Riepe: Zurück in die 90er Jahre

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