Für Rammstein und Silbereisen

Pyrotechniker aus Fintel ist in der ganzen Welt unterwegs

Er weiß, wie man die Knöpfe bedient: Christoph von Fintel sorgt als Pyrotechniker für spektakuläre Spezialeffekte.
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Er weiß, wie man die Knöpfe bedient: Christoph von Fintel sorgt als Pyrotechniker für spektakuläre Spezialeffekte.

Fintel – Eines steht fest: Wenn er seine Finger im Spiel hat, dann wird es feurig. Denn von Berufs wegen ist Christoph von Fintel (36) Pyrotechniker. Als solcher wäre er sicher gerade wieder irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs, würde dafür Sorge tragen, dass es bei Bühnenshows aller Art gewaltig knallt, sprüht und funkt – im Rahmen der Möglichkeiten, die das Sprengstoffgesetz zulässt, versteht sich.

„Stattdessen habe ich wegen Corona jetzt viel Zeit für meine Familie, was auch nicht das Schlechteste ist“, sagt der Mann mit dem tätowierten Unterarm, der mit Frau und zwei Kindern in Fintel lebt.

Obwohl von Fintel im Laufe der Jahre schon mit vielen namhaften Künstlern zusammengearbeitet hat, unter anderem mit Florian Silbereisen, Avicii, Volbeat, Pur und Rammstein, er europaweit an beinahe jedem Musikfestival bereits produktionstechnisch beteiligt war, ebenso an der ein oder anderen Olympia-Stadionshow und sein Sachverstand auch für TV-Produktionen und Freizeitparks immer wieder gefragt ist – auf dem Boden, das merkt man ihm an, ist der Finteler trotzdem geblieben. „Klar, ich bin sonst viel unterwegs, im Endeffekt ist es ja aber auch nur ein Job“, meint er.

Das Stadion brennt. Bei der Rammstein-Tour 2019 war der Finteler für die Pyroeffekte mitverantwortlich.

Ein Job, zu dem er sich schon früh berufen gefühlt habe. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass sich der 36-Jährige schon als Kind beim Schneverdinger Heideblütenfest stets die Frage gestellt habe, wer wohl hinter all den spektakulären Feuerwerken am Himmel stecken könnte? Heute, nach der Fachausbildung an der Dresdener Sprengschule, nach Anstellungen im Team von Bothmer Pyrotechnik sowie beim Scheeßeler Veranstaltungstechnik-Urgestein Ossy Ostendorf und viele gesammelte Helferscheine später, steckt Christoph von Fintel selbst in der Verantwortung, zählt inzwischen zu den deutschandweit 40 renommiertesten Pyrotechnikern.

Zu verdanken, sagt er, sei dies nicht zuletzt seinen Anfängen bei Feuerengel, der Rammstein-Tribute-Band seines Kumpels Boris Delic – mit Hilfsjobs, die sich anfangs aus reiner Freundschaft heraus ergeben hätten. „Mit den Jungs arbeite ich bis heute fest zusammen, bin Teil der Crew, wickele für Feuerengel zum Beispiel die komplette Materialbeschaffung ab, kümmere mich um die Einlagerung und um die Anzeigen der Pyrotechnik gegenüber den Behörden am Veranstaltungsort.“ Für andere Künstler sei er indes als Freelancer unterwegs, „da ist dann maximal noch die Berechnung und Durchführung bei der Pyrotechnik mein Part.“

 Es ist echt krass, wie sehr ich das alles doch vermisse.

Christoph von Fintel

Spaß mache ihm das eine wie auch das andere. „Und es ist echt krass, wie sehr ich das alles doch vermisse“, sagt der mit dem Feuer spielende Profi, dessen Veranstaltungstechnikbranche pandemiebedingt derzeit nahezu arbeitslos ist. „Ich befürchte, wenn Corona irgendwann vorbei ist, werden viele abspringen – dabei war schon vor der Pandemie gutes Personal extrem rar.“

Vor fünf Jahren war vom Virus natürlich noch gar keine Rede. Damals wagte von Fintel den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit – etwas, was ihm davor schon lange vorgeschwebt habe. „Ja, und danach ging es tatsächlich Schlag auf Schlag“, blickt er zurück. „Man hatte ja früher schon viele Leute kennengelernt, die immer mal wieder anfragten, ob ich nicht für den oder jenen Job Zeit hätte – nur war ich da noch in der Festanstellung.“

Wie sich sein Leben seitdem verändert hat? Vor Corona sei ihm der Reisekoffer im Flieger oder Tourbus stets ein treuer Begleiter gewesen, sagt er. Und: „Es ist schon ein echt harter Job – wir Pyrotechniker, die übrigens alle fünf Jahre ihr Wissen auffrischen müssen, sind oftmals ja auch immer die Ersten in der Halle oder im Stadion und nachts die letzten, die alles wieder rausbauen.“

Auf nach Mexiko

Von Feuerengel zu Rammstein, dem Original, ist es kein weiter Weg. Und tatsächlich hat die Zusammenarbeit mit der Berliner Metal-Band von Weltruhm etwas mit von Fintels „Stamm-Truppe“ mit Scheeßeler Wurzeln zu tun, wenn auch indirekt. „Einmal konnte ich bei Feuerengel nicht dabei sein, weil ich eine andere Produktion hatte“, erinnert er sich. „Auf der Suche nach Ersatzleuten habe ich dann Oliver Jost kennengelernt, dessen Spezialeffekte-Firma schon viel mit Rammstein zusammengemacht hat – da man noch jemanden für die Band brauchte, habe ich mich da kurz vorgestellt, so bin ich zur Crew dazugestoßen.“

Soll heißen: Der Finteler, dessen drei Jahre jüngerer Bruder Felix den gleichen Beruf ausübt wie er, war quasi als Einstand nicht nur für die spektakulären Bühneneffekte bei zwei Mexiko-Konzerten mitverantwortlich, sondern ab 2019 auch in die Stadiontour der Schockmusiker involviert – als einer von zwölf festen Pyrotechnikern, weitere Helfer, die immer vor Ort zum Einsatz kamen, noch gar nicht mitgezählt.

Drei Lkw mit Pyrotechnik

„Es ist schon ein logistischer Wahnsinn gewesen – allein unser Material war in drei Lkw eingelagert.“ Anders als andere Kollegen, die hinter oder vor der Bühne tätig seien, zur Überwachung zum Beispiel, habe er „direkt am Künstler“ gearbeitet, wozu unter anderem auch die Ausstattung mit dem Handflammenwerfer gezählt habe. „Und das Innenleben für den Kinderwagen, der in der Show zum Einsatz kommt, habe ich mit dem Frontmann Till Lindemann gemeinsam konstruiert und gebaut.“ Eigentlich hätte die Tour im vergangenen Jahr fortgesetzt werden sollen, erst in Europa, später in Amerika. Fünf Monate wäre der bekennende Techno- und Elektro-Fan so für Rammstein am Stück eingespannt gewesen. Doch dann kam bekanntlich alles anders.

Ob seine Auftraggeber ihm auch schon mal Angebote unterbreitet hätten, die sich so nicht umsetzen ließen? „Ja, natürlich, da gab es schon ein paar kranke Ideen – nur hat der Pyrotechniker an sich immer das letzte Wort.“ Am Ende müsse man schließlich auch die Kosten im Auge behalten, vieles werde für eine Show ja nur zur einmaligen Verwendung gebaut. „Deshalb hat man auch immer Schweißer und Metallbauer dabei“, erklärt der Fachmann.

Bleibt die abschließende Frage, mit welchen Augen jemand ein Konzert als privater Zuschauer verfolgt, der die technischen Raffinessen aus seinem Berufsleben schon allesamt kennt. Christoph von Fintel schmunzelt. „Wo andere auf die Bühne gucken, schaue ich meistens immer nur an die Decke.“  lw

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