Schluss nach 48 Jahren: Lauenbrücks DRK-Chef Hans Engel geht

Der Beständige

Ein Aktenordner voller Erinnerungen: Hans Engel hat sämtliche Unterlagen gesammelt, die im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als DRK-Vorsitzender sehen. 
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Ein Aktenordner voller Erinnerungen: Hans Engel hat sämtliche Unterlagen gesammelt, die im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als DRK-Vorsitzender sehen. Foto: Warnecke
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Lauenbrück – Wie vielen Jubiläumsspendern er zum Dank die Hände geschüttelt hat, das weiß Hans Engel (78) schon lange nicht nicht mehr. Zigtausende müssen es aber wohl gewesen sein. Beinahe schon reflexartig will er auch heute seine Hand zur Begrüßung reichen. Mit einem freundlichen Hinweis, das sei derzeit keine gute Idee, wiegelt der Reporter von der Zeitung ab. „Oh, das hätte ich schon fast wieder vergessen“, sagt Engel ein klein wenig schuldbewusst. Sein sanftmütiges Lächeln, ganz ein Engel eben, behält er bei. „Kommen Sie mit, es gibt viel zu erzählen“, lädt der Senior ein. Und dann geht es auch schon schnurstracks in Richtung Terrasse seines Einfamilienhauses am Karpfenweg – zum Plausch über sein Leben. Eines, das der Lauenbrücker über Jahrzehnte in den Dienst des Roten Kreuzes gestellt hat. Ja, es ist wahr: Stolze 48 Jahre lang leitete Hans Engel den Ortsverein im Ehrenamt. „Ich glaube, ich wäre damit der beständigste Vorsitzende im ganzen Landkreis“, vermutet der Mann, der früher, lange bevor in der Samtgemeinde Fintel überhaupt hauptamtliche Bürgermeister gab, auch schon Gemeindedirektor war.

Und dann beginnt Hans Engel, mit einem Aktenordner voller Erinnerungen vor sich ausgebreitet, zu erzählen. Ja, er sei schon ein waschechter Lauenbrücker, aber irgendwie auch nicht. „Ich würde mich eher einen Zugewanderten nennen.“ Dieser sei er aber schon seit fast 50 Jahren. Geboren im Schwarzwald, in Pforzheim, nach einem sich anschließenden Intermezzo in Berlin, sei er im friesländischen Varel aufgewachsen. Dort machte er in der Stadtverwaltung auch seine erste Ausbildung. Getrieben durch den Beruf folgten weitere Stationen – auf der Insel Wangerooge etwa und im rheinland-pfälzisch Bad Neuenahr. „Die Stellenwechsel haben mir alle nicht geschadet“, sagt Engel heute, „kocht man so doch nicht immer nur im eigenen Saft.“

Ein Jahr, bevor er mit 30 zum ersten Mal zum DRK-Vorsitzenden gewählt wurde, sei er mit der Familie nach Lauenbrück gekommen – und nicht wieder gegangen. 1971 war das. Die Samtgemeinde war damals gerade erst als Gebietskörperschaft aus der Taufe gehoben worden, Engel als Verwaltungschef ihr erstes vom Rat gewähltes Oberhaupt – und damit ganz neben auch dem Roten Kreuz verpflichtet. Der 78-Jährige erinnert sich: „Eingetreten bin ich, weil es seinerzeit hieß, der Gemeindedirektor müsse gleichzeitig auch DRK-Vorsitzender sein – ganz nach dem Vorbild des damaligen Oberkreisdirektors und des Rotenburger Stadtdirektors.“ Also habe er sich auf der Mitgliederversammlung zur Wahl aufgestellt – und tat dies in den folgenden Jahren und Jahrzehnten immer wieder. „Ich habe einfach aus freien Stücken weitergemacht, es hat mir ja irgendwo auch Freude bereitet.“

Und so verweilte Hans Engel im Vorsitzendenamt – selbst dann noch, als er nach zwei Amtsperioden als Gemeindedirektor à zwölf Jahren schon lange nicht mehr im Rathaus-Chefsessel saß. „Die Aufgabenvielfalt in so einem kleinen Verein ist ja auch nicht so groß, wie zum Beispiel in Rotenburg, wo das Rote Kreuz ja auch eine Kleiderkammer unterhält“, sagt er. Die Beine gemütlich hochlegen habe er aber nicht können. Da sei zum einen natürlich die Organisation der unzähligen Blutspenden im Dorf gewesen, bei denen er bis auf ein, zwei Ausnahmen stets dabei gewesen sei. „Dabei habe ich natürlich auch selbst fleißig gespendet, was in meinem Alter aber schon lange nicht mehr möglich ist.“

Gerade erst seien zum Aderlass in der Fintauschule wieder 110 Spender erschienen. Es war die erste Aktion, der er nach seiner Ende Februar besiegelten Amtsaufgabe nicht mehr als DRK-Ortsgruppenchef beigewohnt hat. „Das war schon ein sehr gutes Ergebnis“, wertet Engel die Resonanz, die durchschnittlich eher bei 70, 80 Teilnehmern liegen würde.

Eine weitere Säule seiner Arbeit sei die Mitgliederwerbung gewesen. Oder, wie Engel es recht passend in diesem Zusammenhang nennt: die „Bluttransfusionen“. Als sei es erst gewesen, erinnert er sich an eine Aktion aus seinen Anfangsjahren zurück, bei der sein Verein kiloweise sogenannte Europa-Butter unter die Bürger bringen konnte. „Die hatten wir der EU und ihrem ,Butterberg‘ zu verdanken.“ Knapp unter 100 Mitglieder zählt das DRK Lauenbrück heute – auch und vor allem, weil man gerade so rege Akquise betrieben habe. „Wenn wir nichts gemacht hätten, auch unter Zuhilfenahme von professionellen Werbefirmen nicht, stünden wir gegenwärtig bestimmt nicht so gut dar“, ist er überzeugt.

Und dann, ja dann, sagt Engel, hätten ja auch noch immer wieder Vereinsausflüge auf die Beine gestellt werden müssen – zwei pro Jahr an der Zahl. „Seit geraumer Zeit machen wir das schon im Schulterschluss mit den Aktiven Frauen, weil wir vielfach die gleichen Mitglieder haben“, berichtet der Ex-Vorsitzende.

Warum er überhaupt nun nach fast 50 Jahren das Amt in jüngere Hände, und zwar in die von Nicole Holmann gelegt hat? Gesundheitlich, bekräftigt der „hinzugezogene“ Lauenbrücker, ginge es ihm immer noch gut. Und auch die Kraft, die DRK-Geschäfte weiterzuführen, habe er zweifelsohne noch gehabt. „Meine Frau und ich wollen einfach noch ein bisschen mehr Freiheit genießen, was uns wegen der Blutspendetermine bisher nicht möglich war“, begründet er den Schritt. Seit einigen Jahren schon habe er sich mehr oder weniger vergeblich um einen Nachfolger bemüht – und sei in Hollmann schließlich doch noch fündig geworden. „Sie macht das ganz großartig – ich könnte mit keinen Besseren auf diesem Posten vorstellen“, lobt er die neue Vorsitzende über den grünen Klee.

Nein, Wehmut schwingt überhaupt nicht in seiner Stimme mit, wenn er im Gespräch die fünf Dekaden, die er als DRK-Vorsitzender miterlebt hat, Revue passieren lässt. „Alles hat seine Zeit, jetzt freue ich mich auf alles, was noch kommen wird!“ Dem Roten Kreuz, sagt Hans Engel, werde er natürlich auch in Zukunft verbunden bleiben. Und ja, auch bei den Lauenbrücker Blutspenden werde man ihn hin und wieder ganz sicher in der Oberschule antreffen können. „Die Schnittchen dort sind ja auch immer ganz lecker“, schmunzelt er.

Beschäftigt ist der hiesige Rekordhalter unter den Vereinsvorsitzenden nun aber erst mal auf einer ganz anderen „Baustelle“: Gemeinsam mit einem guten Freund und Weggefährten aus seiner Verwaltungstätigkeit arbeitet er mit an einer Chronik, die zum 50. Geburtstag der Samtgemeinde Fintel im nächsten Jahr erscheinen soll. Ein echter Engel eben, dieser Hans Engel.

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