Geplanter LTE-Mast in Stemmen sorgt für Unruhe

Debatte um Standort

Stemmen soll einen modernen LTE-Mast erhalten, doch einige Anwohner fürchten eine Gesundheitsgefährdung.
+
Stemmen soll einen modernen LTE-Mast erhalten, doch einige Anwohner fürchten eine Gesundheitsgefährdung.

Stemmen – Im Saal des Landguts Stemmen waren alle Tische besetzt. Die Gemeinderatssitzung war diesmal gut besucht. Dies lag wohl auch an den Aushängen, die an mehreren Schwarzen Brettern des Ortes zu lesen sind: „Ein Mobilfunkmast 5 G in Stemmen? Kommt zur Bürgerversammlung und stellt Fragen“, steht dort geschrieben. Und weiter „30 bis 40 Meter hoch, ein Steinwurf von Kindergarten/Schule und Sportplatz“ sowie „Es geht um unsere Gesundheit und unser Dorf“.

Zum Auftakt der Bürgerfragestunde fasste Bürgermeister Reinhard Trau (Wählergemeinschaft) die Ausgangslage rund um den geplanten LTE-Mast zusammen. Demnach habe es im September 2019 einen Antrag der Grünen gegeben, sich an der Telekom-Aktion „Wir jagen Funklöcher“ zu beteiligen. Nach dem einstimmigen Beschluss habe man mehrere Standort-Vorschläge besprochen. Am Ende habe man sich auf den jetzt anvisierten Standort hinter dem Sportplatz – und somit in der Nähe des Kindergartens – geeinigt. Mittlerweile gebe es einen unterschriebenen und rechtskräftigen Pachtvertrag, Änderungen in der Angelegenheit seien nicht mehr möglich, so Trau.

Einige Anwohner betonten während der Einwohnerfragestunde, dann sie zu spät informiert worden seien. Man habe nicht generell etwas gegen den Mast, aber der Standort zwischen Kindergarten und Sportplatz sei nicht akzeptabel, so der Tenor. Möglicherweise könne es zu Erbgutschäden kommen, es gebe viele Hinweise, dass die Strahlung durch einen solchen Turm bedenklich sei. „Die Anwohner wurden nicht ausreichend informiert, wir hätten mindestens ein Anschreiben hierzu erwartet“, so eine Bürgerin. „Gibt es denn eine Zustimmung vonseiten der Unteren Naturschutzbehörde und wenn nicht, wie kann man dann einen Pachtvertrag abschließen?“, lautete die nächste Frage im Saal. Der geplante Standort sei eine Einflugschneise des Sportflugplatzes Lauenbrück, hieß es weiter. Der nächste Redner thematisierte die Frage, wie hoch die Kosten seien, wenn man den Standort nochmal ändert. „Strahlt das so ab, dass es uns schädigt?“, wurde gefragt. Trau wiederum argumentierte, die ganze Angelegenheit sei durch die öffentlichen Sitzungen hinreichend bekannt gewesen. Auch müsse man Behörden wie zum Beispiel der Bundesnetzagentur vertrauen.

Während der weiteren Diskussion kam zur Sprache, dass sogar Landwirte im Ort Grundstücke angeboten hätten, um eben einen alternativen Standort zu ermöglichen. Der Bürgermeister verwies dagegen darauf, dass es einen gültigen Vertrag mit der Telekom gebe und dieser sich auf den jetzt geplanten Standort beziehe.

Schon bis Ende dieses Jahres soll der neue LTE-Mast stehen und in Betrieb genommen werden. Stefanie Halle, Pressesprecherin der Telekom AG, erklärte auf Nachfrage der Kreiszeitung, dass die Untere Naturschutzbehörde bislang nicht beteiligt sei, sie werde aber im Baugenehmigungsverfahren eingebunden. Auch Fragen, die den Flugverkehr betreffen, würden dann erst geklärt werden. Man plane weiterhin mit der Gemeinde den Aufbau des Mobilfunkstandorts. Ziel sei es, das Funkloch zu schließen. Der Standort biete die optimale Versorgung der Bürger und werde automatisch für 5 G vorbereitet. Der Planung eines solchen Standorts liege ein komplexer Prüfungsprozess zugrunde, führte die Sprecherin weiter aus. Auch die von den Anwohnern gestellte Frage nach dem Pachtvertrag konnte sie beantworten: Bevor man Geld in eine Planung und in einen Bauantrag investiere, schließe man einen Nutzungsvertrag ab, um die Investitionen zu sichern. „Der Vertrag sieht Klauseln für alle Entwicklungen vor“, erläuterte Halle. In Sachen Gesundheit halte man alle Richtwerte ein. Sie verwies dabei auf das Bundesamt für Strahlenschutz, auch die Stiftung Warentest habe sich jüngst mit dem Thema befasst und als Fazit der Recherche den Satz „Die Forschungserkenntnisse liefern kaum einen Grund zur Sorge“ veröffentlicht.

Die beunruhigten Anwohner sehen das anders, „5 G ist nicht erforscht“, so eine von mehreren Aussagen. Und eine weitere Problematik im Zusammenhang mit dem Projekt sieht Karsten Indorf, der im Ort nachhaltige Landwirtschaft betreibt: „Ich fürchte, dieser Turm wird zu dauerhaftem sozialem Unfrieden in Stemmen führen“, formuliert er in einem Brief an den Gemeinderat. Grundsätzlich habe er Vertrauen in das Bundesamt für Risikobewertung. Aber jede Erkrankung werde künftig mit dem Turm in Verbindung gebracht. Und diese Ängste würden niemals aufhören. Daher solle man einen Standort wählen, der möglichst weit weg vom bewohnten Gebiet sei, so Indorfs Fazit.

Hintergrund: Vor einem Jahr fiel der Startschuss, seit dem sind einige zehntausend Antennen für kommerzielle 5 G-Netze aktiv geschaltet worden. Bei Vodafone funken den Angaben zufolge aktuell mehr als 600 5 G-Antennen. Bis Ende 2020 will das Unternehmen mehr als 8 000 Antennen in Betrieb genommen haben. Die Telekom meldete im Juni bereits knapp 12 000 aktive 5 G-Antennen, bis Ende 2020 peilt der Konzern 40 000 5 G-Masten an. Bei der Telekom-Aktion „Wir jagen Funklöcher“ haben 100 Gemeinden den Zuschlag erhalten, weitere sollen im Ausbauprogramm 2021/2022 berücksichtigt werden.  jtb

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Was hilft gegen Wespen?

Was hilft gegen Wespen?

Livigno ist mehr als Benzin und Zigaretten

Livigno ist mehr als Benzin und Zigaretten

Zwei Jahre nach Einsturz: Neue Brücke in Genua eingeweiht

Zwei Jahre nach Einsturz: Neue Brücke in Genua eingeweiht

Das Pixel 4a hat mehr Power - aber noch kein 5G

Das Pixel 4a hat mehr Power - aber noch kein 5G

Meistgelesene Artikel

Künstler gehen in die Offensive

Künstler gehen in die Offensive

Von Schutzengeln und Film-Träumen

Von Schutzengeln und Film-Träumen

Diskutabler Insektenhort

Diskutabler Insektenhort

Abschied vom Team Klingbeil

Abschied vom Team Klingbeil

Kommentare