SOMMER ZUHAUSE Das Tister Bauernmoor bietet Entschleunigung

„Das ist eine Ruheoase“

Jürgen Otten und Friedhelm Gahlau auf „ihrer“ Lore.
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Jürgen Otten und Friedhelm Gahlau auf „ihrer“ Lore.

Tiste/Stemmen – Jürgen Otten (68) und Friedhelm Gahlau (53) haben eine außergewöhnliche Aufgabe: Sie sind „gute Laune-Bringer“, Geschichtenerzähler, Wissensvermittler und Wochenendgestalter. Sie bringen kleine und große Besucher zum Lachen, sie lachen selber gerne. Ab und zu setzen sie sich auch einmal auf die selbst gebaute Holzlore und fahren ins Moor. Dort setzen sie sich auf den Aussichtsturm und atmen einfach mal durch. „Das ist eine Ruheoase. Wenn ich da sitze und den Blick schweifen lasse, das ist wie eine Woche Urlaub“, berichtet Gahlau. „Seit meiner Jugend verbinde ich ganz viele positive Erlebnisse mit dem Moor - das hat mich sicher geprägt“, ergänzt Otten.

Die beiden sind Vorsitzende des Vereins Moorbahn Burgsittensen, gemeinsam und in enger Zusammenarbeit mit dem Landkreis Rotenburg hegen und pflegen sie das Tister Bauernmoor und natürlich auch ihre Moorbahn. „Das hat sich im Laufe der Jahre so entwickelt“, erinnert sich Otten. Er und seine Mitstreiter hatten angefangen, die Bahn zu erhalten, der Landkreis baute das ehemalige Torfabbaugebiet zum Naturschutzgebiet um. Alle Beteiligten haben ein Areal geschaffen, welches zu jeder Zeit einen Besuch wert ist. „Es ist die Ruhe und die Nähe zur Natur, das zieht die Menschen an“, wissen die beiden. Von außen betrachtet ist es sicher auch das Gesamtpaket, welches überzeugt: Das direkt an das Stemmer Ekelmoor angrenzende Gebiet hat eine Größe von etwa 570 Hektar, es ist Vogelschutzgebiet, es hat historische und spannende Wurzeln, die es zu erfahren gilt. Und dann gibt es da noch die Moorbahn, die – dank des ehrenamtlichen Engagements der Vereinsmitglieder – Besucher zu familienfreundlichen Preisen durch die Landschaft „schweben lässt“, so beschreiben es Otten und Gahlau zu Recht.

In diesem Jahr läuft auch hier alles ein wenig anders. Es fehlen Einnahmen, mit denen der Verein die Bahn und alles, was dazu gehört, unterhält. Aber jammern wollen sie nicht: „Wir sind der Meinung, dass wir die Probleme gut stemmen können, auch ohne Hilfe. Wir versuchen, die Anforderungen, die durch die Pandemie entstanden sind, praktisch und doch effektiv zu lösen“, erklären sie. Die Bahnabteile wurden kurzerhand mit fester Folie voneinander getrennt, sodass eine Art Sicherheitsschutz entstanden ist. Der jeweilige Bahnfahrer trägt beim Kassieren einen Mundschutz. „Vor allem vertrauen wir darauf, dass sich unsere Gäste vernünftig verhalten“, führen sie weiter aus. Für den Verein sind durchaus schon Verluste entstanden: Der Saisonstart musste verschoben werden, nun läuft der Betrieb langsam an. „Wir freuen uns, dass nun mehr Besucher kommen“, bestätigen sie.

Allerdings merken sie auch, dass Besucher kommen, die eher auf Unterhaltungssuche sind. „In diesem Jahr kommen viele, die andernfalls, also ohne die Corona-Situation, eher an andere Orte gehen. Im Moment müssen wir sehr viel Müll aufsammeln, das ist ärgerlich“, stellen sie fest. „Sicherlich bedingt durch die Pandemie, beobachte ich in diesem Jahr vor allem ganz viele Familien mit Kindern, die in den Wald gehen“, ergänzt Gahlau an anderer Stelle. Die Wertschätzung der Natur sei ein ganz großes Thema geworden. Dabei ist und bleibt das Bauernmoor kein Ort für Massentourismus: „Es soll schon die Ruheoase bleiben, die es ist“, formulieren sie. „Als der Landkreis angefangen hat, das Naturschutzgebiet hier aufzubauen, gab es zwischen allen Beteiligten immer wieder Diskussionen, etwa wie groß man das Ganze gestaltet – daraus hat sich am Ende aber viel Positives entwickelt“, beschreibt Otten rückblickend.

Am Ende eines gelungenen Tages im Moor steht stets der Wunsch nach Kaffee und Kuchen ganz oben auf der Liste. „Wenn ich denen sage, heute gibt es keinen Kaffee, ist die Verzweiflung groß. Dabei mache ich natürlich nur einen Witz“, lacht Otten. Seit diesem Jahr sind Jeannette Mittelstädt und Birgit Hirschfeld im Café aktiv und verwöhnen die Einkehrer mit Torten und heißen Getränken. Unter 04282 / 911511 erfahren Besucher, wann das Café geöffnet ist und was die Speisekarte bietet.

Das Tister Bauernmoor wurde ab 1931 im gewerblichen Torfabbau genutzt, seit den 80er-Jahren wurden Moorflächen vom Landkreis aufgekauft. 2000 wurde das Gebiet zum EU-Vogelschutzgebiet erklärt und 2001 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Durch das Moor verläuft kein öffentlicher Weg, sodass die Hochmoorfläche ein störungsarmer Raum und ein großes Rastgebiet für Vögel ist. Infos rund um den Verein finden sich unter www.moorbahn.de, auch unter www.tister-bauernmoor.de lässt sich Wissenswertes nachlesen.  jtb

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