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Projekt will Bürger der Samtgemeinde Fintel zu ehrenamtlichen Klimaschutzpaten ausbilden

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Von: Ulla Heyne

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Projekte wie die Aufstellung von E-Ladesäulen sollen mithilfe der „Klikks“-Initiative auch von Arbeitsgemeinschaften in kleinen Kommunen stemmbar sein.
Projekte wie die Aufstellung von E-Ladesäulen sollen mithilfe der „Klikks“-Initiative auch von Arbeitsgemeinschaften in kleinen Kommunen stemmbar sein. © Heyne

Lauenbrück – Carsharing-Angebote, E-Ladesäulen, Klima-Kochworkshops oder der Austausch der Turnhallenbeleuchtung – all diese Aktionen tragen zum Klimaschutz bei. Und: Sie müssen nicht zwangsläufig von kommerziellen Anbietern oder Kommunen ins Leben gerufen und getragen werden, sondern können auch aus der Bevölkerung kommen. Das zumindest ist die Vision von Aimara Bauer, die ihr Konzept „Ehrenamt für Nachhaltigkeit“ im Klimaausschuss der Samtgemeinde Fintel vorstellte. Denn, so die diplomierte Regionalwissenschaftlerin: „Nicht Bund und Land müssen die Klimaziele letztendlich erreichen, sondern die Kommunen.“

Dabei handelt es sich bei den Projekten wie Fernwärmenetze, Sensibilisierungsworkshops für Kita-Kinder als Multiplikatoren, Solarpartys im Tupperstil, Mitfahrbänke oder Mehrgenerationengärten beileibe nicht um Zukunftsmusik, sondern um tatsächlich bereits umgesetzte Beispiele dafür, wie ehrenamtlich engagierte Bürger sich für den Klimaschutz einsetzen. Die Initiative der Niedersächsischen Landesregierung, die 2018 zunächst in Rheinland-Pfalz als Pilotregion unter dem Namen „Klikks“ (Klimaschutz in kleinen Kommunen und Stadtteilen durch ehrenamtliche Klimaschutzpaten“) startete, ist in der zweiten Phase auf acht Bundesländer ausgeweitet worden, die sich beteiligen. In Niedersachsen geht es um zwei Modellregionen – nämlich den Landkreis Rotenburg/Heidekreis und das Emsland. Im Kern, so Bauer als Projektmanagerin vor Ort bei ihrem Vortrag, gehe es um die Einbindung von Bürgern in Klimaschutzprojekte, die „von unten nach oben“ umgesetzt werden und eine Brücke zwischen Ehren- und Hauptamt schlagen sollen, wären die Kommune doch bereits mit ihren unterschiedlichen Aufgaben als Vorbild, Planer, Regulierer, Promoter und Anbieter gefordert. Angesichts der vielfältigen kommunalen Pflichtaufgaben könnten sie selbst mit einem Klimaschutzmanager, nicht alles in kurzer Zeit stemmen, „deshalb suchen wir Menschen mit Herz und Willen, die Klimaschutz vor Ort ehrenamtlich mitgestalten wollen.“

Eine besondere Vorbildung sei nicht erforderlich; die Institution bietet Beratung, Workshops und Schulungen zu einzelnen Themen an. Der Einzelne profitiere nicht nur von den Weiterbildungsmöglichkeiten, sondern auch einer höheren Selbstwirksamkeit, mehr Wertschätzung durch andere und die Möglichkeit der Vernetzung auf Landes- und Bundesebene. Für die Kommunen, denen es obliegt, diese Beteiligungsmöglichkeit auf den Weg zu bringen und zu promoten, springe nicht weniger heraus als mehr Lebensqualität, Emissionsminderung, ein Imagegewinn, die Verstetigung des Klimaschutzes und die Schaffung organisierter Strukturen, Dinge, die es sonst nur in anderen Bereichen wie etwa dem Brandschutz gebe. Das Ganze soll die Kommunen keinen Cent kosten – erforderlich sei allerdings eine Kooperationsvereinbarung. „Allerdings ist das nur eine Willensbekundung, sich auf den Weg zu machen und die Klimaschutzpaten in den Gemeinden zu stärken.“

In ihrem Vortrag warb Regionalmanagerin Aimara Bauer für eine Selbstverpflichtung der Kommune zur Unterstützung des noch bis 2025 laufenden Projekts.
In ihrem Vortrag warb Regionalmanagerin Aimara Bauer für eine Selbstverpflichtung der Kommune zur Unterstützung des noch bis 2025 laufenden Projekts. © -

Der Ausschuss reagierte zunächst eher skeptisch: „Sollten wir vor einem Beschluss nicht erst mal gucken, wie viel Potenzial eine Gemeinde überhaupt hat?“, so Hannes Lohmann (CDU). Das angepeilte Ziel, in den drei Jahren Projektlaufzeit 30.000 CO2-Äquivalente insgesamt einzusparen, käme ihm doch „sehr sportlich“ vor. Hans-Jürgen Schnellrieder (Grüne) hielt dagegen: „Das ist ein niederschwelliges Angebot an die Bürger – wir haben viele schlaue Leute, die es mitzunehmen gilt.“ Auch Klimaschutzmanager Matthias Weiß begrüßte das Projekt: „So würden Leute, die sich engagieren möchten, einen geeigneten Rahmen finden.“ Allerdings müsse die Gemeinde eingebunden werden, „damit keine Doppelstrukturen entstehen.“

Vorsitzender Claus Aselmann (CDU) hatte einige praktische Fragen: „Wie werden wir in der Praxis begleitet? Und was passiert 2025 nach dem Projektende?“ Dazu Bauer: „Wenn erst mal etwas in Bewegung geraten ist, geht das meist von allein weiter.“ Konkrete Hilfe bekämen die Gemeinden bei der Suche nach Paten durch Pressemitteilungen und Aufrufe in den Amtsblättern. „Ein ambitionierter Vorschlag, aber wir sollten nach dem Trial-and-Error-Prinzip einfach mal gucken, ob‘s funktioniert“, positionierte sich Samtgemeindebürgermeister Sven Maier. Aselmann begrüßte das Projekt grundsätzlich: „Wir hatten mal die Kinderakademie, die leider nach dem Tod von Erika Vauk keinen Nachfolger gefunden hat – aber vielleicht funktioniert es ja jetzt.“ Am Ende stand eine einstimmige Befürwortung des Antrags, über den nächste Woche im Rat entschieden werden soll.  

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