Das Kind im Manne

Überholmanöver im Gartenhaus: Jan Becker aus Fintel besitzt eine überdimensionale Carrera-Rennbahn

Über den Garten geht es in das Holzhäuschen. Dort hat Jan Becker die Carrera-Bahn aufgebaut.
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Über den Garten geht es in das Holzhäuschen. Dort hat Jan Becker die Carrera-Bahn aufgebaut.

Fintel – Spektakuläre Überholmanöver, folgenschwere Karambolagen oder zeitraubende Boxenstopps – was sich im kleinen Fintel im Verborgenen ereignet, klingt nach großem Motorsport. In gewisser Hinsicht ist es das auch. Nur eben doch einige Nummern kleiner als die Wettkämpfe auf den Rennstrecken mit echten Fahrzeugen. Denn im Garten von Jan Becker – genauer gesagt in einer von ihm eigens dafür gebauten Hütte – geht der 38-Jährige mit seinen ferngesteuerten, nur wenige Zentimeter großen Autos an den Start. Becker hat dort zu Hobbyzwecken eine überdimensionale Carrera-Bahn errichtet – und die kann sich mit einer Fläche von 28 Quadratmetern wahrlich sehen und im Betrieb auch hören lassen.

Erste Rennerfahrungen sammelte der Finteler, der mit seiner Frau Melanie und den beiden kleinen Söhnen an der Schneverdinger Straße wohnt, schon in früher Kindheit. „Es gibt Dinge, die gehören auf den Wunschzettel zu Weihnachten einfach dazu – wie eben eine Carrera-Bahn. Und so war es als Junge auch bei mir“, erinnert er sich zurück. Solche Ausmaße wie die Strecke, die er heute besitzt, habe die damals noch analoge Anlage mit ihren Formel-1-Flitzern aber natürlich beileibe nicht gehabt.

Und heute? Heute ist es in dem Automobilfan wiedererwacht – das sprichwörtliche Kind im Manne. Begonnen hatte dabei alles vor vier Jahren, mit einem noch recht simplen Starterpaket, welches er sich zunächst nur für Übungszwecke zugelegt habe. Becker: „Ich bin andernorts viele Rennen gefahren, etwa in Oyten und Hamburg, hatte aber schon lange den Wunsch, mir den Traum von einer eigenen großen Bahn zu erfüllen.“ Und wenn er „eigene“ sagt, dann spielt der in der IT-Branche tätige Slotcar-Fan darauf an, dass das komplett strombetriebene Teil auch von ihm komplett in Eigenregie geplant wurde – unter Zuhilfenahme einer speziellen Software.

Ganz schön beachtlich: Rund 28 Meter lang ist die volldigitale Rennstrecke.

Denn bei seiner überdimensionalen Carrera-Rennstrecke läuft ausnahmslos alles digital. Auf die Tausendstel-Sekunde genau werden die Rundenzeiten gemessen und auf einem Display für alle sichtbar angezeigt. Sechs sogenannte Slots stehen zur Verfügung – für jeden Fahrer, der sich dem Wettkampf stellen möchte, einer. Dabei habe er vor der Pandemie noch regelmäßig mit mehreren Gleichgesinnten „zocken“ können in der 45 Quadratmeter großen, mit einer Wärmepumpe ausgestatteten Hütte, die innen wie außen eigentlich schon mehr einem schmucken Ferienhäuschen ähnelt. „Alleine macht das Hobby nun aber natürlich nicht so viel Spaß“, findet der Finteler, der sich darum mittlerweile zusätzlich einen Rennsimulator zugelegt hat, mit dem er wenigstens in der virtuellen Gemeinschaft ganz coronakonform noch Rennen bestreiten kann. Simracing heißt diese Form des Fahrens in Kennerkreisen.

Und dann schmeißt Jan Becker endlich den Strom an, um seine tollkühnen Künste auf der Bahn zu demonstrieren. Zweifelsohne, hier ist Fingerspitzengefühl. Denn dadurch, dass für die Rennen die Magnete aus den Mini-Fahrzeugen herausgebaut werden („Wir wollen ja keine Lok fahren“), besteht das Risiko, dass diese in den Kurven bei zu hoher Geschwindigkeit aus der Spur rutschen.

Davon gibt es hier zwei, sodass Überholmanöver möglich sind – gewechselt werden können die Spuren an den Weichen per Knopfdruck. „Erfolgt dies im falschen Moment oder wird gar versäumt, kann es auch schnell zu Unfällen kommen“, berichtet Becker. Sei die Schuldfrage direkt eindeutig zu erkennen, würden auch Strafen verteilt. „Der Verursacher muss dann für eine Zeitstrafe in die Box.“ Dorthin sollte nach einer gewissen Rundenanzahl auch besser jedes Fahrzeug mal hingesteuert werden. Denn nicht nur die Zeit wird digital gemessen, sondern ebenso wird berechnet, wann getankt werden muss. Durch einen Stopp in der Box kann die digitale Treibstoffanzeige dann wieder aufgeladen werden. „Im Prinzip funktioniert hier alles so nach den Regeln, wie es im realen Rennsport auch zugeht“, sagt er.

Der Finteler fährt nicht nur die Slotcars, er sammelt sie auch.

Am Ende hat Jan Becker im direkten Wettstreit mit dem Redakteur die Nase vorn. Natürlich, der Mann ist im Training. Wäre es ein reguläres Rennen, würde sich der Ablauf folgendermaßen gestalten: Nach einer Startrunde, um die Startpositionen zu ermitteln, folgen mehrere Qualifizierungsrennen und am Ende das Finale.

Ihm sei es bei der Konzipierung seiner Bahn vorrangig darum gegangen, möglichst lange Spaß an ihr zu haben. „Darum ist auch eine ziemlich anspruchsvolle Strecke mit Potenzial entstanden.“ Eine, für die der 38-Jährige auch schon mal den eigenen 3D-Drucker heranzieht. „Vieles, darunter Leitplanken, Laternen und Halterungen, baue ich damit selber, denn die Preise, die Carrera für das Equipment verlangt, sind schon ziemlich stolz.“

Allein für das Schienenmaterial, welches er nicht selbst habe fertigen können, habe er so rund 2 500 Euro ausgeben müssen. Ihm sei es das wert gewesen, sagt der Finteler, der es kaum noch erwarten kann, endlich wieder Rennen ganz ohne Kontaktbeschränkungen fahren zu können.

Selber mal angucken

Wer Interesse hat, die XXL-Carrera-Rennbahn von Jan Becker mal zu besichtigen, kann sich mit ihm gerne per E-Mail an carrera.fintel@gmail.com in Verbindung setzen.

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