Bundesfreiwilligendienst in Samtgemeinde Fintel

Windeln wechseln inklusive

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Tim-Luca Lenz (v.l.), Kim-Christin Mewes und Saskia Zumpe sind drei der insgesamt fünf „Bufdis“ in der Samtgemeinde Fintel, deren Arbeitsplatz für ein Jahr der Kindergarten ist. 

Lauenbrück - Sie schnüren Windelpakete, stellen Zahnbürsten in Reih und Glied, leiten Experimente oder helfen beim Schleifebinden: Die „Bufdis“ der Samtgemeinde Fintel. Fünf von ihnen absolvieren derzeit den Bundesfreiwilligendienst in einem der kommunalen Kindergärten. Dort werden sie gebraucht – das bestätigen nicht nur die Koordinatorin Kim Holsten, sondern auch die Leiterinnen der Einrichtungen.

Die Anzahl der Jugendlichen, die nach Abschluss der Schule und dem Einstieg in Ausbildung oder Beruf ein Jahr zur Orientierung oder Überbrückung nur für ein Taschengeld für das Gemeinwohl in der Samtgemeinde arbeiten, steigt kontinuierlich. „Vor fünf Jahren hatten wir in der Samtgemeinde einen Bufdi, heute sind es zehn“, bilanziert Holsten. Sie hat Glück: Sowohl die Nachfrage seitens der Einrichtungen als auch die Zahl der Bewerber steige analog – die „Win-Win-Situation“, wie sie es nennt, komme offensichtlich auf beiden Seiten an.

Der Tagesablauf von Kim-Christin Mewes, Tim-Luca Lenz und Saskia Zumpe, mittlerweile schwer entbehrliche Helfer in Fintel, Helvesiek und Stemmen, gleicht sich in vielem: Ankommen, Morgenkreis, Anleitung beim Spielen und Basteln und draußen Toben. Später Vorbereitung des Mittagessens, bei Ganztagseinrichtungen auch der Mittagsschlaf. Dann ist Zeit, die Teller vom Mittagstisch wegzuräumen – „das würde sonst liegen bleiben“, so Lina Harder-Krawtschenko, die Leiterin der Lauenbrücker „Löwenburg“, die „ihren „Bufdi“ Tomke Poc auch im hauswirtschaftlichen Bereich einsetzt.

Ein „zugewandter Dritter“ und zusätzlicher Ansprechpartner, „das ist bei 25 Kindern in einer Gruppe von zwei Betreuerinnen eine unglaubliche Hilfe“, hat sie festgestellt.

Für sie lohnt sich die zeitliche Investition, jedes Jahr neue Freiwillige einzuarbeiten. „Man muss aber schon klar sagen, was man möchte und was erwartet wird.“ Die Voraussetzungen für Bewerber: „Ausstrahlung, Präsenz, Motivation – man muss schon Lust haben auf das, was einen erwartet. Alles andere kann man lernen.“

Gelernt haben die drei jungen Menschen, die sich vorher vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemüht hatten, eine Lehre abbrachen oder von einem Praktikum zum nächsten sprangen, eine ganze Menge. Saskia weiß, wie man Windeln wechselt, Tim-Luca hat mit den Kindern in einem Experiment Cola entfärbt und die Ergebnisse protokolliert („Bei Mezzo-Mix geht es schneller“). Und Kim-Christins Kochbuch mit Rezepten für das wöchentliche Kochen mit den Kindern, ein Vermächtnis für ihren Nachfolger, ist fast fertig.

Und nicht nur Praktisches mehrt den Erfahrungsschatz, sondern ebenso die persönliche Entwicklung – auch für die, die später etwas ganz anderes machen wollen (auch wenn Saskia und Kim-Christin festgestellt haben, dass ihnen die Arbeit mit Kindern viel mehr und sich ab Sommer an den BBS als Sozialassistentinen ausbilden lassen).

Kim-Christin meint: „Ich bin organisierter geworden, selbstsicherer.“ Sie fühlt sich auf das „richtige Berufsleben besser vorbereitet. Tim Luca, der bereits seinen Ausbildungsplatz als Einzelhandelskaufmann in der Tasche hat, hat das Jahr über eine Phase der Orientierungslosigkeit hinweggeholfen: „Eine Zeitlang hatte ich überhaupt keine Lust auf nichts, jetzt stehe ich morgens wieder gern auf!“

Für alle drei zählen die kleinen Erlebnisse, die bleiben werden: Die strahlenden Augen beim Ritt auf dem Esel, das geschenkte selbstgemalte Bild, das Kompliment: „Du bist die tollste Kim!“ Und die Anerkennung: „Das Gefühl, wenn man weiß: Da habe ich was richtig gemacht!“ Saskia, die von den Jüngsten schon mal „Mama“ genannt wird, schätzt die Ehrlichkeit und Spontanität der Kinder und freut sich über ihre Fortschritte: „Einer konnte im Sommer noch nicht mal laufen, jetzt rennt er uns davon.“ 

hey

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