Zukunft des Gasthofs Röhrs in Fintel ist bis dato noch ungewiss

Buddha statt Bier und gutes Essen?

Knapp 100 Jahre reicht die Geschichte des Gasthofs Röhrs in Fintel zurück. Sollte das buddhistische Meditationszentrum kommen, würde der traditionsreiche Schriftzug über dem Eingang verschwinden. Foto: Warnecke

Fintel - Von Lars Warnecke. Die Kneipe des Gasthofs Röhrs, der annähernd 100 Jahre alten Lokalität im Herzen von Fintel – sie ist längst Geschichte. Und auch der bisweilen noch aufrechterhaltende Saalbetrieb – für Familienfeiern und Beerdigungskaffee stets eine beliebte Adresse – könnte schon bald ein Ende finden. Mit der Betonung auf „könnte“ – denn ob das Dorf mit der zum Jahresende vom Betreiberehepaar Jutta und Herbert Petersen angekündigten Geschäftsaufgabe danach ohne eine gastronomische Wirtschaft dasteht, ist Stand jetzt zwar sehr wahrscheinlich, aber für Bürgermeister Wilfried Behrens (SPD) „eigentlich undenkbar“, wie er selbst sagt.

Tatsache ist: Die beiden 73 und 74 Jahre alten Wirte, die das Traditionshaus seit 1986 in dritter Generation führen, wollen sich nach 33 Jahren aufs wohlverdiente Altenteil zurückziehen. Das Haus am Pferdemarkt, dessen obere Etage gegenwärtig noch von den Petersens bewohnt wird, möchten sie verkaufen. Der eigene Nachwuchs geht ganz anderen beruflichen Pflichten nach. „Eigentlich hatten wir das schon vor zehn Jahren vor, uns vom Geburtshaus meiner Frau zu trennen“, meint Herbert Petersen. Interessenten seien gekommen und gegangen. „Irgendwie hat es nie richtig gepasst“, schildert der gebürtige Hamburger die bisher ernüchternde Suche nach einem Nachfolger. „Und natürlich wäre uns ein engagierter Gastronom, der das in unserem Sinne weitergeführt hätte, sehr lieb gewesen – nur ein solches Lokal zu führen, das ist ganz schön Knüppelarbeit, das muss man auch erst mal können – und dazu muss man auch bereit sein“, meint Petersen und nennt in einem Atemzug die zahlreichen Dorf-Gasthöfe, die, wenn nicht schon geschehen, nach und nach schließen würden.

Nun also, nach Jahren ohne wirklichen Vorstoß, nachdem auch die Gründung einer Betreiber-Genossenschaft zwischendurch gescheitert war, soll die Erleuchtung in die riesige, gut in Schuss gehaltene Immobilie einziehen. So sehen es jedenfalls die jetzigen Hauseigentümer vor. Die stehen nämlich im Austausch mit einer Gruppe thailändischer Buddhisten, deren Hauptsitz in Augsburg liegt und die das Haus in Zukunft gerne als öffentliches Meditationszentrum führen möchten. Petersen spricht mit Blick auf die Veräußerung von einer „ernsthaften Sache, denn das sind jetzt kapitalstarke Leute, die das bezahlen und keinen Kredit aufnehmen werden müssen“. Und er versichert: „Bekehren wollen die zu ihrem Glauben sicher niemanden.“

Erst in der vergangenen Woche hatte der in Fintel allseits bekannte Gastronom das Vorhaben in einer nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates vorgestellt. Dort wurde auch bekannt, dass es bereits zu mehreren Besichtigungsterminen mit den deutschsprachigen Mönchen, von denen vier oder fünf auch fest ins Haus einziehen werden, gekommen sei. Die Freude über das Verlautbarte, sagt Bürgermeister Behrens, habe sich unter den Politikern eher in Grenzen gehalten. „Unterschrieben ist aber noch nichts“, stellt Petersen klar, das sei nun ohnehin alles Sache des von ihm eingeschalteten Maklers. Der werde im Zuge der Abwicklung – für das Zentrum müsste eine Nutzungsplanänderung vollzogen werden – auch noch Gespräche mit dem Landkreis führen.

Was Herbert Petersen persönlich auf dem Herzen liegt: „Die Leute sollen jetzt nicht denken, von heute auf morgen bräuchten sie nicht mehr bei uns anrufen, weil wir ja eh dichtmachen.“ Er und seine Frau wollen erst dann einen Schlusspunkt setzen, wenn der Notar alles unterschrieben habe.

Bis dahin hofft Wilfried Behrens, dass sich womöglich doch noch ein kapitalstarker Interessent findet, der den Gastrobetrieb, gerne auch mit fremdländischer Speisekarte, aufrecht erhält – und zwar langfristig. „Gegen die Buddhisten hat sicher niemand etwas, das sind friedliche Menschen“, sagt er, „nur an genau dieser Stelle in unserem schönen Dorfmittelpunkt sollte eigentlich ein Lokal weiter bestehen.“ Einfluss ausüben könne die Politik dahingehend nicht. Behrens: „Es ist ein reines Privatgeschäft.“ Zwar bestünde seinen Worten nach die Möglichkeit, das Vorkaufsrecht zu ziehen, was allgemeinhin bei Veräußerungen gegeben sei, „nur das ist ein Klotz, den wir seitens der Gemeinde nicht bewältigen können.“

Übrigens: Mit dem thailändischen Meditationszentrum stünde Fintel nicht alleine dar. Auch im benachbarten Lünzen gibt es, etwas versteckt gelegen, bereits eine ähnliche Stätte – die wiederum geführt von einer tibetischen Glaubengemeinschaft. Manch einer mag sich noch an den dortigen Besuch des Dalai Lama erinnern – das war vor zwölf Jahren.

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