Lauenbrücker Kirchengemeinde legt nachhaltigen Garten zum Naschen an

Blühende Aussichten

Das Lauenbrücker Gotteshaus bekommt einen ganz besonderen Vorgarten: Hinnerk Ehlbeck (l.), Vorsitzender des Kirchenvorstandes, und Pastor Lars Rüter stellen das Permakultur-Projekt vor.

Lauenbrück – Frühlingszeit ist bekanntlich Pflanzzeit. Und gepflanzt worden ist vor dem Lauenbrücker Gotteshaus wahrlich schon eine ganze Menge. Seit gut zwei Wochen krempeln Ehrenamtliche aus der Kirchengemeinde die Ärmel hoch und greifen zum Spaten. Dort, wo früher einmal nicht viel mehr als Gras spross, die Bodenverhältnisse immer ärmer und moosiger geworden sind, entsteht großflächig ein essbarer, für jedermann zugänglicher Waldgarten – ein produktives System mit Sträuchern, Wildpflanzen und Naschobst. Nachhaltigkeit nennt man das allgemeinhin. Oder, um die Worte von Pastor Lars Rüter (54) zu zitieren: „Bewahrung der Schöpfung“, wie es im Kirchenjargon heißt.

„Eigentlich hatten wir vorgesehen, das Projekt im Rahmen des 50. Jubiläums unserer Kirchengemeinde der Öffentlichkeit vorzustellen“, sagt der Geistliche. Nur habe die Corona-Pandemie eben auch der für den 5. April geplanten Festveranstaltung einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Stattdessen wolle er das Projekt nun, einige Tage vorgezogen, über die Presse publik machen – und mit ihm Hinnerk Ehlbeck. Der 44-Jährige ist Kirchenvorstandsvorsitzender in Lauenbrück und hatte die zündende Idee zu dem sogenannten Naschgarten. „Ich beschäftige mich mit dem Thema Permakultur schon seit vielen Jahren, ohne dass es mir am Anfang überhaupt klar war“, sagt Ehlbeck. So habe er auf seinen Flächen inzwischen schon mehrere Weideplantagen angelegt. „Die pflanzt man einmal und kann sie danach immer wieder benutzen.“ Vielen Menschen sei gar nicht klar, dass es überhaupt funktioniert, „dabei ist es eine relativ einfache Sache.“

Wie einfach, das lässt sich in diesen Tagen vor der Kirche recht gut beobachten. Im Schulterschluss mit einem professionellen Planungsbüro, das sich auf eine ebensolche Gartengestaltung spezialisiert hat, entstehen zu den Bestandsbuchen neue Beete, ein geschwungener Weg und demnächst auch noch, gleich rechts neben der Eingangstür, eine von Stauden und einer niedrigschwelligen Steinmauer eingefasste, geschotterte Sitzecke zum Verweilen.

„Letztendlich kamen wir zu der Einsicht, dass eine bloße Rasenfläche ökologisch gesehen völlig wertlos ist“, sagt Rüter. Im Prinzip habe die bisherige parkähnliche Fläche nichts weiter produziert als ständig wiederkehrende Unterhaltungskosten. Geld, das man bis auf den nunmehr einmalig zur Anschubfinanzierung eingesetzten Etat – die beiden Kirchenmänner sprechen von einem vierstelligen Betrag – in Zukunft einsparen könne. „Darüber hinaus sind wir noch dabei, für unser Projekt Fördermittel einzuwerben.“

Die Idee in den Kirchenvorstand hineingebracht habe er schon im vergangenen Sommer. „Alle fanden das Vorhaben klasse, wobei sich einigen damals noch gar nicht vorstellen konnten, wie das Ganze einmal aussehen würde.“ Selbst jetzt, wo die meisten Pflanzen in einer konzentrierten Aktion in den Boden gebracht worden sind, lässt sich nur erahnen, welches Bild der „paradiesische“ Garten auf den Betrachter demnächst machen wird. „Es ist so, dass die Pflanzen quasi in mehreren Etagen wachsen – es sind bewusst verschiedene kleinere und größere Sträucher dabei“, erläutert der Landwirt. Auf diese Weise sei durch das Einfangen des Sonnenlichts nicht nur eine hohe Produktivität garantiert, nein, „gleichzeitig wird der Luft durch das ober- wie unterirdisch eingelagerte Holz noch Kohlenstoff entzogen, wobei es auch zu einer CO2-Einsparung kommt.“ Dabei habe man nicht nur den Menschen im Blick, der hier Jahr für Jahr aufs Neue Früchte, Kräuter und andere Nahrungsmittel ernten könne und auch ausdrücklich solle, sondern auch die Vogel- und Insektenwelt. „Denn auch das ist ein Ansatz der Permakultur“, erläutert Ehlbeck. Dabei würde der Bestand von Mal zu Mal ertragreicher, ohne dass die Pflanzen in diesem sich selbst stabilisierenden System künstlich bewässert werden müssten – spricht‘s, und deutet mit dem Finger auf eine Feige, die schon jetzt an ihrem Baum hängt. „Die Beerensträucher und der Wein werden dann im Spätsommer erste Früchte tragen, die Esskastanien wohl erst nach fünf bis sechs Jahren.“ Selbst einen Pfeffer- und einen Mispelbaum haben die Ehrenamtlichen in die Erde gebracht – und was die Stauden betrifft, so könne man von denen einiges auch als saisonale Dekoration für die Kirche verwerten, sieht Lars Rüter einen weiteren Nutzen.

Wie es nun weitergeht? In einigen Wochen soll das Rondell vor dem Lauenbrücker Gotteshaus gebaut werden. Direkt nach Ostern, kündigen Ehlbeck und Rüter an, seien noch einige weitere Pflanzungen geplant. „Natürlich werden wir auch dann nötigenfalls Abstand zueinanderhalten“, versichert das Duo. Wer mitmachen möchte, den Grundstock für den essbaren Waldgarten weiterzulegen, kann sich mit Hinnerk Ehlbeck unter der Nummer 0174 / 4169730 in Verbindung setzen.

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