„Brassix“ unternimmt musikalische Reise

Blech statt Brexit

Normalerweise in größeren Besetzungen unterwegs, dieses Mal im kleinen Ensemble – so machte klassische Blasmusik Spaß. - Foto: Heyne

Lauenbrück - Eine musikalischer Reise durch die Jahrhunderte, erstaunlich versiert dargeboten von sechs Hobby-Bläsern, und das alles für lau – gibt‘s nicht? Gab‘s doch! Und zwar beim jüngsten Herbstkonzert der Lauenbrücker Martin-Luther-Kirchengemeinde am Samstagabend, als die Formation „Brassix“ im örtlichen Gotteshaus gastierte.

Und die hat, wie Posaunistin und Moderatorin des Abends Wiebke Corleis mit einem Augenzwinkern in Anspielung auf die Ankündigung auf der kirchlichen Website erklärte, rein gar nichts mit „Brexit“ zu tun. Sondern vielmehr mit sechs Blechbläsern, die sich über Posaunenorchester immer mal wieder in unterschiedlichen Konstellationen begegneten, die musikalische Arbeit auch im kleinen Ensemble zu schätzen lernten und obendrein noch „persönlich verbandelt“ sind. Über einen solchen Kontakt war den knapp 40 Zuhörern an diesem Abend auch der rundum hörenswerte Auftritt beschert worden, alldieweil eine der drei Trompetenstimmen von der Schwester von Pastor Lars Rüter bedient wurde.

Auf dem Programm: Ein chronologischer Abriss klassischer Arrangements für Blechbläser, von der Spätrenaissance bis zu zeitgenössischen Komponisten wie Dieter Wendel, Jahrgang 1965 und seines Zeichens bayerischer Landesposaunenwart.

Dabei hatte das Sextett aus drei Trompeten oder – je nach Stück- Flügelhörnern, zwei Posaunen und Tuba wohl daran getan, die Werke einiger Komponisten zu Einheiten zu bündeln – so kam die Zusammenstellung von Bachs Marsch, Sinfonia und Choral und Coro festivo ebenso kohärent daher wie Wendels moderner romantisch-kontemplative Fantasie, Sarabende und Gavotte. Dabei zeigten vor allem Posaunen und Tuba eine äußerst sichere Intonation und setzten immer wieder Akzente.

Aber auch die Mitwirkung des Publikums wurde – mit Erfolg – eingefordert, ging es schießlich darum, die Musik gemeinsam zu zelebrieren. Gern ließen sich die Zuhörer mit Gedichten und Vorspiel in die Lieder „Wir pflügen und wir streuen“ und „Kein schöner Land“ ein- und entführen, um dann selbst mitzusingen.

Die Begeisterung indes war nicht einseitig – auch die Musiker aus Buchholz, Tostedt und umzu lobten das Ambiente: „Da hab ich nun 30 Jahre warten müssen, die tolle Akustik hier wieder einmal zu genießen“, stellte Wiebke Corleis als ehemaliges Mitglied eines hiesigen Posaunenchors mit einem Schmunzeln fest. Kein Wunder also, dass im Publikum zahlreiche ehemalige Bläserkollegen rund eineinhalb Stunden Musik für die Seele goutierten.

Ein unbestrittener Höhepunkt und Beweis, dass „modern“ nicht gleich „schräg“ oder „anstrengend“ sein muss: „Yellow Mountains“ des zeitgenössischen niederländischen Komponisten Jacob de Haan. Mit feiner Dynamik gab sich das Publikum nicht mit dem schwelgerischen Abschiedsstück als Rausschmeißer zufrieden und erklatschte sich den flotten Kirchentags-Gassenhauer „Wir wollen aufstehen“ in hörenswert-funkigem Bigband-Arrangement. 

hey

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