Dumm gelaufen

Ausharren bis zur nächsten Wahl: Seniorenbeirat der Samtgemeinde Fintel findet keinen Nachwuchs

Vorsitzender des Seniorenbeirats in der Samtgemeinde wäre Wilhelm Tödter heute lieber nicht mehr. Trotzdem will der 70-Jährige bis zur nächsten Wahl in vier Jahren als solcher weitermachen.
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Vorsitzender des Seniorenbeirats in der Samtgemeinde wäre Wilhelm Tödter heute lieber nicht mehr. Trotzdem will der 70-Jährige bis zur nächsten Wahl in vier Jahren als solcher weitermachen.

Lauenbrück – Das war so nicht geplant: Eigentlich hätte Ende September, im Windschatten der Bundestagswahl, in der Samtgemeinde Fintel zum ersten Mal auch ein neuer Seniorenbeirat gewählt werden sollen – von der dazu aufgerufenen Generation 60plus. So hatte es sich das Gremium mit seinem Vorsitzenden Wilhelm Tödter (70) jedenfalls vorgestellt, als man vor gut zwei Jahren, in Abstimmung mit der Verwaltung im Rathaus, eine überarbeitete Satzung auflegte – eben mit dem Ziel, das Prozedere per Bürgerentscheid auf ein breites, demokratischeres Fundament zu stellen.

„Vorher war es nämlich noch so, dass die Zusammensetzung mehr oder weniger unter sich ausgemacht wurde, man gewisse Ämter ohne großes Tamtam einfach so weitergegeben hat“, erläutert Tödter. Er selbst sei auf diese Art und Weise noch ins Amt gekommen – vor acht Jahren. Ein Amt, das der ehrenamtlich tätige Tausendsassa, wäre es nach ihm gegangen, jetzt aber nur liebend gerne an den Nagel gehängt hätte.

Dass er heute, fast drei Monate nach dem ursprünglich vorgesehenen Stichtag, noch immer dem fünfköpfigen Gremium vorsitzt, ist der Tatsache geschuldet, dass es 2021 – im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen im Landkreis – gar keine Seniorenbeiratswahl in der Samtgemeinde gab – weder vor noch nach noch parallel zur Bundestagswahl. Was da schiefgelaufen sei? „Eigentlich alles“, seufzt der Lauenbrücker, der unter anderem noch den VdK-Kreisverband anführt wie auch den Brieftaubenzuchtverein Lauenbrück und Umgebung. Demnach sei kein einziger Kandidat vorgeschlagen worden, den man auf eine Aufstellungsliste hätte setzen können – „weder aus den Reihen derer, die eine Wiederwahl anstreben, noch aus solchen, die sich gerne neu für die Belange der Senioren bei uns einsetzen möchten“ schildert er das Dilemma. Dabei, betont Tödter, habe es an Kommunikation und Information keineswegs gemangelt, sei er zuletzt sogar selbst aktiv geworden, um im Rahmen der wegen Corona dann doch recht eingeschränkten Möglichkeiten Leute für eine Mitarbeit zu gewinnen – jedoch erfolglos. „Es sind ja eigentlich genug Alte da, aber sie wachsen ganz einfach nicht nach“, bringt er das Problem auf den Punkt. „Keiner will so recht Verantwortung übernehmen.“

Und so bleibt dem Gremium, dessen Angehörige übrigens aus allen fünf Mitgliedsgemeinden stammen und so bestenfalls Kenntnis darüber haben, wo vor Ort der Schuh drückt, auch nichts anderes übrig, die Geschäfte in alter Besetzung kommissarisch fortzuführen – bis zur nächsten Bundestagswahl in vier Jahren, wie es die noch relativ junge Satzung vorsieht. „Ändern wollen wir an diesem Prozedere nichts“, so der Vorsitzende wider Willen. Wohl aber spiele er nun mit dem Gedanken, die Bevölkerung künftig mehr an der Seniorenbeiratsarbeit teilhaben zu lassen – etwa in öffentlichen Sitzungen, in denen für die ältere Generation auch mal Vorträge und Workshops abgehalten werden könnten. „So etwas wäre ganz sicher eine gute Werbung für uns“, ist der Lauenbrücker, der auch sein monatliches Beratungsangebot für Senioren im Rathaus der Samtgemeinde wieder aufleben lassen möchte, sobald es die Pandemielage wieder zulässt, überzeugt. Handlungsbedarf sieht er allemal: „Entweder wir nehmen das so hin, dann haben wir irgendwann keine Altenarbeit mehr. Oder wir tun etwas.“

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