Aktion des Verkehrsvereins

Apfelbäume für Erstklässler: Grundschüler aus Lauenbrück und umzu bekommen spätes Einschulungsgeschenk

Über ihre Apfelbäumchen freuten sich die Kinder der Klassen 1a und 1b an der Grundschule in Lauenbrück. Auch in der Außenstelle in Stemmen sowie in der Friedrich-Freudenthal-Schule in Fintel bekamen die Erstklässler ein solches Geschenk.
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Über ihre Apfelbäumchen freuten sich die Kinder der Klassen 1a und 1b an der Grundschule in Lauenbrück. Auch in der Außenstelle in Stemmen sowie in der Friedrich-Freudenthal-Schule in Fintel bekamen die Erstklässler ein solches Geschenk.

Lauenbrück – Es ist kühl draußen an diesem Mittwochvormittag, „nasskalt“ trifft es am besten. Bibbernd steht die kleine Marie vor der Grundschule in Lauenbrück neben ihren Klassenkameraden von der 1b und harrt der Dinge, die da noch kommen mögen. „Mama, wer ist eigentlich der Mann da drüben mit dem Rauschebart und der Latzhose?“, fragt die Sechsjährige ihre Mutter. Von Eckart Brandt hat das Mädchen offenbar noch nichts gehört – geschweige denn gesehen. Dabei ist Brandt doch der „Apfelpapst“, ein aus Funk und Fernsehen bekannter Fachmann für das wohl beliebteste Obst der Deutschen.

Der im Alten Land beheimatete Pomologe war jedenfalls nicht zufällig in Lauenbrück zugegen, ganz im Gegenteil: Einmal mehr bekamen die erst vor wenigen Wochen eingeschulten Erstklässler in seinem Beisein sowie dem von Heino Peters, dem Vorsitzenden des Verkehrsvereins der Samtgemeinde Fintel, einen – man wird es ahnen – Apfelbaum geschenkt.

Eine solche Aktion, berichtet Peters, wie sie im achten Jahr durchgeführt werde, habe schon Tradition, nicht nur in Lauenbrück, sondern auch an den übrigen Schulstandorten in Stemmen und Fintel, wo der frühere Leiter der Fintauschule und sein langjähriger Partner Brandt am Mittwoch ebenfalls mit der Mission aufschlugen, die von der Samtgemeinde gesponserten Bäumchen an die Kinder zu verteilen.

Pomologe Eckart Brandt hatte ordentlich zu tun: 51 Bäume wechselten den Besitzer.

Zuvor hatten die eine Übersicht an alten, regionalen Sorten bekommen, aus der sie sich gemeinsam mit den Eltern einen Baum aussuchen konnten. 51 Jungpflanzen, ob Hoch- oder Halbstamm, wechselten so alleine an der Lauenbrücker Grundschule den Besitzer. So viele, wie noch nie. „Bei der Auswertung hat sich herausgestellt, dass der Apfel des Jahres, zumindest hier in Lauenbrück, der Knebusch ist“, beschreibt Peters die Nachfrage. Warum diese Ballung? Eckart Brandt klärt auf: „Diese Apfelsorte kommt quasi aus der Nachbarschaft, ist aus Sittensen, wo sie der Bauer Johann Knebusch zuerst hatte, in die Welt verbreitet worden.“ Es sei aber auch wirklich ein schöner, leuchtend roter Geest-Apfel und eine Gartenzierde, befindet der Bioobstbauer, der weiß: Die Erhaltung der alten Apfelsorten sei nicht nur für die Geschmacksvielfalt ein großer Vorteil, sondern auch für die Aufrechterhaltung eines umfangreichen Genpools von immenser Wichtigkeit.

Begonnen hat Brandts Interesse mit einer kleinen Mosterei. Als ihm immer öfter auffiel, dass seine Kunden ihm Obstsorten brachten, die er nicht zweifelsfrei identifizieren konnte, war sein Interesse für die traditionellen, oft fast ausgestorbenen Obstsorten geboren. 30 Jahre ist das nun her. Der Landwirt begann, von der Ausrottung betroffene Sorten zu vermehren. Mit dem Projekt „Boomgarden“ engagiert sich der 71-Jährige bis heute für deren Schutz und die Sammlung.

Nun hat sicher nicht jede Familie einen eigenen Garten, in dem sie einen Apfelbaum pflanzen könnte, oder es mangelt schlichtweg an Platz. Organisator Heino Peters weiß natürlich darum – benachteiligt fühlen, betont er, müssten sich solche Kinder aber nicht. „Hinter dem Schulwald ist auf öffentlichem Grund eine Fläche angelegt, auf der wir diese Bäume pflanzen können.“ 27 seien es inzwischen an der Zahl – sieben weitere würden nun noch hinzukommen.

Mittlerweile geht es ans Verteilen – und das in geordneten Bahnen. Dafür sorgt schon Kristina Muraszewski, die Schulleiterin. Ein Schüler nach dem nächsten darf sich sein Gehölz abholen. Und die Freude über die Geschenke steht den Kindern ins Gesicht geschrieben. Darum, meint Heino Peters, geht es auch bei der Aktion: Freude zu bereiten. Aber nicht nur darum. „Ein weiterer grundlegender Gedanke ist es, dass begleitend zur Entfaltung der Schülerpersönlichkeit im Bildungsprozess ein junger Baum im Wachsen und Werden begleitet und der Baum so einen Schüler-Paten erhält.“ Außerdem würde ja auch so das Interesse der Lütten für die Natur erweckt.

Eltern, Großeltern und Mitschüler verfolgten die Übergabe aus unmittelbarer Nähe.

Und Marie, das Mädchen, das inzwischen den Namen des Mannes mit dem Rauschebart und der blauen Latzhose kennt? Die trägt gerade einen Jakob-Lebel-Apfelbaum im Halbstamm-Format von dannen. „Wenn der mal groß ist, freuen sich bestimmt auch die Bienen und Schmetterlinge drüber“, ist sie überzeugt.

Nach einer guten halben Stunde hat der „Apfelpapst“ seine Pflicht getan. Neben Knebusch und dem ebenfalls stark nachgefragten Finkenwerder Herbstprinz hat Brandt noch so illustre Apfelsorten wie Ontario, Seestermüher Zitronenapfel oder Alkmene unter die Leute gebracht – eben alles schöne alte Sorten, die ihm zufolge aus der Region kämen und einfach robuster und vitaler seien als die modernen, gespritzten Erwerbsobstsorten aus dem Supermarktregal. Letztere, sagt er, hätten so in der Regel schon eine große Zahl von Schönheitsbehandlungen hinter sich.

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