Absolut existenzgefährdend

Gasthof Röhrs: Gerade erst gegründet, schon fast wieder geschlossen

Der Gasthof Röhrs ist geschlossen, die Zukunft – wieder einmal – ungewiss.
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Der Gasthof Röhrs ist geschlossen, die Zukunft – wieder einmal – ungewiss.

Die Situation ist verzwickt und fast aussichtslos. Nach monatelangen Verhandlungen, Überlegungen, der Suche nach den passenden Konzepten, hatte sich erst die Initiativgruppe „Dorfmitte Fintel“ gegründet, dann entstand eine Genossenschaft daraus. Diese wiederum hatte das Glück, den richtigen Pächter für den verlassenen Gasthof Röhrs zu finden. Denny Thoms, ein erfahrener Wirt, hatte Anfang Oktober den Pachtvertrag unterschrieben.

Fintel – Zum 1. November wollte er öffnen, zum 2. November kam der Lockdown. Diese Situation ist nicht nur schwierig, sie ist momentan fast schon aussichtslos. Denn die in der Politik und Öffentlichkeit bekannt gemachte, neue Form der Überbrückungshilfe, die für den November 2020 als Rettungsschirm gedacht ist, greift in diesem Fall ins Leere. 75 Prozent vom November-Umsatz 2019 oder vom durchschnittlichen Umsatz in 2019 – diese Formel wird bei denen angewandt, die nun die Hilfe beantragen. Doch als gerade erst gegründetes Unternehmen stehen keine Umsätze zur Verfügung, die als Maßstab gelten könnten.

„So wird jeder Gründer in diesem Jahr direkt in die Insolvenz geschickt“

„Das betrifft nicht nur mich, sondern auch alle anderen Unternehmer, die 2020 gegründet haben“, so Thoms. „So wird jeder Gründer in diesem Jahr direkt in die Insolvenz geschickt“, findet er klare Worte. Geärgert habe er sich auch über die Aussage der Agentur für Arbeit, die ihm geraten habe, er solle die Menschen doch gar nicht erst einstellen: „Ich bin Unternehmer, ich will die Leute aus der Arbeitslosigkeit heraus holen“. Es sei zudem in dem ganzen Hin und Her kaum mehr zu schaffen, sich über Fördermöglichkeiten oder andere Hilfen zu informieren, da ständig neue Regelungen kämen.

„Die Gründer werden total im Stich gelassen“

Während der ersten Lockdown-Phase hatte er in seinem damaligen Unternehmen das Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter aus eigener Tasche aufgestockt. Auch jetzt kann Thoms sich nur über Privatdarlehen und Kredite halten. Und dies geht nicht lange: „Wir rechnen damit, dass die Gastronomie aufgrund der hohen Corona-Fallzahlen bis Ende des Jahres geschlossen bleiben muss. Januar und Februar sind erfahrungsgemäß umsatzschwache Monate. Und im März kann ich das nicht mehr überleben, dann ist Schluss“, so seine klare Aussage. Besonders bitter sei, dass er im Oktober, als er den Pachtvertrag unterschrieben hatte, davon ausging, bis zu 100 Personen bewirten zu dürfen. „Zwei Wochen später dann der Lockdown, das ist ein Todesstoß“, so Thoms.

Ihn trifft die ganze Sache auf vielen Ebenen. Er hat seinen früheren Betrieb geschlossen, um den neuen Standort zu übernehmen, in die Bestuhlung und neue Geräte investiert. Nun steht er vor einem Scherbenhaufen. Zwar bietet sein „Gasthof Fintel – Die Heidjer Genussküche“ eine Außer-Haus-Karte an, doch damit lässt sich kein mit einem normalen Betrieb vergleichbarer Umsatz erwirtschaften. Zwei Angestellte hat er noch, die er nicht im Stich lassen will. „Für mich ist das alles eine Milchmädchenrechnung der Politik. Die Gründer werden total im Stich gelassen.“ Keine Frage, seine Situation ist ernst.

Gasthaus Röhrs: Junge Genossenschaft will helfen

Die noch junge Genossenschaft, die ihn als Pächter engagiert hat, will helfen. „Doch unsere Mittel sind begrenzt“, weiß Vorstandsmitglied Steffen Florin. „Es ist uns sehr wichtig, dass wir einen Wirt in dem Gasthof haben, und wir unterstützen ihn, so gut wir können“, betont er. Dennoch müsse das Thema an die Öffentlichkeit. Die Gemeinde zum Beispiel könne in der Sache nicht aktiv werden, „das wäre eine wirtschaftliche Tätigkeit, als Gemeinde ist das verboten“, erklärt er. Über Facebook hat er sich an den Landtagsabgeordneten Eike Holsten (CDU) gewandt, per Mail hat er auch den Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil (SPD) angeschrieben. „Wir müssen mit der Sache an die Öffentlichkeit“, so Florin. Auch Thoms hat sich an die beiden Politiker gewandt, deren Antworten stehen noch aus. „Es muss was passieren, die Situation ist absolut existenzgefährdend“, so die klare Ansage von Thoms.

Von Judith Tausendfreund

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