Grünen-Zoff in Fintel

Ein Abgang wider Willen?

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Andreas Suffrian hat sich die politische Zusammenarbeit mit dem Finteler Grünen-Ortsverband anders vorgestellt. 

Fintel - Von Cathleeen Jürges. Den 25. Januar wird Andreas Suffrian wohl nicht so schnell vergessen. Denn an jenem Tag, einem Mittwoch, musste der gebürtige Kölner sein Engagement für die Gemeinde Fintel vorzeitig beenden. Vor fast einem Jahr war Suffrian der Grünen-Partei beigetreten und wollte seit der vergangenen Kommunalwahl im Finanzausschuss der Gemeinde mitwirken. Doch alles änderte sich, als ihm der Vorwurf der parteipolitischen „Untreue“ gemacht wurde, wie er es formuliert.

Anfang Februar. Ratssitzung in Fintel. Suffrian hat in der Zuschauerreihe Platz genommen. Er will an diesem Abend gehört werden, konfrontiert den Parteivorstand mit seinem Rauswurf aus dem Fachausschuss. „Hat es das schon mal gegeben, dass ein Mitglied gegen seinen Willen abberufen wurde?“, richtet er seine Frage an Gabriele Schnellrieder. Die Antwort: ausweichend, Diskussion beendet. Das darauf folgende Schweigen wirft für Suffrian viele Fragen auf, die er gemeinsam mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Werner Kahlke nun zu klären versucht.

Offenbar herrscht dicke Luft in der Finteler Kommunalpolitik. „Das, was da abgeht, das passt auf keine Kuhhaut. Ich bin richtig angefressen“, empört sich der Sozialdemokrat lautstark. Der, um den es sich dreht, bleibt dagegen gelassener. Vor gut einem Jahr, erzählt Andreas Suffrian, sei er gemeinsam mit seiner Frau in den Finteler Ortsverband von Bündnis 90 / Die Grünen eingetreten. 

Auf Krawall aus

„Politikerfahren waren wir beide nicht, aber wir wollten uns engagieren“, sagt er. Ihm persönlich habe der „Spirit“ der Partei gefallen und eben „die ganz normalen, urgrünen Themen“. Erwartungsvoll habe er sich die Arbeit des Ortsverbandes dann einmal angesehen. „Nach der ersten Ratssitzung lief das aber alles nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Es war nicht meine Mentalität. Die meisten Mitglieder waren einfach nur auf Krawall aus“, so Suffrian, der hauptberuflich als Manager im Finanzwesen tätig ist. Seine kritischen Anmerkungen seien jedenfalls nicht auf offene Ohren gestoßen. Laut eigener Aussage sei er als „Unangenehmer“ in den Finanzausschuss „versetzt“ worden. „Damit ich in meinem Metier bleibe“, sagt Suffrian mit sarkastischem Unterton.

Das hört sich aus dem Mund der Ortsverbandsvorsitzenden Gabriele Schnellrieder jedoch ganz anders ab. „Herr Suffrian bot nach der Kommunalwahl seine Mitarbeit im Finanzausschuss an, und wir haben ihn, besprochen mit allen Mandatsträgern, als Nichtratsmitglied in den Finanzausschuss aufgenommen.“

Doch es sollte nicht zur Zusammenarbeit kommen. Die Verpflichtung als Nichtratsmitglied sei ihm in Windeseile wieder entzogen worden, schildert Suffrian. Er hat eine eigene Ansicht, wie es dazu kam: „Mich kannte ja keiner im Finanzausschuss, deshalb wollte ich mich mit der Vorsitzenden Sabrina Zimmer und einem SPD-Mitglied verabreden – privat wohlgemerkt. Ich wollte klarstellen, dass ich nicht auf Krawall aus bin. Mir wurde später vom Vorstand parteischädigendes Verhalten vorgeworfen.“

„So einen Fall hat es noch nicht gegeben“

SPD-Mann Werner Kahlke indes ist überzeugt, dass diese Entscheidung, vor dem Hintergrund, dass ein wichtiges Mitglied des Vorstandes gefehlt habe, keinesfalls demokratisch gefallen sei. „So einen Fall hat es jedenfalls noch nicht gegeben“, sagt er. Zur Grünen-Gruppe zähle nämlich noch Erwin Weseloh als Stimmberechtigter. Laut Kahlke und Suffrian sei der aber an der Entscheidung nicht beteiligt gewesen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende zieht einen Gesetzesauszug aus der Tasche. „Laut Kommunalverfassungsgesetz ist eine Abberufung auch ohne Angabe von Gründen rechtmäßig, nicht aber, wenn der Prozess nicht demokratisch stattgefunden hat“, zitiert er daraus. Und er weist auf einen Paragrafen hin. Der besagt wörtlich: „Wie bei allen Rechten darf von dem Austausch eines Ausschussmitgliedes nicht willkürlich Gebrauch gemacht werden, weil das einen Rechtsmissbrauch darstellen würde.“

„Es deutet alles auf Willkür hin“, behauptet Werner Kahlke. Seiner Ansicht nach hätte Weseloh schriftlichen Widerspruch einlegen können. „Aber wo kein Kläger, da kein Richter.“

Der Ortsverband sieht das anders. Laut Gabriele Schnellrieder habe eine „unterschiedliche Auffassung der gemeinsamen Ratsarbeit“ dazu geführt, dass Suffrian abberufen wurde. Die Vorsitzende erklärt, dass er nach den Meinungsverschiedenheiten einvernehmlich mit allen anderen Mitgliedern ausgetreten sei. Außerdem sei laut ihrer Aussage Erwin Weseloh durchaus an der Entscheidung beteiligt gewesen: „Nach langen Gesprächen im Kreise der Mandatsträger und des Vorstandes mit Andreas Suffrian machte er uns deutlich, dass er sich momentan keine gemeinsame Arbeit vorstellen kann. Daraufhin haben wir, die Gruppe, und Erwin Weseloh seinem Wunsch durch die Umbesetzung im Finanzausschuss entsprochen“, so Schnellrieder.

Es steht also Aussage gegen Aussage. Ein innerparteilicher Konflikt, der nun dazu führt, dass Andreas Suffrian sich möglicherweise einer anderen Partei zuwendet. Denn politisch engagieren möchte er sich weiterhin. „Ich war sehr unzufrieden, dass wir keinen Konsens gefunden haben. Aber ich habe auch andere Hobbys. Ich bin mit den Grünen nicht verheiratet und im Grunde sind unter dem Parteienmantel alle gleich, ich kann deshalb auch mit anderen Ortsgruppen arbeiten.“

In der Zwischenzeit lebt der Wahl-Finteler sein Engagement in einem Internationalen Tierschutzverein und als Wegepate für die Nordpfade aus.

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